W. Weilenmann
Dr. med. dent.
Walter Weilenmann
eidg. dipl. Zahnarzt
dipl. Natw. ETH
Mitglied SSO, SSGS
und SSO-Zürich.

Verlorene Zähne

Mit Komposit kann man viel mehr Zähne retten als mit Porzellan. Die Zahnkrone darf ganz fehlen, aber die Wurzel muss noch gut sein, sonst ist der Zahn verloren.
Die Wurzel darf nicht
    - fest wackeln (Parodontitis),
    - zu kurz oder zu schmal sein (Wurzelkaries),
    - kompliziert gespalten sein (Fraktur), und
    - resorbiert werden (Granulom).

Ein Zahnverlust ist nicht so schlimm, weil man die Zahnlücke mit einer Kompositbrücke schliessen kann (500-800 CHF) und kein Porzellan mehr braucht (1500-2000 CHF).


Zahnverlust wegen Parodontitis
Viele Patienten wollen einen gelockerten Zahn so lange als möglich behalten. Dann ist es sinnvoll, wenn sie ihn besonders gut putzen (oft mit speziellen Zahnbürsten). Er kann dann sogar wieder fest werden. Bleibt er locker, so kann er mit Komposit an den Nachbarzähnen befestigt werden.
  • Bei Schwangeren kann starke Parodontitis das Kind gefährden.
  • Und umgekehrt sagte man früher: "jedes Kind ein Zahn".
  • Bei Rauchern ist Parodontitis nicht zu stoppen.
  • Bei Implantaten schreitet sie besonders schnell voran und heisst "Periimplantitis".
  • Die meisten Menschen haben etwas Parodontitis ohne dass sie es bemerken.
  • Bei etwa 5% der Menschen führt die Parodontitis schon ab 40 Jahren zu Zahnausfall.

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Zahnstein bis zur Wurzelspitze

72-jährige Patientin (19.03.2013 / 3056)

1: Wegen dem Zahnfleischschwund werden die Wurzeln sichtbar. Besonders schwierig wird es, wenn wie hier die "Furkation" erscheint, also ein Eingang zwischen die Wurzeln an die Oberfläche kommt. Nun können sich die Bakterien auch zwischen den Wurzeln vermehren, wo man sie praktisch nie mehr ganz entfernen kann.

2: Hier sieht man die beiden Wurzeln auf der Wangenseite. Sie sind schon komplett aus dem Zahnfleisch herausgetreten.

3: Der Zahn ist weit nach hinten gewandert und länger als die anderen geworden.

4: Der extrahierte Zahn. Man kann genau sehen, wo er noch angewachsen war: bei der kleinen, mit Blut rot markierten Stelle rechts oben. Das ist die Spitze der dritten Wurzel auf der Gaumenseite. Die weissen Beläge sind weiche, dicke Biofilme, die dunklen Beläge sind Zahnstein. Er ist bei diesem Zahn so hart und versteckt, so dass man ihn auch heute noch mit keinem Mittel vollständig entfernen kann. Der Zahn wackelte schon seit etwa 6 Monaten ziemlich stark, hat jedoch nicht eigentlich geschmerzt, sondern nur ein leicht komisches Gefühl erzeugt.


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Früher Zahnverlust

50-jähriger Patient (14.01.2016 / 6224)

Anamnese: Dies ist ein junger Patient, der praktisch noch gar keine Füllung hat. Das ist auffällig. Offenbar hat er andere Bakterien wie die meisten Leute. Sie machen keine Karies, sondern Zahnfleischschwund. Und offenbar ist die Körperabwehr des Patienten gegen diese Bakterien nicht stark genug.
Der Patient hat vor drei Jahren bereits den Zahn 7+ verloren, weil der Zahn fest wackelte. Nun ist dasselbe beim Zahn 7- passiert.

links: Ansicht von der Zungenseite. Die Wurzeln waren nur noch an den zwei kleinen Stückchen Zahnfleisch angewachsen. Der schwarze Bereich ist Zahnstein, vom Rauchen schwarz verfärbt.

rechts: Ansicht von der Wangenseite. Der Zahnstein ist schwarz verfärbt und reicht etwas bis zur Mitte der Wurzeln. Er befindet sich auch zwischen den Wurzeln, wo man nicht putzen kann.


