W. Weilenmann
Dr. med. dent.
Walter Weilenmann
eidg. dipl. Zahnarzt
dipl. Natw. ETH
Mitglied SSO, SSGS
und SSO-Zürich.

Einschleifen + Ansetzen bei Knirschen + Pressen

Kauschmerzen, kaltempfindliche Zähne und eingeklemmte Speisereste sind Folgen von Knirschen und Pressen. Dabei werden die Zähne flach (sodass das Kaugut nicht mehr zerschnitten wird), tief ausgeschliffen (sodass das Kaugut nicht mehr abfliessen kann), oder auseinander gedrückt (sodass Speiseresten zwischen den Zähnen Platz finden).

Beim Einschleifen macht man stumpfe Kauflächen wieder schnittig und bringt man die fehlenden Abflussrillen wieder zurück. Beim Ansetzen füllt man die ausgeschliffenen Stellen mit Komposit auf. Kauschmerzen verschwinden sofort, Kaltempfindlichkeit und Speiseresten erst nach ein paar Wochen.

Manchmal entstehen durch Pressen und Knirschen vor allem Muskelschmerzen an Wangen und Schläfen. Sie sind manchmal so stark wie Migräne und wecken einem mitten aus dem Schlaf. Da hilft Einschleifen und Ansetzen nicht viel. Besser sind Massnahmen gegen das Knirschen wie die NTI-Schiene.


Das Problem

011Problem365.jpg
Nach dem Einschleifen
58-jähriger Patient (09.11.2016 / 365)

links: Der Zahn ist seit 2 Wochen kaltempfindlich. Der Patient kann nicht mehr darauf beissen. Er erwacht manchmal auch nachts mit Schmerzen bei diesem Zahn. Die Anfärbung zeigt einen breitflächigen Kontakt. Beim Kauen entsteht ein grosser Druck - wie bei einer Flachzange. Die schwache Anfärbung zeigt, das der Patient vorsichtig zusammenbeisst.

rechts: Die Anfärbung zeigt Höckerspitzen und Abflussrillen. Jetzt kann die Kaufläche das Essen wieder leicht zerteilen - wie eine Schere. Die starke Färbung zeigt, dass der Patient wieder kraftvoll zusammenbeissen kann.


013Hoeckerwand7371.jpg
nach dem Einschleifen
50-jährige Patientin (25.05.2018 / 7371)

links: Die herausstehende Höckerwand schmerzt beim Essen, weil das Kaugut immer schräg dagegen drückt. Deshalb kann die Patientin rechts nicht kauen.

rechts: Die Höckerwand ist gekürzt. Die Kaukraft drückt wieder schön senkrecht auf den Zahn. Kauen geht sofort besser. Und nach 2 Wochen verschwindet die Kaltempfindlichkeit.

Kaukräfte zeigen

014TiefeDelle4318.jpg
Kaudelle eingesunken
Kaudelle immer noch zu tief
Kaudellen stimmen überein
67-jährige Patientin (28.05.2018 / 4318)

links: Die Kunststofffüllung ist 26 Jahre alt (Prisma3 / Charisma). Die Abnutzung hat zu einer tiefen Kaudelle geführt.

Mitte: Die neue Füllung zeigt im weichen Komposit eine immer noch etwas zu tiefe Kaudelle. Der Gegenzahn wird etwas gekürzt.

rechts: Jetzt ist die Kaudelle ähnlich flach wie jene des Nachbarzahns.

Vergleich der Kaudellen

Knirschen und Pressen (Bruxismus)

Die drei Positionen beim Kauen, Knirschen und Pressen (Bild rechts)
  • Position 1 (Idealfall): Die Zähne sind meistens in der Ruheschwebe, wo sich Ober- und Unterkiefer nicht berühren. Die Muskeln sind entspannt, und das Parodont und die Zahnnerven sind weder gequetscht noch gedehnt. Die Zähne passen gut zusammen beim Kauen.
  • Position 2 (Knirschen): Beim Knirschen reibt man die Zähne gegeneinander, sodass sie ständig hin und her kippen.
  • Position 3 (Pressen): Beim Pressen beisst man ohne Knirschbewegungen (isometrisch) lautlos zusammen, sodass die Zähne in den Knochen einsinken.

