W. Weilenmann
Dr. med. dent.
Walter Weilenmann
eidg. dipl. Zahnarzt
dipl. Natw. ETH

Mitglied SSO, SSGS
und SSO-Zürich.

Komposit bei Bruxismus und Phantombiss

Gleicher Ursprung Eine Grundlage des Bruxismus sind die beiden Amygdalae. Sie steuern Angst, Freude und Wut und entscheiden über Kampf, Flucht und Totstellreflex. Beim Kampfgefühl aktivieren sie die Beissmuskeln. Ein pränataler geneti­scher oder epigenetischer Dauerstress einer Schwangeren vergrössert die Amygdala des Fötus, was später ADHS , Bruxismus oder Fingernägelkauen begünstigt.

Die meisten Kieferdysfunktionen sind nur kurzzeitig und harmlos.

1. Pressen
 (jaw clenching)
Das Sprichwort "die Zähne zusammenbeissen" gibt es in Italien, Frankreich, Russland und China, aber nicht in Afrika.
2. Knirschen
 (teeth grinding)
Kinder können die Milchzähne etwa 3 mm / 10 Jahre abschleifen.
Ein starker Knirscher schleift seine Zähne etwa 1 mm / 10 Jahre ab.
Ein Knirscher mit Teilgebiss, Komposit und Porzellan bis 1 mm / 2 Jahre.
3. Heavy biter   Die durchschnittliche Beisskraft beträgt 20−80 kg. Der Weltrekord liegt bei 430 kg. Heavy biter haben häufig auch einen festen Händedruck.
4. Schlafbruxismus kann kurzzeitig maximale Beisskraft erzeugen.
5. Wachbruxismus entsteht meist bei stressiger Arbeit mit kleinerer Beisskraft.
6. Okklusale Dysästhesie,
 Phantombiss−Syndrom (PBS)
Ein beständiges Gefühl, dass der Biss nicht stimmt. Das wird fortwährend mit kleiner Beisskraft kontrolliert.
7. Craniomandibuläre
 Dysfunktion (CMD)
Öffnungsschmerz, steifer Nacken und Schultern, Beckenschiefstand.

Die Ursache ist okklusal − oder aber eine dysregulierte Spannungs- und Impulskontrolle.

1. Okklusale Fehler, schwache Zähne Einschleifen und Ansetzen, Kons
2. Stress
 Überlastung, Ehrgeiz, Erwartung, hoher
 Leistungswille, Langeweile, Isolation
Harte Michigan-Schiene, DROS, NTI usw.
Unerfülltes Grundbedürfnis suchen und
verarbeiten mit Do-it-yourself, Physio-
therapie, Dentosophie, Psychotherapie
3. Trauma, Angst, Depression
 bindungsbezogen, Unsicherheitsgefühl
Weiche Michigan-Schiene, Phantombiss-Symptomatik begleiten
4. Schlechter Schlaf
 Tagesmüdigkeit, Schnarchen
Schnarchschiene, Smartwatch, Schlafapnoe-Maske, Schlaflabor
5. Medikamente, Hormone Hausarzt, Psychiater

Die Therapie soll schonend und multifaktoriell sein.

Gleiche Uebung Die Therapien beginnen meistens mit einer harten oder weichen Aufbiss­schiene und ohne Veränderung der Zähne. Zum Thema "Kiefer entspannen" gibt es über 1'000 Youtube-Beiträge und mehr als zehn Apps mit Chi Gong, Feldenkrais, Tai Chi usw. Um die tieferen Ursachen zu suchen, bieten sich Stressmanagement, Haltungstherapien und psychothera­peutische Hilfen an.

Inhalt:

Motiv dieser Seite: "Komposit trotz Bruxismus"

Zähne und Füllungen brechen nicht nur wegen Bruxismus, sondern auch bei Überlastung durch Formfehler der Kauflächen oder nach Verlust eines Nachbarzahnes. Wenn ein Kauzentrum auf dem Füllungsrand statt in der Mitte der Füllung liegt, oder wenn eine Füllung auf einem schiefen Boden liegt, oder wenn die Belastung doppelt so hoch wird, weil ein Nachbarzahn ausgefallen ist, dann kann das Komposit brechen. Damit das nicht passiert, werden oft Gold- und Porzellankronen oder Implantate hergestellt.

Diese Seite soll helfen, den Heavy biter zu erkennen, damit Kompositfüllungen besser halten. Kurz gesagt muss der Zahnarzt

  • nach Bruxismus Ausschau halten, dann
  • okklusale Formfehler beachten und
  • hoch belastete Komposits verstärken.
  • Ausserdem soll diese Seite helfen, den Bruxismus besser zu verstehen, damit man ihn nicht nur mit zahnärztlichen Behandlungen zu vermindern versucht. Gegen den Bruxismus braucht es manchmal auch eine physiothera­peutische, psychologische oder medikamen­töse Hilfe. Sie bewirken einen ganzheitlichen Prozess, den auch die Dentosophie in Gang bringen kann. Dabei soll die grosse Arbeit der Kiefer vermindert und die Aufmerksamkeit auf eine entspannte Atmung und Körperhaltung gerichtet werden.


    Zunahme des Bruxismus

    Die Zunahme des Bruxismus

    Die Zahl der Knirscherschienen in meiner Praxis betrug 2004-2014 0 bis 10 Stück pro Jahr. Ab 2014 hat sie sich auf etwa 20 Stück pro Jahr verdoppelt. In den Corona-Jahren 2020 und 2021 stieg sie sogar auf etwa 40 pro Jahr (siehe hier). Weshalb?

    Die Angst vor Corona und der Wunsch nach Schutz und Sicherheit davor dauern bis heute an. Nicht selten ist jemand wegen der Corona-Pandemie sehr vorsichtig geworden und trägt deswegen immer wieder mal einen Mundschutz.

    Die Medien machen mit ihren Head-Lines alle schrecklichen Dinge der Welt zu Geld. Dabei übertreiben sie nach Möglichkeit jedes Detail, auch wenn sie uns so noch mehr stressen.

    Die ständige Erreichbarkeit mit digitalen Medien ist ein ganz neuer Stressfaktor. Er verkürzt die Erholungszeit und beeinträchtigt die Bettruhe.

    Die "diagnostische Inflation" erhöht die Zahl der psychischen Krankheiten. Früher ermahnten die Eltern ihre Kinder einfach mit "tu nicht so dumm!" und haben mit diesem Spruch das Thema beendet.

    Die Zunahme des Alters der Patienten ist ein weiterer Stressfaktor. Der Altersdurchschnitt hat in den letzten 35 Jahre volle 20 Jahre zugenommen (siehe hier). Im hohen Alter entstehen nicht-kariöse Zahnschäden, welche die Behandlung verteuern. Zum Beispiel kann ein stark belasteter Zahn schliesslich abbrechen und einen Stiftzahn nötig machen. Oder es beginnt ein Zahn zu schmerzen, weil der Nachbar­zahn verloren gegangen ist, und kann eine Wurzelbehandlung nötig machen. Oder die Zähne nützen sich so stark ab, dass plötzlich mehrere Füllungen nötig werden. Während solche Zähne früher nur mit Prothesen ersetzt werden konnten, mit denen man nicht knirschen kann, werden sie heute oft kostspielig repariert und setzt sich der Bruxismus fort.

    Prävalenz der Kieferdysfunktionen

    20-40% der Kinder knirschen mit den Milchzähnen.
    10-30% der Erwachsenen leiden an Bruxismus in irgendeiner Form.
    1-10% der Bevölkerung ist vom Phantombiss betroffen.
    ∼15% der Patienten haben Schmerzen wegen einer Kieferdysfunktion.

