W. Weilenmann
Dr. med. dent.
Walter Weilenmann
eidg. dipl. Zahnarzt
dipl. Natw. ETH
Mitglied SSO, SSGS
und SSO-Zürich.

Die Okklusion

Die Okklusion sind die Zahnflächen, die sich beim Zubeissen berühren. Sie ist stets variabel.

  • Kinder haben nur punktförmige Kontakte.
  • Durch Knirschen und Kauen werden sie bei Jugendlichen zu kleinflächigen Kontakten.
  • Nach einigen Jahrzehnten sind viele Zähne zu flachen Ebenen abgenützt oder haben tiefe Kaudellen bekommen.
Die grössten Umformungen geschehen durch:
  • Kieferorthopäden: Sie sagen, schiefe, lückige oder ineinandergeschachtelte Zähne hätten eine Fehlstellung. Deshalb verschieben sie die Zähne in eine gerade Reihe, wie man sie in der Natur nur selten findet.
  • Saure Speisen: Täglich ein Apfel, viel Salatsauce, öfters Coca-Cola oder Rohkost säuern den Schmelz ab. Nach 10 - 20 Jahren entstehen Erosionen, die schmerzen können, die Zähne kürzer machen und die Kontaktpunkte auflösen.
  • Starkes Knirschen: Tägliches Kauen von Kaugummi, Zähne zusammenpressen bei der Arbeit und Zähneknirschen im Schlaf verursachen Schliffacetten auf der Okklusion.
  • Füllungen und Kronen: Sie sind meistens zu flach oder zu jugendlich modelliert. So entstehen plötzliche Überlastungen und Kraftverschiebungen in der Okklusion.
 
Weitere Einflüsse auf die Okklusion

Bei einer schweren Parodontitis lockern sich die Zähne und wird die Okklusion verändert.

Im hohen Alter lässt die Kaukraft nach und beginnen die Zähne zu wandern.

Schwer demente Menschen hören auf zu kauen und saugen nur noch. Ihre Lippen und Wangen drücken alle Zähne nach innen.


Okklusionstypen und Fehlstellungen

Klasse I, II und III hat 1899 Prof. Angle (USA) eingeführt (Wikipedia: Zahnfehlstellungen).

Klassen I, II und III

Nur bei extremen Fällen in Klasse I, II oder III entstehen Kauschmerzen oder Verletzungen am Zahnfleisch.


Ein Ideales Gebiss

21Ideal4569.jpg
25-jähriger Patient (22.03.2017 / 4569)

Klasse I

Ein selten schönes Gebiss mit idealer Okklusion. Die Mittellinien der oberen und unteren Zähne stimmen genau übereinander.

Ein so schönes Gebiss ist eine seltene Ausnahme. Der Patient hat keine Vorteile davon, ausser dass die Zahnärzte begeistert sind.


Alltägliche Fehlstellungen

33Abrasionsgebiss2445.jpg
75-jährige Patientin (22.03.2017 / 45)

Abrasionsgebiss einer Knirscherin

Die Patientin ist eine starke Knirscherin mit typischen Knirschermuskeln. Nach vielen Jahrzehnten des Knirschens sind die Zähne ganz flach geworden. Das Problem ist, dass flache Zähne sehr viele Zahnstellungen erlauben.

Beschwerden bei neuen F¨llungen

Die Patientin hat nun bei jeder neuen Füllung Mühe, bis sie passt. Und zwar kann beim Zahnarzt den Mund wegen Kieferschmerzen nicht lange öffnen, und nach der Behandlung weiss sie nicht mehr genau, wie die Zähne zusammenpassen. Sie bemerkt oft erst zuhause oder am nächsten Tag, dass nun die neue Füllung (oder ein anderer Zahn) bei einer gewissen Zahnstellung etwas stört.


35FlacheTP5038.jpg
70-jähriger Patient (22.03.2017 / 5038)

Abrasionsgebiss mit Teilprothese

Menschen mit Teilprothesen oder Vollprothesen haben weniger Kraft beim Zubeissen als Menschen mit eigenen Zähnen. Trotzdem können sie knirschen und Kiefergelenksschmerzen bekommen.