Zahnverlust wegen Karies
Karies erweicht den Zahn. Je mehr Karies der Zahn hat, desto weniger gut kann man ihn mit einer Porzellankrone aufbauen. Mit Komposit ist das kein Problem. Die Grenzen liegen nicht mehr bei der Zahnkrone, sondern bei der Wurzel:
  • Ist die Wurzel nur 4-5 Millimeter breit, so kann man keinen normalen Zahn aufbauen (der wäre etwa 1 cm breit).
  • Ist die Wurzel nur 4-5 Millimeter lang, so ist sie zu wenig verankert und wackelt beim Kauen.
  • Ist die Wurzel stark ausgehöhlt, so bleibt von ihr nur eine dünne Schale, die schon nach wenigen Monaten brechen kann.


Zahnverlust wegen Wurzelfrakturen
Alte Amalgamfüllungen verursachen oft Risse im Dentin, die immer weiter wachsen. Entdeckt man den Riss bevor der Zahn bricht, so kann man ihn gut mit Komposit reparieren. Auch ein zerbrochener Zahn ist noch lange nicht verloren! Bricht einfach nur ein Zahnhöcker ab, so kann man den Defekt mit Komposit ergänzen. Wächst der Riss in die Tiefe, so bricht nie etwas ab, aber der Zahn kann plötzlich in zwei Hälften zerfallen und fortan beim Kauen schmerzen.
  • Bei einer längsgespaltenen Wurzel weicht der Knochen zurück und lockert sich der Zahn allmählich.
  • Der Spalt kann mit der Zeit mehrere Millimeter breit werden.
  • Manchmal schmerzt eine gespaltene Wurzel nicht und kann der Patient noch mehrere Jahre gut damit kauen.
  • Eine gespaltene Wurzel kann man nicht gut wieder zusammenkleben.
  • Teilt ein Spalt den Zahn genau zwischen zwei Wurzeln, so kann man ihn gut mit Komposit wieder zusammenkleben.

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Apikale Wurzelfraktur

47-jähriger Patient (23.09.2016 / 7111)

frakturierte Wurzel

Längsfraktur bis zum Apex. Das Röntgen zeigt die Fraktur nicht, aber die typische Reaktion im Knochen: Entzündung rund um die Wurzelspitze und seitlich der Wurzel entlang.


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Querfraktur in der Wurzel

61-jährige Patientin (18.03.2015 / 1677)

links: Ansicht von vorne. Der Spalt ist deutlich zu sehen.

Mitte: Ansicht von hinten. Die untere Hälfte der Wurzel hing nur noch lose am den Stift.

rechts: Auf dem Röntgenbild sieht man nur, dass sich der Knochen zurückzieht. Den Spalt kann man aber nicht sehen.


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Längsfraktur nach Wurzelbehandlung

59-jähriger Patient (02.06.2013 / 609)

links oben: Kleiner Tropfen Eiter direkt bei der Fraktur.

links unten: Im Innern der Wurzel befindet sich eine feuchte, übel riechende schwarze Masse.

Mitte: Ansicht von bukkal: KEIN Zahnstein.

rechts: Ansicht von oral: Zahnstein (schwarz) längs der gesamten Fraktur.

Wurzelbehandlung am 21.6.1994

Wurzelbehandlung

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Längsfraktur transversal

68-jährige Patientin (05.01.2016 / 668)

links Röntgenbild vom Notfalldienst. Schmerzen und geschwollene Wange wegen Eiter. Es ist keine Entzündung im Knochen sichtbar.

Mitte: Die Sonde kann bukkal ohne Schmerzen etwa 1 cm tief unter das Zahnfleisch geschoben worden.

rechts: Ein ganz feiner Spalt wird sichtbar, wenn man das Zahnfleisch etwas zurückschiebt.

links: Der Längsspalt auf der Wangenseite. Er war offenbar schon vor drei Jahren vorhanden, als die alte Wurzelfüllung revidiert wurde.

Mitte: Der Längsspalt von der Gaumenseite her gesehen. Auch hier war eine 1cm tiefe Tasche.

rechts: Der Zahn von vorne gesehen


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Längsfraktur sagittal

83-jähriger Patient (25.09.2017 / 5386)

Anamnese: Der Zahn 34 schmerzt seit zwei Wochen beim Kauen, weil er sich stark gelockert hat.