    Wissenschaftliche Übersichtsarbeit:
    Mehr Behandlungen, aber nicht weniger Angst- und affektive Störungen: Warum? Sieben Hypothesen und ihre Bewertung
    Johan Ormel, Paul M.G. Emmelkamp

    Buchempfehlung für Laien:
    What Mental Illness Really Is... (and what it Isn’t)
    Lucy Foulkes

    Die Wirkung von Informationen über Krankheiten ist paradox. Statt dass sie zu mehr Gesundheit führen, fühlen sich viele Menschen nach den Informationen kränker als vorher. Ganz im Sinne von
    "Was ich nicht weiss macht mich nicht heiss".


    Behandlungsmethoden

    1) Symptomatische zahnärztliche Methoden

    Schienen Frontzahn-Jig (FOS, NTI, 250 CHF), Knirscherschiene, Aufbissschiene, Michigan­schiene, Unterkiefer-Vorschubschiene, DROS-Schiene (diagn., relax, orient., stabil.)
    Einschleifen prophylaktisch: bei Nahkontakten, steilen Hyperbalancen, bei Schmelzrissen
    therapeutisch: bei Kaltempfindlichkeit, Druckgefühl, Schlifffacette
    Ansetzen Witzgall-Höcker zur Verbesserung des Kauzentrums z.B. nach Kieferorthopädie
    Bisserhöhung bei genereller Erosion
    Frakturen Reparatur frakturierter Zähne mit Verstärkung des Komposits durch Draht/Glasfasern

    2) Do-it-yourself

    Warme Umschläge Feucht-heisses Tuch, Wärmebeutel auf die Wange
    Manuelle Hilfen Massage, Dehnübungen, Korkzapfen rollen auf der Wange
    Neuronale Anker Konditionierung, Handy-Erinnerung alle 60-90 Min., Meditation, Achtsamkeitsübung vor dem Schlafen , Musikhören

    3) Ursächliche Methoden

    Progressives Muskelrelaxation
    Wahrnehmungstraining, Biofeedback
    Hypnose
    Physiotherapie
    Dentosophie mit Balancer
    Psychotherapie
    Chirurgie

    4) Medikamente

    Magnesium-Tabletten gegen Muskelkrämpfe
    Ibuprofen, Diclofenac
    Botulinumtoxin (400 CHF pro Spritze, wirkt 2-3 Monate)


    1. Anatomie

    Anatomische Ursachen der Schmerzen beim Bruxismus

    Normale Kaubewegungen bewirken nur einen kleinen Druck auf die Zellen, Blutgefässe und Drucksensoren in den Kaumuskeln, an den Zahnwurzeln und in den Kiefergelenken. Im Normalfall folgt nach einer Sequenz solcher Belastungen die Ruheschwebe, in welcher die Muskeln, Zähne, Kiefergelenke, motorischen Nervenendigungen und Blutgefässe von den Verpressungen erholen können.

    In der Ruheschwebe hält man die Zähne 2-8 Millimeter weit auseinander und wird die Durchblutung des Zahnhalteapparates und der Kaumuskeln nirgends gestört. Die Ruheschwebe dauert praktisch den ganzen Tag und die ganze Nacht und wird nur beim Essen und gelegentlich beim Schlucken unterbrochen. Stützt man am Tisch den Kopf auf das Kinn, so wird die Ruheschwebe trotzdem beibehalten, weil dann die Kieferöffner anspannen und verhindern, dass der Unterkiefer auf den Oberkiefer drückt.

    Andauernde Belastungen ohne Ruheschwebe lassen hingegen den Muskeln keine Zeit, die Moleküle in den Muskelfasern zu reparieren. So entstehen bei zerrissenen Aktin-Fasern winzige Entzündungen, die den Muskel anschwellen lassen. Sie bewirken einen schmerzhaften Muskelkater. Analog führt auch die Dauerbelastung der Kiefergelenke zu zellulären Veränderungen des Knorpels der Gelenkscheibe, der Gelenkpfanne und des Kieferköpfchens, sowie der Sehnen und der Muskelfasern im Gelenk.

    Beim Bruxismus fehlt die Ruheschwebe. Die Kaumuskeln machen mit nur kurzen Pausen zahllose kleine Zuckungen und belasten damit die Zähne und Kiefergelenke. Diese Belastungen variieren je nach der Geometrie des Gebisses und der Zahnstellung und sind je nach Veranlagung des Patienten gut erträglich oder werden ziemlich gross. Sie geschehen nur nachts und/oder auch tagsüber und betreffen nur den hintersten linken, oder rechten unteren, oder sonst einen Zahn oder eine ganze Gruppe von Zähnen. Zu Beginn der Belastungen werden häufig einige Zähne kaltempfindlich. Beim ausgeprägten Bruxismus hingegen entstehen auch Warmschmerzen und solche, die in die Wangen und zur Stirn ausstrahlen (Migräne), bis ein Zahnarzt vor Verzweiflung eine Wurzelbehandlung macht. Ursache dieser Schmerzen ist die anhaltende Quetschung der Kapillaren im Muskel und in der Wurzelhaut (Desmodont). Letztere ist nur 0.1 - 0.2 Millimeter dick und zwischen dem Zahn und dem Knochen eingeklemmt.

    Dünnes Lager


    Kalt-/warmempfindlicher Zahn
    Pulpa

    Vertikale Belastungen drücken die Wurzel­spitze des Zahnes gegen den Knochen. Dort wird die Pulpa mit ihren Temperatur­sensoren gereizt (roter Punkt). Zuerst ent­steht eine Kaltempfindlichkeit, bei ho­hem Druck auch eine Warmempfindlichkeit.

    Druckempfindlicher Zahn
    Desmodont
    Der schiefe Druck presst die Wurzel seit­lich gegen den Knochen. Nun fliesst weniger Blut durch die Kapillaren (rot) und wer­den die Drucksensoren über­empfindlich (gelb).

    Aussergewöhnlich hoher aufsteigender Ast (46-jährige Patientin (11.10.2022 / 8307))

    11Anatomisch2_8307.jpg
    In der ersten Sitzung konstruierte ich diese beiden Kompositfüllungen. Für die Prämolaren musste sie noch ihre selbst hergestellten Klötzchen aufsetzen.

    Lange Hebel

    OPT mit den aussergewöhnlich hohen Kompositfüllungen

    OPT

    Molaren sind durchschnittlich 18 bis 24 Millimeter lang. Die Patientin hat sie um etwa 50% auf gut 30 Millimeter verlängern lassen, damit sie besser kauen konnte.


    2. Mechanik

    Variable Muskelkraft

    Der M. temporalis, M. masseter, M. pterygoideus lateralis und medialis sind über den N. trigeminus sensorisch und motorisch mit dem Kiefergelenk und den Zähnen verbunden.

    M. temporalis 54-jähriger Patient (08.05.2025 / 8222)
    M. masseter 43-jähriger Patient (16.12.2025 / 1367)

    Variable Winkel: Kleiner Interkuspidalwinkel = grosse Spaltkraft

    Die durchschnittliche Kaukraft beträgt 20-80 Kg. Der Weltrekord liegt bei 430 Kg. Diese Werte gelten jedoch nur für den senkrechten Druck auf eine horizontale Ebene. Bei schiefen Ebenen gilt:
    Spaltkraft > Kaukraft wenn Interkuspidalwinkel < 90°. Dies zum Beispiel wenn wegen Attrition einer alten Kunstharzfüllung eine tiefe Verzahnung entsteht.