Bei gelegentlichem Pressen und Knirschen kehren die Zähne nach kurzer Zeit wieder zurück in Position 1. Wird andauernd gepresst oder geknirscht, so verschieben sie sich dauerhaft und nützen sich ab, sodass sie beim Kauen nicht mehr gut zusammenpassen.

Am Tag und/oder nachts
  • nachts: Meistens knirscht und presst man im Schlaf. Die Zähne befinden sich dann beim Erwachen in Position 2 oder 3 und finden im Laufe des Tages teilweise zu Position 1 zurück.
  • am Tag: Einige Leute knirschen und pressen vor allem am Tag. Ihre Zähne sind morgens in Position 1 und abends in Position 2 oder 3.
  • Tag und Nacht: Nur wenige knirschen und pressen Tag und Nacht. Sie versuchen ständig, die Position 2 oder 3 für das Kauen stimmig zu machen. Das gelingt nicht, weil diese Positionen bei jeder längeren Pause teilweise zur Position 1 zurückkehren.
Schmerzen

Kaumuskeln, Parodont und Zahnnerv werden beim Knirschen und Pressen verspannt, gequetscht und gedehnt (siehe Bild rechts). Je nach Patient entstehen dabei keine, leichte oder starke Symptome:

  • beim Kauen: blitzartiger Aufbissschmerz, wenn die Zähne beim Kauen nicht mehr gut zusammenpassen,
  • beim Zahnnerv: eine Empfindlichkeit oder ein Schmerz auf kalt oder warm,
  • beim Parodont: ein Berührungsschmerz bei Druck mit der Zunge gegen den Zahn, und
  • bei den Kaumuskeln: Druckgefühl oder Schmerz, meist einseitig ausstrahlend bis Stirn, Schläfe, Auge, Ohr, Wange und Nacken, auch migräneartig.

Mit Einschleifen und Ansetzen kann man die Blitzschmerzen, die Kaltempfindlichkeit und den Berührungsschmerz lindern. Die Muskelschmerzen nehmen nur ab, wenn man nicht mehr so oft knirscht und presst. Das erreicht man mit einer Knirscherschiene.

Einschleifen und Ansetzen

Einschleifen sollte man, wenn sich die Zähne in Position 1 befinden, also spät abends bei nächtlichem Knirschen und früh morgens, wenn jemand tagsüber knirscht.
Es gilt, die Position 1 so einzuschleifen, dass die Zähne beim Kauen wieder gut zusammenpassen. Nicht selten muss man ein zweites Mal einschleifen, weil die Zähne nach dem Einschleifen noch eine bessere Position 1 finden.

NTI-Knirscherschiene

Weil Knirschen und Pressen tiefsitzende Gewohnheiten sind, knirscht und presst man nach dem Einschleifen weiter. Deshalb verschwinden Muskelschmerzen erst, wenn man nicht mehr so oft knirscht und presst. Das geschieht am raschesten und wirkungsvollsten mit einer NTI-Knirscherschiene.

Pressschiene
Die Zähne sind beweglich!

Die Zähne sind mit dem Zahnhalteapparat (Parodont) elastisch am Knochen angewachsen. Die Elastizität schützt sie vor einem sofortigen Bruch bei hoher Belastung.

Das Parodont ermöglicht aber auch Zahnverschiebungen, zum Beispiel wegen einer Federkraft von 50-100 Gramm bei einer Zahnspange. Beim Knirschen und Pressen entstehen Kräfte bis zu 10 Kilogramm!