Röntgenbild: Es ist eine starke Entzündung sichtbar. Sie befindet sich nicht nur bei der Wurzelspitze, sondern längs der ganzen Wurzel. Das ist typisch für eine Längsfraktur. Bei der Entfernung der Stiftkrone könnte die geschwächte Wurzel noch ganz auseinanderbrechen. Die Wurzelfüllung hat sich zu einem grossen Teil aufgelöst. Im Wurzelkanal leben wahrscheinlich viele Bakterien. Sie dringen durch den Frakturspalt und lösen den Knochen auf.

Fotos: Das Licht von unten lässt den Frakturspalt aufleuchten. Er ist erstaunlich fein und ohne Licht kaum sichtbar. Das Bild beweist, dass auch eine Krone kein sicherer Schutz vor Längsfrakturen ist. Könnte ich die Stiftkrone ohne Erweiterung des Frakturspaltes entfernen, so gäbe ich der Wurzel durchaus noch eine Chance.
Auf dem Bild rechts (=Ansicht von mesial) schimmert beim Apex unten die rötliche Guttapercha-Spitze durch.


Zahnverlust wegen Resorption
Sehr selten wird eine Wurzel von Fresszellen (Dentoklasten) attackiert. Sie stammen entweder vom Desmodont (häufig, extern resorbierendes Granulom) oder von der Pulpa (selten, intern resorbierendes Granulom). Resorbierende Granulome können nicht behandelt werden, weil sie unzugänglich unter dem Zahnfleisch liegen.
  • Sie sind keine Gefahr für die anderen Zähne.
  • Sie schmerzen nicht.
  • Entstehen sie nach einem Unfall, so sind es Spätfolgen des Unfalls und bezahlt die Unfallversicherung postwendend.
  • Entstehen sie eindeutig im Innern des Zahns, so bezahlt die Krankenversicherung (immer seltener).
  • Die übrigen externen Granulome sind nicht gedeckt. Eine Kompositbrücke kostet aber nur etwa CHF 800.-, so dass der Schaden eigentlich nicht allzu gross ist.


Zahnverlust wegen unfallbedingter Resorption der Wurzel

Vorgeschichte: 2009 hat die Patientin ihre linke obere Schaufel bei einem Sturz in den Ferien stark angeschlagen. Nach den Ferien kam sie zur Zahnkontrolle. Das Zahnfleisch blutete nicht mehr und der Zahn schmerzte nicht mehr. Er war jedoch etwas läger und noch nicht ganz so fest wie vorher. Ich meldete den Zahn der Unfallversicherung wegen Verdacht auf eine Spätfolge. Die Behandlung bestand lediglich darin, den Zahn um etwa 1 mm zu kürzen.
2014 kam die Patientin wieder, weil der Zahn die Zungenspitze kratzte.

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Nach der Behandlung: Die Patientin war recht erleichtert und erstaunt ab der raschen Erledigung des Problems. Sie hat schon anderes erlebt und bekommt beim Zahnarzt gerne einen Würgereiz. In drei Monaten wird sie wieder kommen um die Brücke zu verschönern und an den neuen Zahnfleischverlauf anzupassen.

60-jährige Patientin (16.04.2014 / 1222)

links: Knapp über dem Zahnfleischrand lugt ein scharfer Rand eines "Lochs ohne Boden" hervor. Der Gingiva entlang zeigt siche ein pink spot desease. Planung: Extraktion des Unfallzahns, Klebebrücke und Nachbehandlung.

Mitte: Das Röntgenbild zeigt ein extern resorbierendes Granulom. Es hat die ganze Wurzel befallen.

rechts: Von vorne scheint das Zahnfleisch (und damit der Knochen darunter) zurückzuweichen.

untere Bilder Die Behandlung begann mit der Extraktion der defekten Wurzel. Sie zerbrach und zerbröselte in mehrere kleine Teile. Dann wurde der Kofferdam gelegt, und nach insgesamt 90 Minuten war die Kompositbrücke plangemäss fertig.
Gesamte Kosten: knapp 900 CHF.

Copyright © 2018 Icon W. Weilenmann
erstellt: 28.03.2013 - 24.03.2018