    Spaltkraft
    Food impaction passiert bei einem kleinen sagittal
    gerichteten Interkuspidalwinkel zwischen zwei Zähnen.

      Bruxismus  Phantombite-Syndrom
    Bruxismus vs Phantombite
    kraftvoll
    leichter Druck

    Averbale Kommunikation und Schönheit
    Bei Freude und Trauer, beim Rufen, Sprechen und Flüstern formt die Gesichtsmuskulatur eine spezifische, symetrische oder asymetrische Mimik, beim Reden einen spezifischen Dialektklang, der auch die Atmung und Körperhaltung beeinflusst.

    Motorischer Tic

    entsteht am häufigsten im Gesicht und ist eine kurze, ungewollte und oft wiederholte Bewegung ohne erkennbaren Zweck. Beispiele sind das Wippen mit einem Bein und Stirnfalten bei jedem Gespräch.

    Tourette-Syndrom

    Beim Tourette-Syndrom sind mehrere Tics vorhanden (Blinzeln, Zucken am Mund) und auch ein hörbarer (Räuspern, Fluchen). Die Betroffenen haben manchmal auch hektisch wirkende schnelle Kaubewegungen beim Essen.

    RSI-Syndrom

    Das RSI-Syndrom ist schmerzhaft und entsteht wegen zu vielen Belastungen oder einer Fehlbelastung am Arm oder Schultergürtel. Beispiele sind der Tennisarm, die Sehnen­scheiden­entzündung am Daumen wegen repetitiver Texteingabe am Smartphone, schmerzende Fingerspitze werden Spielen am Handy.


    12Zahnfraktur996.jpg

    Zahnfraktur

    78-jähriger Patient (30.09.2025 / 996)

    Der Patient ist ein Heavy biter und kam seit Jahren immer wieder mal um Hyperbalancen einzuschleifen. Zudem war dies der letzte Molar links oben.

    Rx

    3. Neuromotorik

    Die Bewegung beim Kauen, Knirschen und Pressen

    Bei kräftigem Knirschen werden pro 10 Jahre die Milchzähne etwa 3 mm und die bleibenden Zähne etwa 1 mm abgeschliffen.

    Beidseitige Abrasion

    Gebisse
    82-jährige Patientin (15.01.2024 / 45)
    Alle Seitenzähne sind flach, die Abflussrillen fehlen. Eine Zahnlücke erhöht die Kaubelastung und verschiebt die Kontakte. Beim Zubeissen ent­stehen breite Kontaktflächen (Schlifffacetten).

    Einseitiges Knirschen und Pressen und einseitige Abrasion

    UK
    43-jähriger Patient (16.12.2025 / 1367)
    Verkehrte Spee-Kurve mit Kauzentrum auf -45. Beim Zubeissen berühren sich -45 und entweder die Frontzähne oder die Molaren. Das Kiefergelenk wird je nachdem komprimiert oder extendiert, beides schmerzfrei.

    43-jähriger Patient (16.12.2025 / 1367)
    Dieses Kiefergelenk dehnt sich beim Pressen.
    Der Patient spürt keine Schmerzen, obwohl sich der Diskus im Kiefergelenk dauernd verlagert.

    Hier ist eine andere Aufnahme vom Knirschen mit schmerzfreier Kiefergelenksdehnung: Siehe hier

    Motorische Automatismen

    Definition: erlernte, gewohnheitsmässige Bewegungen, die auch unwillkürlich ablaufen. Sie sind alle im Schlaf und Wachzustand möglich.

    Normales Kauen
    normale Okklusion

    73-jähriger Patient (05.11.2025 / 4019)
    Bei normalen Kaubewegungen bewegt sich der Unterkiefer auf und ab.
    Ist eine Füllung etwas zu hoch, so stört sie in der Ruheschwebe nicht und beim Kauen wenig, weil sich die Zähne beim Kauen kaum berühren.
    Einseitiges Knirschen

    47-jährige Patientin (05.11.2025 / 8884)
    Beim Knirschen geht der Unterkiefer hin und her.
    Ist eine Füllung etwas zu hoch, so stört sie sofort pausenlos, weil Pressen und Knirschen Gewohn­heiten sind, die auch zwischen den Mahlzeiten und manchmal sogar pausenlos geschehen.

    A

    76-jähriger Patient (20.05.2019 / 6311)
    Der Patient macht diese Geräusche mit einer einzigen, langen und langsamen Querbewegung.

    D

    34-jähriger Patient (22.02.2021 / 7179)
    Der Kopfbiss verursacht ein knarrendes Geräusch mit einzelnen Quietschern (Flachknirscher).

    B

    84-jähriger Patient (23.10.2019 / 3225)
    Dieser Patient macht viele kurze und rasche Seitbewegungen, etwa zwei pro Sekunde.

    Sonic Waves des Knirschens

    C

    46-jähriger Patient (30.06.2020 / 3854)
    Bei diesem Patienten entstehen beim Knirschen Gruppen von fünf bis sechs Spannungsspitzen. Bei jeder Gruppe bewegt er den Unterkiefer einmal ganz langsam über einige hintere Kauflächen. SonicWave

    4. Sensorik

    Erhöhte Sensorik bei Bruxismus

    14Sensorik1.jpg
    Die 47-jährige Patientin (05.11.2025 / 8911) spürt einen störenden Druck auf Zahn -6.
    Die Vertiefung der Abflussrille hat sofort zur Beschwerdefreiheit geführt.

    Die Patientin hat die Idee mit dem feuchten Papier zwischen den Zähnen selber gefunden, damit sie nachts nicht immer die Ecken und Kanten ihrer Zähne spüren muss. Mit dem Papier spürt sie nur noch einen Druck auf den Zähnen. Beim Zahn -6 war der Druck auffallend höher als bei den anderen Zähnen. Das Farbband zeigte bloss eine etwas breite Kontaktfläche an, die ich dann durch eine grössere Abflussrille reduzieren konnte, ohne den okklusalen Stop zu verlieren.

    Eine andere Patientin mit okklusaler Dysästhesie hat sich beklagt, dass sich die Kontakte zwischen ihren Zähnen wie metallene Nägel anfühlten. Dabei war absolut kein Vorkontakt oder ähnliches zu finden. Entsprechend hat Einschleifen gar nichts genützt. Vielleicht wäre eine weiche Michigan-Schiene besser gewesen. Aber hätte sie den Fremdkörper im Mund tolerieren können?

    Wieder eine andere Patientin klagte, dass ihre Zähne gegeneinander schlagen würden, wenn sie zubeissen wolle. Die Zahnkontakte seien also falsch.

    Okklusale Dysästhesie, oder warum die Zähne nie perfekt zusammen passen
    1. Die bikonkave, ovale Gelenk­scheibe (blau) ist beweglich. Gelenkscheibe Sie sollte mitten im Gelenk liegen, klemmt aber manch­mal zu weit vorne odeAbr hinten.
    2. Auf der gebogenen Vorgleit­bahn (gelb) kann man die hinteren, mittleren und vorderen Zähne ver­schieden stark belasten.
    3. Im Liegen gibt es eine seitliche Verschiebung des Unterkiefers, wenn der Kopf in Seitenlage ist. Nun entstehen neue Zahn­kontakte, die es im Stehen nicht gibt.
    4. Bei einer Diskus-Kompression (siehe hier) verändern sich die Zahnkontakte.
    5. Die Zähne ändern ihre Form durch Zahnbe­handlungen und Abnützungen.
    In all diesen Kieferstellungen passen die Zähne nie perfekt zusammen und werden in jeder einzelnen wieder etwas anders belastet. Damit das nicht dauernd das Bewusstsein stört, hat die Natur die Ruheschwebe erfunden.