Dehnungen und Quetschungen beim Parodont und Zahnnerv Parodont: gelb, Zahnnerv: rot

Die Lösung: Einschleifen und Ansetzen

Abgenutzte Zähne zerschneiden das Kaugut nicht, sondern drücken es flach. Dabei entstehen Überlastungen. Meistens bemerkt man sie nicht. Sie können jedoch unangenehm werden, wenn man zu oft zusammenbeisst. Dies geschieht unbewusst pressend und knirschend im Schlaf oder bei der Arbeit, manchmal auch durch häufiges Kaugummikauen.

  • dumpfer Kauschmerz: Senkrechte Überlastungen werden relativ gut ertragen. Sie verursachen langsam einen dumpfen Schmerz beim Essen.
  • heftiger Kauschmerz: Schräge Überlastungen erzeugen einen starken Sofortschmerz im Moment des Zubeissens (typisch bei kleinen harten Körnchen).
  • eingeklemmte Speisereste: Schräge Überlastungen nach hinten können einen Zahn nach hinten schieben. Es entsteht ein Spalt für Speiseresten.
  • Kaltempfindlichkeit: Die Überlastungen irritieren den Zahnnerv. Er entzündet sich und wird kaltempfindlich.
  • Risse und Frakturen: Die Überlastungen führen mit der Zeit zu Ermüdungsrissen und -brüchen in Schmelz und Dentin.
Prinzip des Einschleifens und Ansetzens
  • zentrische Kontakte müssen bestehen bleiben
  • Arbeitsflächen werden verschmälert. Fehlen sie, so kann man sie durch Ansetzen von Komposit herstellen.
  • Abflussrillen sind einzuschleifen, und
  • Vorgleitbahnen müssen horizontal eingeschliffen werden.
  • Hyperbalancen müssen entfernt werden.

Folgen des Einschleifens

Beim Einschleifen wird an den störenden Stellen etwa 0.5 bis 2 Millimeter Zahnschmelz entfernt - meist dort, wo noch keine Abnützung besteht. Nach dem Einschleifen spürt man sofort, dass die Zähne besser zusammenpassen, sich beim Zusammenbeissen freier anfühlen und gleichmässiger berühren, dass sie besser geführt werden und ein besseres Kaugefühl entstanden ist. Manchmal verschiebt sich im Laufe der folgenden Wochen ein Zahn nochmals etwas, entstehen wieder Schmerzen und muss man noch einmal einschleifen.

Bisshebung statt Einschleifen

Bei sehr stark abgenützten Zähnen wird beim Zubeissen der Abstand Kinn-Nase kleiner. Die Zähne sind nur noch 2-3 Millimeter hoch, und beim Essen wird häufig das Zahnfleisch verletzt. Dann sollte man nicht einschleifen, sondern bei allen Zähnen Komposit ansetzen und den Biss erhöhen.

Stumpfe Kauflächen haben ganz verschiedenen Auswirkungen

Beispiel: Einschleifen einer Hyperbalance

Prinzip des Einschleifens 1: Einzelner Kontakt auf schiefer Fläche
2: Sofortschmerz wegen schräger Belastung
3: Hyperbalance eingeschliffen
4: Kontakte jetzt senkrecht und schmerzlos


Arbeitsseite‚ Balanceseite‚ Vorgleitbahn‚ Abflussrille

Je nach Verzahnung (normal, Kreuzbiss, Kopfbiss, jung, alt) sieht das Bild der Zahnflächen wieder anders aus. Deshalb muss man beim Einschleifen immer Anfärben und schauen, was die Zahnflächen für Funktionen haben.

Zahnflächen Das ist eine ideale, theoretische Verteilung der Zahnflächen, wie man sie nie findet.