Oberkiefer:
Teilprothese mit völlig flachen Zähnen

Unterkiefer (von links nach rechts):
Schneidezahn, Eckzahn, Amalgamfüllung, Porzellankrone, Zahnlücke und Goldkrone.
Alle Zähne haben eine ganz flache Okklusion.

Keinerlei Kaubeschwerden.

37RotMolar633.jpg
77-jähriger Patient (22.03.2017 / 633)

Lückengebiss mit einem gekipptem und einem elongierten Molar

Hier wurde ein unterer Sechser im Erwachsenenalter entfernt. Danach ist er vorgewandert und gekippt, und der obere Sechser ist wegen dem fehlenden unteren Sechser nach unten gewachsen. Die Fehlstellung besteht schon seit mehreren Jahrzehnten.

Keinerlei Kaubeschwerden.


41Ex6-6_4468.jpg
31-jähriger Patient (22.03.2017 / 4468)

Schiefstellung nach Zahnextraktion

Diesem Patienten wurden in der Schule die unteren beiden Sechser gezogen. Dann sind die Siebner langsam nach vorne gewandert und haben die Lücken geschlossen. Der Patient hat nie eine Spange oder eine Zahnkorrektur bekommen.

Bei einer natürlichen "Vorwanderung" wandern die Zähne nicht aufrecht vorwärts, um die Lücke zu schliessen, sondern sie drehen und kippen nach vorne.

Der Patient hat nie Schmerzen beim Essen und fühlt sich auch nicht beim Kauen beeinträchtigt.


42Krb5000.jpg
58-jährige Patientin (22.03.2017 / 5000)

Kreuzbiss nach Zahnkorrektur

Diese Patientin hat als Kind eine Zahnkorrektur mit Brackets und Bögen bekommen. Zuerst wurden alle Vierer extrahiert, dann alle Prämolaren und Molaren zum Lückenschluss verschoben. Rechts im Bild ist ein schönes Resultat entstanden, aber links stehen zwei Zähne im Kreuzbiss.

Keine Kaubeschwerden, weder rechts noch links.


43KrBLiRe3999.jpg
33-jährige Patientin (24.03.2017 / 3999)

Beidseitiger Kreuzbiss und vorn offener Biss trotz Zahnkorrektur

Dieser Patientin wurde im Alter von 6 Jahren wegen Platzmangel der Oberkiefer mit einem W-Bogen gedehnt und ein unterer Schneidezahn entfernt (sie hat jetzt nur noch drei untere Schneidezähne!). Nach der Behandlung war der Oberkiefer breiter als der Unterkiefer und haben sich die Frontzähne im Schlussbiss normal berührt.
Unterdessen ist ein beidseitiger Kreuzbiss und ein vorn offener Biss entstanden.

Keinerlei Kauprobleme.


45Vorwanderung7245.jpg
60-jährige Patientin (29.03.2017 / 7245)

Zahnwanderung

Beim Vergleich mit dem Bild als 12-Jährige (oben) bemerkt man, dass die seitlichen Schneidezähne vorgewandert sind. Die Dreiecke zwischen den Zähnen waren ursprünglich mit Zahnfleisch ausgefüllt.

Geplant waren vier Porzellankronen mit gleichmässigem Aussehen. Das Zahnfleisch hätte sich dabei aber nicht vermehrt, sondern wäre wegen den Kronen eher noch etwas mehr zurückgegangen. Eine Korrektur mit Komposit scheint ebenfalls möglich.

Keine Kauprobleme.

53Deckbiss457.jpg

72-jähriger Patient (20.05.2016 / 457)

Deckbis und Tiefbiss

Anamnese: 1987 hatte der Zahn 41 wegen dem Tiefbiss einen Parodontalabszess. Der Patient biss den Zahn wenige Monate später ganz aus. Die Wurzel wurde abgetrennt und die Krone auf der Rückseite mit zwei Drähten und Approximalfüllungen am 42 und 31 angeklebt (1 Sitzung, CHF 370). Seither hat der Patient keine Beschwerden mehr und fühlt stets, dass seine Zähne in Ordnung sind.

Copyright © 2018 Icon W. Weilenmann
erstellt: 22.03.2017 - 19.05.2018