    N. trigeminus und Amygdala

    Sensomotor Cortex

    Präfrontalcortex
    Sensomotor. Areal
    Basalganglien
    N. trigeminus
    Amygdala
    belastete Gelenk-
    scheibe und Zähne

    Hirnstamm

    Der N. trigeminus versorgt die Augen und den Ober- und Unterkiefer inklusive Nase, Lippen, Zunge und Zähne.

    Die Kerne seiner drei Äste (N. ophthalmicus, N. maxillaris und N. mandibularis) liegen im Hirnstamm und sind mit der Amygdala verbunden, dem Angst- und Wutzentrum. Der Hirnstamm er­zeugt auch die Arousals mit ihrem Schlafbruxismus.

    Der Trigeminus sendet der Amygdala die sensorischen Afferenzen von Schmerz und Berührung und erhält von ihr die motorischen Efferenzen für die Mimik der Freude, Angst und Wut und auch für den Bruxismus, die Mundöffnung bei Überdruck und die Ruheschwebe.

    Der Präfrontalcortex steuert kognitiv das sensomotorische Areal und ist mit seinen Leistungen der Selbstkontrolle viel langsamer als die subcortikalen Prozesse der Amygdala und des Hirnstammes.

    Das heisst, das Bewusstsein kommt immer zu spät, und man hat bereits geknirscht, wenn man es eigentlich vermeiden wollte.


    5. Psyche

    Der Schlaf- und Wach-Bruxismus

    Der Schlafbruxismus ist unbewusst und beginnt oft schon in der Kindheit. Dabei kann man im Schlaf laute Knirschgeräusche machen, die man selber nicht hört. Der Kaudruck kann bis auf das Zehnfache ansteigen und dauert bis zu 40 Minuten lang. Es kann in einer Nacht bis zu über 1000 Bisskontakten kommen mit bis zu zehnfach höherem Kaudruck als normal. Gemäss ICD 10 ist er eine sonstige Schlafstörung (G47.8) bzw. somatoforme Störung (F45.8). Wenn überhaupt, wird er erst beim Aufwachen wegen einem Steifegefühl in den Wangen, im Schultergürtel, wegen Kiefergelenkknacken oder Kopfschmerzen (bis Migräne) gespürt. Die Betroffenen spüren ihren Schlafbruxismus meistens nicht und fühlen sich auch nicht gestresst.

    Beim Wachbruxismus können Press-, Saug- und Beissbewegungen mit dem Kiefer, der Zunge und den Wangen vorkommen. Das wird fast gleich wie beim Schlafbruxismus meistens nicht bemerkt.
    Das Gegenteil davon ist der Phantombiss. Bei diesem spüren die Betroffenen jeden Zahnkontakt sehr genau. Dabei sagt ihnen das Gefühl, dass die Zähne sich nicht am richtigen Ort berühren. Oft halten sie eine Füllung oder Krone für die Ursache und meinen, diese sei zu klein oder zu gross, und dass vor dieser Füllung alles immer gut war. Sie beginnen deswegen, Zahnärzte zu besuchen mit der Bitte, dem Zahn seine frühere Form wieder zu geben, sonst könnten sie nicht mehr richtig essen und würde alles schlimmer. Aber nach jeder Zahnbehandlung finden sie ein neues Problem, vielleicht jetzt auf einem Nachbarzahn. Auf diese Weise entsteht eine Hochsensibilität, Hypervigilanz oder gar eine Neurodiversität, und allmählich wird ihr Bruxismus zu einem gedanklichen, gesundheitlichen und sozialen Schwerpunkt.
    Das Irritierende am Phantombiss ist, dass keine normale Reaktion auf das störende Kaugefühl erfolgt, nämlich nur vorsichig kauen und die Störung möglichst nicht provozieren. Jedem ist klar, dass ein pausenloses Zubeissen nur Schmerzen und weitere Unannehmlichkeiten verursacht. Eine solche Reaktion weist auf einen instinkthaften, reflexartigen Charakter des Phantombisses hin.

    Folgen des Bruxismus

    Motorische Gewohnheiten sind manchmal mit Zwangsgedanken verbunden, ähnlich wie bei Zwangsstörungen (Waschzwang, Kontroll­zwang usw.). Die Zwangsmotorik beginnt mit einer Unruhe, die entsteht, wenn man die Bewegung nicht ausführen will (wie beim Drang zur Toilette). Und der Zwangsgedanke lautet zum Beispiel: "Ist der Zahn immer noch zu hoch? Den hab ich früher nie gespürt. Er stört erst seit der neuen Krone. Den muss ich abschleifen!".

    Dabei handelt es sich nur um eine Unstimmigkeit von 20-50 µm, und sie ist nur spürber, wenn man in einer speziellen Kieferstellung zusammenbeisst, die beim Essen gar nicht vorkommt. Sie würde auf ganz natürliche Weise in kurzer Zeit von selber unauffällig, weil man in der Ruheschwebe die Zähne überhaupt nicht zusammenbeisst und die Zahnkontakte nicht spürt.

    Eine so kleine Unstimmigkeit kann bei manuellen Arbeiten durchaus vorkommen. Ein Zahnarzt kann sie nur durch mehrfache, geduldige Kontrollen suchen gehen, zufällig finden und dann durch ein minimales Einschleifen beheben. Aber in jeder Kieferstellung entstehen wieder andere Einzelkontakte und Vorkontakte.
    Amalgamfüllungen sind nach dem Füllen noch eine halbe Stunde lang weich geblieben, und der Patient konnte allfällige Vorkontakte auf dem Amalgam wegschleifen ohne es zu bemerken.
    Kompositfüllungen sind hingegen von Anfang an hart wie Zahnschmelz. Da kann ein minimaler Vorkontakt schon eher eine stete Aufmerksamkeit und Gedankenarbeit provozieren, woraus schliesslich aus der handwerklichen Mücke ein gesundheitliches Grossproblem werden kann. Wenn nämlich die Muskelkette zu Kiefergelenk­schmerzen, Rückenweh, zu einem Beckenschiefstand und bis zu den Füssen reichende Schmerzen beim Gehen verursacht (siehe hier).

    Neurodivergenz

    Die Wahrnehmung der Zahnkontakte ist eine hochpräzise Sinnesleistung. Und die tägliche hundertfache Wiederholung ist ein hochpräzises Sinnestraining, das die Hirnstruktur verändert. Für Menschen ohne Ruheschwebe ist Hochsensibilität eine Normalität. Sie kann sich auch zu anderen hochsensiblen Gewohnheiten und zu einer gedanklichen und sinnlichen Neurodiversität entwickeln. So hat die überdurchschnittliche Aufmerksamkeit gegenüber den Zähnen eine Analogie zum Beispiel in der überdurchschnittlichen Aufmerksamkeit eines Musikers auf eine Tonfolge oder auf den Rhythmus einer Melodie, welche alle Muskelketten in seinem Körper erfasst. Die Veränderungen im Gehirn solcher Musiker sind messbar, und man spricht vom Musikerhirn. Bei ihnen ist das Gehirnareal für das Hören deutlich vergrössert. Bei Bruxern hingegen werden das somatosensorische und motorische Areal für körperliche Gefühle im Gesicht und für die Bewegungen der Kaumuskeln überdurchschnittlich oft aktiviert.