Die drei Verzahnungen

15-jährig
50-jährig
nach Einschleifen
und Ansetzen

03normal.jpg

Normale Verzahnung:

  • links: Anfangs berühren sich die Zähne nur an einzelnen Punkten. Alle Kinder knirschen mehr oder weniger, sodass die Punkte sich etwas abnützen, noch weitere Kontaktpunkte entstehen können und die Zähne besser zusammenpassen.
  • Mitte: Mit der Zeit können die Kontakte zu breit und die Abflussrillen zu klein werden.
  • rechts: Arbeitsseiten verkleinert, Balanceseite entfernt und zu einer Abflussrille erweitert.
05Kreuzbiss.jpg

Kreuzbiss:

Beim Kreuzbiss entstehen mehr Balancekontakte als Arbeitskontakte. Nach dem Einschleifen sollen die mittig liegenden Teile der Balanceflächen erhalten bleiben.

07Kopfbiss.jpg

Kopfbiss:

Keine Arbeits- und Balanceflächen vorhanden.

Witzgall-Höcker aus Komposit:

Er liegt mitten auf einem Zahn mit Kopfbiss-Stellung und verschafft eine Arbeitsseite.

Obwohl der Witzgall-Höcker eine Erfindung dieser Praxis ist und in der Natur nicht vorkommt, wird er von den Patienten gut ertragen und verbessert das Kaugefühl.

08Kopfbiss.jpg

Kopfbiss

49-jährige Patientin (19.09.2017 / 2764)

Der Zahn -6 hatte eine gelegentlich schmerzende okklusale Erosion beim distobukkalen Höcker. Die Erosion wurde mit Komposit gefüllt und gleichzeitig ein zentraler Höcker hergestellt, um die Höcker-Höcker-Verzahnung mit einer Arbeitsfläche zu ergänzen.


Fehlende Zentrik

Fehlende Zentrik

112Infraokkl6924.jpg

Hier fehlen die zentrischen Kontaktpunkte.

Das ist das Kauzentrum, also der wichtigste Zahn beim Kauen.

Die Patientin konnte effektiv nur auf der Aussenseite der Zähne kauen.

Das ist eine Porzellankrone. Sie war wohl schon immer zu niedrig.

Jetzt haben beide Molaren eine Zentrik. Diese Punkte sind aber noch ein klein wenig zu hoch. Ich muss sie noch ganz wenig beschleifen.

Dass sie zu hoch sind, sieht man daran, dass das Farbband einen blauen Ring macht.

Die Porzellankrone ist einfach nur mit Komposit erhöht worden.

56-jährige Patientin (23.02.2016 / 6924)

Diese Zähne verursachten Schmerzen beim Essen, vor allem bei Darvida und Körnern. Nach dem Essen verschwanden die Schmerzen sofort. Weil das Problem schon viele Jahre dauert (die Porzellankrone ist schon mindestens 13 Jahre alt), knackt das Kiefergelenk bei jeder Mundöffnung ab etwa 3 cm.

Nach dem Einschleifen und Ansetzen: Das Kaugefühl war sofort besser. Die Zähne passten besser zusammen und waren besser geführt.


Schmerzen wegen fehlender Zentrik

113RandKontakt7123.jpg
47-jähriger Patient (17.10.2016 / 7123)

links: Mehrere Zahnärzte in Deutschland fanden den Grund nicht, warum der hinterste Zahn schmerzt (links zuunterst). Er wurde vor kurzem wurzelbehandelt, aber die Schmerzen besserten nicht. Beim Anfärben schien der Zahn keinen richtigen Kontakt zu haben. Aber der Patient erzählte plötzlich, wenn er fest zusammenbeisse, dann schmerze der Zahn. Folglich musste er doch einen Kontakt haben, und es gelang, ihn trotz des Aufbissschmerzes ganz schwach anzufärben. Der Kontakt war nicht in der Mitte, sondern ganz am Rand des Zahnes.
Nach dem Einschleifen und Ansetzen war das Kaugefühl stark verändert. Beim Probekauen auf einem Salzstengel erlebte der Patient, dass er nun seit langem wieder schmerzfrei essen könne.