    Wachbruxismus verlernen
    Selbst-
    kontrolle
    Muskeln lockern
    Stresspause

    Bruxismus ist eine Denkweise

    Bei den meisten Menschen bewirkt ein Zahnverlust ein vorsichtiges Sich-an-die-Zahnlücke-Gewöhnen. Dabei wird vorsichtiger gekaut und eventuell auch die Ruheschwebe öfters eingenommen. Aber es entsteht keine Angst, dass man wegen der Zahn­lücke nicht mehr essen kann.

    Den Kindern zum Beispiel, die eine kieferorthopä­dische Behandlung bekommen, wird häufig ein Zahn gezogen. Danach entstehen kaum je Knirscher­schmerzen.

    Und eine 92-jährige Italienerin hatte nur noch einen einzigen Zahn im Oberkiefer. Sie ist trotz Zahnverlust und Zahnlücken immer zufrieden geblieben und sagte mir ganz einfach:

    "La minestra va sempre!"
    ("Gemüsesuppe geht immer")

    Bruxismusschmerzen können in jedem Alter entstehen. Wenn zum Beispiel eine 80-jährige Bruxerin, die nie Knirscherschmerzen hatte, den hintersten Molaren wegen Karies verliert, kann sie auf den verbliebenen Zähnen plötzlich Bruxismus-Schmerzen bekommen, weil der extrahierte Zahn jetzt nicht mehr hilft, den Kaudruck zu tragen und die verbliebenen Zähne ohne ihn mechanisch überlastet werden.

    Und umgekehrt ist die Ruheschwebe in jedem Alter hilfreich, so zum Beispiel auch bei einer Bisshebung mit dem Dahl-Prinzip bei Erwachsenen. Dabei wird der gesamte Kaudruck auf die Frontzähne verlagert, bis die hinteren Zähne langsam (innert 3 bis 6 Monaten) etwas aus dem Knochen herausgewachsen sind. Dies geschieht ohne Schmerzen, sofern der Patient eine Ruheschwebe hat und nicht dauernd versucht, die Zähne selber an den richtigen Ort zu drücken. Dann würde ein schmerzhaftes RSI-Syndrom entstehen (Siehe oben)


    Phantombiss-Syndrom

    Ärztlich unerklärbare Symptome, und vor allem ein
    störendes Bissgefühl.
    Bruxismus-Schmerzen 1
    schiefer Biss
    Migräne
    Bruxismus-Schmerzen 2
    Rückenweh
    Becken-
    schiefstand
    Der Patient sucht einen Zahnarzt nach dem anderen auf,
    aber keiner findet den idealen Biss
    Zahnarzt-Besuche
      Ärzte-
    hopping

    Weil die Zähne jeden feinen Druck ganz genau spüren, entsteht durch die vielen Kontrollen, ob der Biss stimmt, eine hochpräzise Erinnerung an jede Zahnform und wird man ständig an diese erinnert. Aber weil der Unterkiefer viele verschiedene Stellungen einnehmen kann und die Zähne nie alle genau zusammenpassen, lässt sich der Wunsch nach dem perfekt passenden Biss nicht verwirklichen.

    Beim PBS ist die Wahrnehmung gestört,
    nicht die Okklusion.

    Das Phantombiss-Syndrom dauert bei etwa 40% der betroffenen Patienten mehr als 5 Jahre lang.

    Der Drang zum Beissen ist etwa so kräftig wie der Drang, wenn man auf die Toilette muss. Nur ent­steht beim PBS der Drang zum Beissen sofort wieder von Neuem, wie bei einer Zwangsstörung.

    Eine genaue Beschreibung ist hier:
    Phantom bite syndrome: Revelation from clinically focused review
    von Tu TTH et al. (2021)


    16PBS_8785.jpg
    Die beiden unteren Weisheitszähne sind ausser Kontakt, weil die oberen fehlen.

    Okklusale Dysästhesie trotz neuen Kronen

    67-jährige Patientin (04.06.2025 / 8785)

    Anamnese: In den letzten Jahren wurden bei 65+45(6)7 und 8(7)6-4(56)7 neue Porzellankronen gemacht. Auffällig sind die fast sekündlichen Bisskontrollen der Patientin. Sie trägt jede Nacht eine Michigan-Schiene. Keine parodontalen Probleme. Trotzdem immer wieder teils starke Zahnschmerzen, und zudem sei der Aufbiss nicht gut. Es sei zuviel abgeschliffen worden und es brauche neue Kronen. Sie wünscht jetzt eine Bisserhöhung mit Komposit.

    Therapie: Nur ein minimales Einschleifen von 15 und 24, um die Erwartungen der Patientin auf unschädliche Weise zu erfüllen. Immerhin war der Anfahrtsweg über 5 Stunden lang.


    Anamnese: auffällig

    Langwieriger Dialog

    Im Gespräch mit einem Bruxismus-Patienten über seine störenden Zahnkontakte fallen zunächst die starken Emotionen auf. Sie sind wegen der langen Dauer der Zahnschmerzen und den bisherigen enttäuschenden Zahnarztbesuchen gut verständlich. Und es leuchtet auch die Kritik an den früheren zahnärztlichen Arbeiten ein. Aber ob wirklich nur ein zahnärztliches Problem vorhanden ist, das fragt man sich wegen folgenden Beobachtungen:

    • Nicht kurz und bündig und auch nicht sichtbar: Normalerweise weist ein Patient mit wenigen Worten auf seinen Zahnschaden hin. Dieser ist bei einem kurzen Untersuch sichtbar und hat eine typische Diagnose (Karies, Zahnfraktur, Zahnfleischbluten usw.). Er ist auch gut sichtbar auf einer Foto oder auf einem Röntgenbild. Beim Bruxismus-Patient dauert die Anamnese sehr lange.
    • Voller Emotionen: Der Bruxismus-Patient hingegen wiederholt mehrfach mit ratlos machenden hastig wirkenden Erklärungen sein Anliegen, oft in einem klagenden Ton, der bis an die Tränen reichen kann ("die Ecke da hinten knallt gegen den Zahn", "der Zahn ist seit der letzten Behandlung zu hoch", "früher war alles in Ordnung" usw.). Und vor der besagten ersten Füllung war immer alles in Ordnung.
    • Fahrige, weit ausholende Kieferbewegungen: Der Patient zeigt mit überdurchschnittlich weit ausholenden und auch etwas hinter der Hand versteckten Kieferbewegungen die störende(n) Stelle(n). Aber er berührt etwas unruhig nicht jedesmal denselben Zahn, fast ob es ihm peinlich wäre und er sich dabei schämen würde, oder ob er doch nicht so ganz genau wüsste, welche Stelle es ist. Die Kiefergelenke sind so beweglich, dass auf einem Zahn beim Anfärben ganz verschiedene Stellen markiert werden können.
    • Keine normale Ruhelage möglich: Er findet seltsamerweise keine Antwort auf die Frage, weshalb er immer wieder auf den schmerzenden Zahn beisse und man doch normalerweise einen schmerzenden Zahn durch Nicht-Zubeissen schonen würde.
    • Allgemeine Verwirrung: Im Gespräch entstehen Momente, wo alle durcheinander sprechen: Der Patient: "Da hinten ist zuviel, und da vorne ist zu wenig", die Assistentin: "es kann doch nicht gleichzeitig zu viel und zu wenig haben!", der Partner: "Wir müssen halt wieder bei Punkt Null beginnen!", der Zahnarzt: "Schauen Sie, auf dem Foto sind die Kontaktpunkte auf allen Zähnen schön gleichmässig angefärbt!".
    • Starke soziale Komponente: Wenn der Patient seinen Partner mitbringt und dieser beim Gespräch anwesend ist, so wird auch er von Emotionen ergriffen, ähnlich wie eine Mutter voller Angst vor dem Zahnarzt, die in einer schützenden und gar verzweifelten Absicht ihr Kind bei der Zahnbehandlung begleiten und vor Schmerzen bewahren will.

    Die psychologischen Hintergründe des Bruxismus sind individuell verschieden.
    Deshalb haben die Informationen aus der Anamnese beim Bruxismus eine viel grössere Bedeutung als beim Kariesuntersuch.
    Sie entscheiden zu 80%, wie die Therapie gegen den Bruxismus aussehen soll.

    Eine Denkstörung?
    • Wenn jemand eine einfache Frage nicht beantworten will oder kann (quälender Inhalt?).
    • Wenn jemand eine Handlung gegen jede Vernunft ausführt (Kontrollverlust?).
    • Wenn jemand die gleiche Idee immer wieder wiederholt trotz jeder Entgegnung (ungewollte Perseveration?).

    Nein, Bruxismus ist keine Denkstörung. Er ist ein stressbedingter motorischer Automatismus, der wenigstens im Fall von Wachbruxismus kontrolliert werden kann.

    Helfen Medikamente?

    Medikamente werden nicht gerne eingenommen. Sie können den Bruxismus nicht beenden. Aber wenn ständig Schmerzen oder starke Emotionen entstehen, kann man ein Beruhigungsmittel versuchen. Da helfen zum Beispiel die SSRI. Sie müssen aber von einem Psychiater verschrieben werden. Sie wirken vielleicht erst nach ein paar Wochen, verbessern aber die Stimmung und könnten sogar Mut machen zur Physiotherapie, um die verkrampften Muskeln zu entspannen.

    Eine Problemtrance?

    Wenn beim Bruxismus Zahnschmerzen entstehen, muss man dauernd an die Zähne denken. Leider kann da keine Zahnbehandlung helfen. Einen Ausweg findet man, wenn man beginnt, an andere Dinge zu denken als immer nur an die Zähne. Schliesslich sind diese ja fest, haben keine Karies und hat man kräftige Kaumuskeln. Um Umdenken zu lernen ist ein Coaching ganz ohne Zahnbehandlung zu empfehlen.


    Symptome: "damn"

    dental: Bruxismus-Zahnschäden bleiben oft unbemerkt

    • Beim Knirschen entstehen Mikrorisse im Zahnschmelz (vertikale Schmelzrisse).
    • Beim Knirschen entstehen mechanische Belastungsspitzen in den Zahnhälsen, welche deshalb vermehrt Fremdionen aus dem Speichel aufnehmen, weicher werden und beim Zähneputzen abgeschabt werden (horizontale Zahnhals-Defekte).
    • Gold- und Porzellankronen versteifen die Zahnkronen. Beim Knirschen entstehen deshalb am Zahnhals grössere Spannungsspitzen und häufigere Mikrorisse.
    • Anders als ein Loch oder eine Schwellung merkt man diese Schäden erst, wenn etwas abbricht. Und meistens erinnert man sich, dass man nur auf etwas Weiches gebissen hat. Denn das Risswachstum der Mikrorisse verläft sehr langsam zu einem sichtbaren Haarriss und dann zur Fraktur.
    • Beim Knirschen wird das Desmodont milde gequetscht und erst nach einiger Zeit empfindlich.

    artikulär: Kiefergelenkschmerzen entstehen oft erst später

    • Beim Knirschen werden die Kierfergelenke ungleichmässig belastet.
    • Dabei verspannen sich neben den grossen Kaumuskeln auch die kleinen im Kiefergelenk.
    • Mit der Zeit wird die Gelenkscheibe überlastet und abgenutzt. Es entsteht eine Kiefergelenksentzündung.
    • Knacken und Reibgeräusche im Kiefergelenk ohne Schmerz sind erste Vorzeichen.
    • Ebenso eine Morgensteifigkeit im Kiefer.

    muskulär: Muskelverhärtungen schmerzen meistens nicht.

    • Die Muskelverhärtungen entstehen wegen Stress, aber man spürt sie nicht, solange sie nicht schmerzen.
    • Bis zu 50% der Kinder knirschen nachts, ohne dass sie es merken.
    • Weil man oft unter Stress knirscht, achtet man nicht auf seinen Körper. Etwa 20% der Erwachsenen pressen tagsüber.
    • Wenn man in Konzentrationsphasen knirscht, erinnert man sich nicht ans Knirschen.
    • Deshalb glaubt man es nicht, dass man knirscht und deshalb Zahnschmerzen haben könnte.

    neurogen: Psychische Faktoren werden oft verdrängt

    • Man bemerkt oft nichts von einer hohen Anspannung bei der Arbeit.
    • Man kann nicht glauben, dass man im Schlaf so viel Stress zu bewältigen hat.
    • Man misstraut der Bruxismus-Diagnose, weil man lieber etwas Behandelbares hätte.
    • Man will eine Überlastung nicht gelten lassen, weil man sich psychisch gesund fühlt.
    Vertikale Schmelzrisse
    Schmelzrisse links: 56-jährige Patientin (26.01.2016 / 275) mit vielen S.
    rechts: 73-jähriger Patient (05.12.2025 / 4019) mit wenigen S.


    Horizontale Zahnhals-Defekte
    Zahnhalsdefeikte links: 63-jähriger Patient (26.01.2016 / 8718) mit Zh-Defekt
    rechts: 73-jähriger Patient (05.12.2025 / 4019) ohne Defekt


    Mikrorisse unter Porzellankronen
    Fraktur unter Krone 73-jährige Patientin (04.12.2025 / 8946)

    21_nachEinschleifen8794.jpg
    Anfangsbefund: Vereinzelte schwache Kontaktpunkte ausserhalb des Kauzentrums.
    Resultat: Viele Kontakte im Kauzentrum 765-567, und die Beisskraft hat sichtbar zugenommen!
    Anfangsbefunde: Die Kauzentren 16 () und 26 () hatten keinen Kontakt:
    Auf der rechten Seite ist nirgends ein Kontakt.
    Die Frontzähne haben auch keinen Kontakt.
    Rechts haben nur 23 und 33
    einen Kontakt ()

    Bisshebung nach viel Einschleifen

    37-jährige Patientin (07.02.2025 / 8794)

    Anamnese: Die Patientin bekam letzten Sommer zwei Teilkronen. Da fühlte sich der Biss aber komisch an, und seit seit zwei Monaten schmerzt er beim Kauen unerträglich und kann sie sich nur noch mit Flüssigkeiten ernähren. Ihre Zahnärztin hat mehrmals eingeschliffen und meinte zuletzt, es stimme alles und sie schleife nicht weiter ein. Ein anderer Zahnarzt riet zu einer CMD-Therapie.

    Erhöhung der Okklusion von 16
    Aufbau 16 oben
    und 36 unten

    Therapie: Die Okklusion wurde in einer Sitzung korrigiert. Dabei durfte die Patientin jeden Arbeitsschritt vorschlagen und nachher genau prüfen, ob er sich gut anfühlt. Weil sie schon seit zwei Monaten nicht mehr kaut, war das nicht so ein­fach. Zuerst wollte sie den 16 auf­bauen, denn er war 2−3 mm zu kurz. Dann kam auf der anderen Seite der 26. Dann wollte sie die Porzellankrone 36 verändern mit den scharfkantigen tiefen Grüb­chen. Zuletzt wollte ich noch bei 45 und 35 das Kauzentrum vergrössern.

    Nach der Behandlung folgte eine Kauprobe mit einigen Salzstengeln. Da stellte sich heraus, dass die Patientin wieder schmerzfrei kauen konnte. Das machte ihr so viel Freude, dass sie Tränen bekam.