rechts:Wenn man nur auf einer Zahnkante kauen kann, verteilt sich die Kaukraft nicht gleichmässig über alle Wurzeln. Vielmehr belastet sie immer nur jene Wurzel, die sich direkt unter dem belasteten Höcker befindet. Je kürzer die Wurzel, desto weniger Fasern müssen die Kraft abfangen (kleine rote Pfeile). Sobald sie einmal zu schmerzen beginnen, hört der Schmerz nie mehr ganz auf, weil man den Zahn beim Essen nie genug lange schonen kann. Ähnlich wie wenn man einen Fuss verknackst, aber trotzdem immer weiter wandern muss.

vorher/nachher

Tiefe Kaudelle mit falschen Kontakten bei einem natürlichen Zahn

114TiefeKaudelle.jpg
(06.10.2015)

Dieses Bild stammt von Dr. med. dent. P. Jeblinger (peter.jeblinger@dr-jeblinger.ch)

Manchmal ist ein Höcker so spitzig, dass er eine richtige Grube in den Gegenzahn bohrt. Dann können falsche Kontakte entstehen. Links ist eine Hyperbalance, rechts der Arbeitskontakt, und hinten ist die Vorgleitbahn.

Hyperbalance zeigen
Arbeitskontakt zeigen
Vorgleitbahn zeigen

Ist die Vorgleitbahn zu hoch, so wird beim Vorschieben des Unterkiefers der Zahn nach hinten gedrückt und es entsteht vorne am Zahn eine schmale Lücke, in welche Speisereste hineingequetscht werden können. Dann sollten Sie die Vorgleitbahn einschleifen lassen.

In der Zentrik, also in der Mitte der Grube, ist der Schmelz so dünn, dass das gelbliche Dentin durchschimmert. Es kann sogar ganz an die Oberfläche kommen. Dann wird der Zahn empfindlich bis stark schmerzend, wenn man zu häufig saure Esswaren geniesst.


Hyperbalancen


Einschleifen und Ansetzen - einfacher Fall

13Hyperbalance.jpg

Anamnese: Die Patientin (5951 / 10.3.2015) konnte links nicht mehr gut kauen, weil sie jeweils beim Zubeissen auf dem Sechser einen stichartigen Schmerz verspürte. Dieser Sofortschmerz ist das typische Zeichen, dass eine Füllung funktionell nicht in Ordnung ist.

links
10:02 Uhr, Ausgangssituation:
Dem Sechser fehlt das Kauzentrum. Die Kaukraft kann gegen den steilen Höckerabhang drücken.

rechts
10:24 Uhr, Ansetzen:
Die Kaufläche ist erhöht, und jetzt besteht in der Mitte vom Zahn eine "Zentrik".

Hyperbalance zeigen
Zentrik zeigen

Einschleifen und Ansetzen - zwei Zähne

15EinschleifenAnsetzen.jpg

Anamnese: Die Patientin (6705 / 26.2.2015) habe eine Odyssee hinter sich. Es war alles gut, bis ihr Zahnarzt letztes Jahr sagte, er wolle eine alte Füllung ersetzen. Sie konnte auf dem neuen Cerec nicht gut kauen. Nach ein paar Schleifkorrekturen meinte der Zahnarzt, es sei jetzt alles gut und man könne nichts mehr verbessern. Die Patientin hatte aber immer ein Spannungsgefühl. Bei einem anderen Zahnarzt liess sie das Cerec ersetzen. Tatsächlich verschwand das Spannungsgefühl, aber auch mit der neuen Füllulng konnte sie nicht essen. Sie erfuhr dann von einem Kollegen die Adresse meiner Praxis.

oben links
09:48 Uhr, Ausgangssituation:
Die zentrischen Kontakte sind alles nur Hyperbalancen. Die Patientin hat das Gefühl, auf Watte zu beissen.

oben Mitte
09:50 Uhr, Einschleifen Hyperbalancen:
Die Hyperbalancen sind weggeschliffen.