    Arbeitszeit: 3.5 Std. Preis: 1'220 CHF

    Verlauf nach 10 Tagen

    Die Patientin hat keine Schmerzen mehr. Allerdings mochte sie nach drei Tagen wieder nur weiche Sachen kauen. Denn wenn sie auf die neuen Zähne beisst, fühlen sich diese hart und wie metallene Nadeln an.

    Dieses Gefühl ist die Folge der Unterfunktion des Kiefers. Denn unbelastete Zähne haben ein engeres Zahnfach (0.1 − 0.2 mm) als belastete (0.4 mm). Entsprechend sinkt ihre natürliche Beweglichkeit von 0.2 auf 0.1 mm, und ihre Funktion als Stossdämpfer ist im engen Zahnfach nur noch halb so gross wie normal. Die parodontalen Drucksensoren spüren den Kaudruck stärker, rascher und härter als in einem weiten Zahnfach.

    Dieses schmerzhafte, unangenehme Kaugefühl hätte durch ein Kautraining verhindert werden können. Leider habe ich die Folgen der Unterfunktion aber erst nachher im ChatGPT gefunden:

    Kauen ist Training - Tipps für Ihren Kiefer nach einer Unterfunktion

    Warum ist Kauen wichtig?
    Unsere Kiefermuskeln, Gelenke und Zähne brauchen regelmäßig Bewegung und sanfte Belastung - genau wie andere Muskeln im Körper. Wer lange Zeit nur weiche Nahrung isst, riskiert Muskelabbau, Verspannungen und gar eine Fehlfunktion des Kiefers (CMD).

    Rezept für sanftes Kau-Training:
    • Weiches, bissfestes Gemüse (Brokkoli, Karotten gekocht)
    • Reifes Obst mit Schale (Apfelstücke gut einspeicheln)
    • Nüsse in kleinen Stücken oder gehackt
    • Hartes Brot in Suppe getunkt
    • Getrocknete Früchte (z.B. Aprikosen, Datteln)
    • Zuckerfreier Kaugummi oder Paraffinwachs zum Kauen

    Einfache Kiefer-Übungen:
    1. Kiefer locker lassen - Unterkiefer sanft vor/zurück/seitlich bewegen (5-10x)
    2. Zunge an den Gaumen drücken, Unterkiefer leicht nach oben ziehen (5x, je 5 Sek. halten)
    3. Mund langsam öffnen bis Dehngefühl - 10 Sek. halten - locker schließen (5x)
    4. Sanfte Massage an Schläfen & Kiefer mit Fingerkuppen oder Faszienball

    Wie oft und wie lange?
    1-2x täglich üben - sanft und schmerzfrei - langsam steigern!
    Das Parodont regeneriert bereits nach 1-2 Wochen.

    Harte Lebensmittel für Kinder

    Kieferorthopäden empfehlen, dass Kinder (solange der Unterkiefer wächst) immer wieder auch harte Nahrung (rohe Karotten etc.) essen sollen statt weiche, weil dann die Kaumuskeln und die Zunge grösser werden und so den Unterkiefer und die Zahnbögen verbreitern. Das ergibt eine schönere Zahnstellung und eine bessere Atmung.


    Eine neue Gewohnheit lernen

    Wege zurück zur Ruheschwebe

    😊Neuronale Anker (Eine einfache Do-it-yourself-Technik bei Wachbruxismus)

    Wenn Patienten knirschen, pressen oder den ganzen Tag über immer wieder auf die Zähne beissen, dann führt dies unweigerlich zu Schmerzen. In der Nacht hilft eine Knirscherschiene (vorzugsweise eine FOS). Am Tag kann man mit der Anwendung eines neuronalen Ankers selber etwas dagegen unternehmen. Diese Methode wurde schon von vielen unserer Patienten erfolgreich angewendet.

    Es werden kleine (ca. 5 mm Ø) runde Aufkleber (Kopfform) als neuronale Anker verwendet. Die Aufkleber können aber auch grösser und in der Lieblingsfarbe sein. Wichtig ist, dass eine positive Verbindung zu der zu verändernden Haltung hergestellt wird. Der Patient wird gefragt, welches Zeichen für ihn oder sie am besten wäre um die Ruheschwebe der Zähne zu symbolisieren. Zum Beispiel ein lachendes oder lächelndes Gesicht (beim Lachen sind die Zähne auseinander), oder wenn man bei geschlossenen Lippen ein o formt (die Zähne sind auseinander). Dann wird das entsprechende Gesicht auf die Kleber aufgemalt. Zwei Punkte für die Augen, eine für die Nase und dann ein o oder einen lachenden Mund.

    Danach kommt die wichtige Verbindung zwischen Kleber anschauen und Wirkung. Die Patienten erfinden selber einen Satz, der sie beim Anblick des Klebers daran erinnert, die Zähne auseinander zu halten, also in der Ruheschwebe zu halten. Auf keinen Fall sollte der Satz lauten: "Zähne nicht zusammenbeissen". Das letzte Wort ist auschlaggebend für den erwünschten Gedanken. Also besser ist: "Zähne offen lassen" oder einfach "lächeln".

    Nun kommt die Instruktion, mehrere dieser Kleber zu basteln und überall dort zu platzieren, wo man oft hinschaut. Also mindestens: auf die Uhr, das Handy, den PC, Fernbedienung, Kühlschrank, an den Spiegel im Badezimmer/WC, Lenkrad usw. Je mehr, desto wirkungsvoller.

    Wenn die Patienten also z.B. auf das Handy schauen und den Kleber bewusst (mit der Zeit unbewusst) sehen und an den Satz „lächeln“ oder „Zähne offen lassen“ erinnert werden, dann wird ihnen bewusst gemacht, dass sich die Zähne in der Ruheschwebe befinden sollen und sie machen es sogleich. Je öfter, sie also daran erinnert werden, desto wirkungsvoller ist es.

    Eine Veränderung kann mehrere Wochen dauern. Ein Patient machte den Vorschlag: wenn ich mich an die grünen Kleber gewöhnt habe, dann kaufe ich orange Kleber, damit sie den Effekt weiter herbeiführen können.


    😊Habit-Reversal-Technik (verhaltenstherapeutischer Goldstandard)

    Beispiel bei Wachbruxismus:
    1. Früh bemerkenWar es Stress, im Auto, Ärger, oder sonst eine Anspannung am PC/EMail?
    2. Kiefer lösenUnterkiefer locker hängen lassen, Zunge locker an den Gaumen legen, Lippen sanft aufeinander legen.
    3. Ausatmen und Schultern senkenUnd lob dich für jedes rechtzeitige Bemerken und Neu-Reagieren. Stichwort: 'locker lassen'
    4. WeitermachenAuch zuhause anwenden, an der Arbeit, bei anderem Stress, in Gesprächen usw.

    😊Autogenes Training (Eine tägliche 5-Minuten-Ruhelage-Übung mit leiser, ausklingender Musik)
    Ruhelage Training
    Mund auf

    Das Training für die Ruhelage braucht einige Wochen Übung.


    Gegen den Bruxerschmerz

    Ein heisser Umschlag auf der schmerzen Wange verbessert die Durchblutung und vermindert den Schmerz sofort auf eine wohltuende Weise.

    Einen Korkzapfen über die schmerzende Wange rollen tut gut und massiert den Kaumuskel.

    Kaugummi-Verbot: Der Kaugummi trainiert die Kaumuskeln, statt dass diese ruhig bleiben. Er ist wie ein Trigger, der das Kauen auslöst und die Ruheschwebe verhindert.