oben rechts
09:56 Uhr, Neueinfärben:
Nach dem Wegschleifen der Hyperbalancen hat der -7 eine gute Zentrik und eine Arbeitsseite. Der -6 hat keinen zentrischen Kontakt. Trotzdem spürt die Patientin eine Verbesserung.

unten links
10:00 Uhr, Einschleifen Abflussrillen:
Der -7 hat jetzt auf der Arbeitsseite und nach distal bessere Abflussrillen.

unten rechts
10:12 Uhr, Ansetzen:
Das Kauzentrum ist erhöht und hat jetzt auch eine Zentrik und bessere Abflussrillen. Die Patientin sagt, dass sich der Biss jetzt "harmonisch" anfühlt. Das Farbbild des Kontakts (netzförmiges Muster) sieht allerdings danach aus, als ob er noch etwas zu hoch ist. Die Patientin wird sich melden...


Hyperbalancen links unten

1Hyperbalance.jpg

nachher

Hyperbalancen (04.02.2013 / 3504)
Hyperbalancen befinden sich bei den unteren Zähnen an den äusseren Höckern.

Arbeitsvorkontakte


Arbeitsvorkontakt rechts unten

2ArbeitsVorkontakt.jpg

nachher

Arbeitsvorkontakte (04.02.2013 / 4656)
Arbeitsvorkontakte sind seltener als Hyperbalancen. Sie befinden sich bei den unteren Zähnen an den inneren Höckern.

Hyperbalance und Arbeitsvorkontakt

3HyperUndAV.jpg
links: Erster Versuch: der Patient schont den Zahn und färbt ihn nicht richtig an.
Mitte: Zweiter Versuch: jetzt hat der Patient mehr Mut gehabt.
rechts: Nach dem Einschleifen.
Schmerzen beim Anfärben (14.03.2013 / 5498)
Manchmal kann ein Patient den schmerzenden Zahn aus Vorsicht nicht gut anfärben. Zwar kann man die Schliffacetten auch ohne Anfärben erkennen. Aber ohne Farbe könnten sie aus einer früheren Zeit stammen.

Nahkontakte


Gingiva-Schmerz beim Abbeissen (56-jährige Patientin)

4WTNahkontakt.jpg
(17.6.2013 / 475)

links: Die Höcker der oberen Zähne reichen fast bis zur Gingiva. Beim Abbeissen drücken sie die Nahrung auf das Zahnfleisch.

Mitte: Die gekürzten Höcker haben mehr Abstand zum Zahnfleisch.

rechts: Eine Mitursache ist der nach innen gekippte Prämolar.


Tiefe Kaudellen bei einer Amalgamfüllung (57-jähriger Patient)

51TiefeKaudellen.jpg
(27.11.2014 / 1762)

links: VOR dem Einschleifen: Diese uralte Amalgamfüllung hat tiefe Kaudellen, und ein Höcker ist sehr lang.

rechts: NACH dem Einschleifen: Das Amalgam ist flach und der Höcker gekürzt.


Speiseresten

62FoodRetention2560.jpg
35-jähriger Patient (25.08.2016 / 2560)

links: Ein Speiserestenfänger zwischen -6 und -7. Schuld ist ein langer Höcker.

rechts: Das Einschleifen bestand aus:

  • der Höcker wurde gekürzt,
  • er wurde auf der Aussenseite reduziert,
  • der Randwulst der distobukkalen Zahnhälfte wurde gekürzt, und
  • die Abflussrille vor dem Höcker wurde vertieft.
Das Bild wurde 2 Monate nach dem Einschleifen gemacht. Es werden keine Speiseresten mehr eingeklemmt.

Einschleifen anzeigen


64FoodRetention4782.jpg
50-jähriger Patient (01.04.2015 / 4782)

oben links: Auf dem Röntgenbild kann man den falschen Kontakt sehen. Man vermutet aber nicht, dass er falsch ist.

oben rechts: Der falsche Kontakt ist rot gezeichnet.

unten links: VOR dem Einschleifen: Der obere Zahn schiebt den unteren nach hinten, wenn beim Zubeissen etwas Hartes auf dem falschen Kontakt liegt.

unten rechts: NACH dem Einschleifen: Der falsche Kontakt ist weg und es werden keine Speiseresten mehr eingeklemmt.


66FoodRetention618.jpg
71-jähriger Patient (16.05.2017 / 618)

Einschleifen einer Seitenwand

oben: Der Patient klagt über Speisereste im hintersten Zahnzwischenraum unten links. Mit der Zunge kann er die Speiseresten nicht entfernen, wenn sie stören.

unten: Der letzte Zahn hatte eine vorstehende Ecke, welche der Zunge den Zutritt zum Zahnzwischenraum verhindert. Sobald die Ecke abgeschliffen war, sagte der Patient, dass es sich jetzt besser anfühlt.


Änderung der Kraftrichtung

7Vektor6935.jpg

49-jährige Patientin (20.05.2016 / 6935)

Anamnese:

20.1.2016: 1. Reparatur (siehe hier).
23.5.2016: 2. Reparatur wegen erneutem Bruch:

frakturierter 2+

←—Bruchlinie palatinal, vier Monate nach der Reparatur

Offenbar hat die Kraft, die zur Fraktur führte, auch den Aufbau abgerissen.

Folgerung aus dem Misserfolg:

Bei der Reparatur einer Fraktur muss auch die Ursache behoben werden! Zur Umlenkung der Kraft eignen sich in der Front ein Tuberculum und bei Seitenzähnen die Kürzung und Abflachung der Höcker.


Typische Leidensgeschichte

80Leidensgeschichte6924.jpg
56-jährige Patientin (06.06.2016 / 6924)

Anamnese:

  • Seit 1 Jahr Schmerzen oben und unten vor allem bei harten Sachen wie Darvida-Keckse.
  • Notfallbehandlung (in Mexiko) wegen Schmerzen. Der dortige Zahnarzt wollte "alles neu machen".
  • Das linke Kiefergelenk knackt beim Essen zunehmend hart und laut.
  • Naturheilarzt Herrn Stefan Hauser empfahl meine Praxis.

Die Patientin brachte 14 Röntgenbilder vom Hauszahnarzt mit. Aber Okklusionsfehler findet man nicht auf den Röntgenbildern, sondern auf den angefärbten Zähnen.

Anfärbungen:

VORHER (links)

Die Kontakte sind klein und liegen nur auf den Rändern der Zähne. Im Kauzentrum befindet sich eine Höhle und nicht ein Zahnkontakt.

NACH DEM ANSETZEN (rechts)

Bei den oberen beiden Füllungen wurde Komposit angesetzt ( Witzgall-Höcker ), damit grosse Kontakte im Kauzentrum entstehen.

Erklärungen

Folgen:

Das Knacken im Kiefergelenk wurde rasch leiser und weicher. Das Kaugefül war sofort besser. Keine Schmerzen mehr beim Zerkauen von harten Kecksen.


85_2275.jpg
61-jähriger Patient (13.06.2016 / 2275)

Anamnese:

  • Der Zahn 6- schmerzt seit Jahren bei kalt und warm. Jetzt ist Kauen nur noch links möglich.
  • Honigbrot geht gar nicht.
  • Das sei erst gekommen, als ein Zahnarzt vor etwa 2 Jahren eine Porzellanfüllung gemacht habe.

Anfärbungen:

Sehr schöne Kontakte oben und unten. Die "Fehler" sind minimal.

Fehler zeigen (rote Kreise)

Nach dem Einschleifen:

Der Patient spürte auf der rechten Seite sofort weniger Druck und mehr Bewegungsfreiheit.


Copyright © 2018 Icon W. Weilenmann
erstellt: 04.02.2013 - 08.09.2018