    Magnesium beruhigt die Muskulatur. Bedenke: Stress, Zucker und Koffein erhöhen den Magnesiumbedarf.

    Medikamente: kurzfristig können Schmerzmittel und Muskelrelaxantien eingenommen werden. Aber langfristig sind die obigen Techniken besser als Medikamente.

    Botox-Injektionen wirken zwei bis drei Monate, dann muss man sie wiederholen.

    Die FOS-Schiene stoppt den Bruxismus so­fort. Sie ist rechts im Bild sichtbar (gelblich) und hält die hinteren Zähne auseinander. Nun befinden sie sich "in der Ruheschwebe", ob man will oder nicht, und können sich erholen.

    NTI-Schiene
    61-jährige Patientin (22.09.2025 / 5097) mit FOS-Schiene

    Ein guter Ratgeber gegen Muskelverkrampfungen und Knirschen ist hier: www.liebscher-bracht

    Verzicht auf alle Beiss-, Knirsch- und Nage-Trigger

    Auch eine Knirscherschiene kann ein Trigger wer­den (obwohl sie das Knirschen verhindert, fördert sie manchmal das Pressen), der Druckknopf eines Kugelschrei­bers, ein störender Zahnhöcker, ein Fingernagel, eine Rauhigkeit auf einer Kaufläche, eine Hautschuppe auf der Lippe usw.
    Bei Kindern mit vorstehenden Zähnen kann ein Bad habit entstehen, wenn sie mit der Unterlippe die oberen Frontzähne nach vorne schieben oder am Daumen lutschen. So kann sich der Zahnbogen verformen.
    Es gibt zahlreiche Apps und Hilfsmittel, Kurse, Fortbildungen und Therapien gegen schlechte Gewohn­heiten jeglicher Art.

    Tips für einen guten Schlaf

  • Kein Bildschirm zwei Stunden vor dem Schlafen. Dafür ruhiges Ausklingenlassen des Tages.
  • Atemübungen beim Einschlafen. Zum Beispiel mit der App "Ruhe" von der Garmin-Smartwatch. Sie startet gemächlich und steigert sich, bis man 4 Sek. einatmen, 7 Sek. anhalten und 8 Sek. ausatmen kann. So findet man den Schlaf.
  • Lesen am Abend im Bett. Keine Nachrichten, keine Push-Mitteilungen, keine Videos, nur der Roman oder das Buch mit den Kreuzworträtseln oder den Sudokus.

  • Schlafanalyse mit der Smartwatch Garmin fenix 7X

    26Garmin.jpg

    Die Uhr registriert die Schlafphasen und hat ein Schlafprotokoll, einen Schlafcoach und viele weitere Funktionen. Bruxismus findet vor allem im Leichtschlaf in den Arousal-Phasen statt.

    Ein Schema der Schlafphasen Wach/REM/Leicht/Tief ist hier.

    Schlafapnoe und Schnarchen

    Mögliche Ursache des Bruxismus ist eine Schlafapnoe. Deshalb kann eine Unterkieferprotrusionsschiene den Bruxismus vermindern und den Schlaf verbessern.

    Resmed Schnarchschiene Narval CC von Resmed

    Dentosophie: ohne Angst und mit Freude den Bruxismus loswerden

    Bei der Dentosophie muss man keine Angst vor einer Zahnbehandlung oder vor einer tiefgreifenden Psycho­analyse haben. Damit sich der M. masseter und der M. temporalis entspannen lernen, muss man vielleicht eine bessere Körperhaltung und Atmung zu angewöhnen.

    In der Schweiz ist gewiss die Praxis von Frau Dr. med. dent. Susanna Leu in Bern zu empfehlen. Sie hat das Buch von Michel Montaud übersetzt, dem Gründer der Dentosophie.
    Weitere Dentosophie-Therapeuten finden sich bei Dentosophie Schweiz.

    In Deutschland möchte ich besonders Frau Hilda Miryam Loewenstein in Frankfurt empfehlen. Sie kann bei ihren Klienten nach wenigen Wochen beobachten, dass die Entspannung der Kaumuskeln eine Diskus-Dekompression bewirkt, und zwar daran, dass die oberen und unteren Molaren sich nicht mehr ganz berühren. Dieses Phänomen verschwindet in den folgenden 3-6 Monaten automatisch von selber dank der Elongation der Zähne.
    Weitere Dentosophie-Therapeuten finden sich bei Dentosophie Deutschland.

    Psychotherapeutische Verfahren

    Die Psychotherapie sucht die Ursachen des Bruxismus, macht sie dann bewusst und findet eine entsprechende Therapie zur Verhaltensänderung. Dabei sind allerdings die Sympathie zum Psychotherapeuten und die Angstfreiheit vor ihm entscheidend für den Erfolg. Die Suche geschieht mit einer Gesprächsanalyse (Fragen nach wiederkehrenden Problemen, Gefühlen usw.), Assoziationstechniken und evt. auch mit einer Traumdeutung. Die Ursachen sind verborgen und persönlich. Vielfach sind es Erfahrungen in der Kindheit, Angst, Ehrgeiz, hoher Leistungsdruck, Stress, ein Kontrollwahn, sogar auch Langeweile und Freude an Arztbesuchen usw. Durch die Bewusstmachung und durch das Verstehen des Zusammenhangs zum Bruxismus wird dann eine Bearbeitung möglich und ein neues Verhalten eingeübt. Dieses ist tiefenpsychologisch, kognitiv oder eher somatisch orientiert.

    Kognitiv sind ERP-Techniken. Da hält man zum Beispiel die Zungenspitze 5 Sekunden lang an das Gaumendach. Dabei sind die Zähne ein wenig auseinander und bleiben die Lippen geschlossen. Danach kontrolliert man, ob alles gut gegangen ist. Diese Kontrolle der Harmlosigkeit der gebogenen Zungenspitze wiederholt man jede halbe Stunde. Die Absicht ist, sich so den Beissreflex abzugewöhnen.

    Somatisch sind TRE-Techniken, die Progressive Muskelentspannung, Feldenkrais, physiotherapeutische Übungen, usw.

    Die Dentosophie hilft mit einer weichen Balancer-Schiene, die Kaumuskeln, Lippen und Zunge zu entspannen. Dazu gehören auch Atem-, Kau- und Schluckübungen. Diese verbessern sogar die Körperhaltung. Die Gefühle bei den Übungen und die dabei gespürten körperlichen Veränderungen kann man natürlich am besten in einer angstfreien Umgebung, ohne Manipulationen im Mund und ohne tiefgreifende psychologische Analysen sich bewusst machen und besprechen.

    Diskus-Kompression   Diskus-Dekompression
    mit Molaren-Belastung  mit Molaren-Entlastung

    Diskus-Kompression

    Eine dentosophische Balancer-Schiene Balancer


    Prophylaktisches Einschleifen/Ansetzen

    31ProphEin8956.jpg

    Fraktur mangels Einschleifen

    50-jährige Patientin (09.12.2025 / 8956)

    Anamnese: Die Patientin spürte schon vor Jahren manchmal, wenn sie an dieser Stelle fest z. B. auf ein Korn gebissen hat, kurze einschießende Schmerzen.

    Ihre Zahnärztin meinte, sie knirsche und man müsse den Zahn ziehen. Die Patientin selber hat aber nicht das Gefühl, das sie knirscht. Und ihre Zähne sind überdurchschnittlich gesund und haben lediglich in paar wenige kleine Füllungen.

    Die schmerzhaften und wohl eher kraftvollen Belas­tungen haben zur Fraktur geführt. Schuld war ein interkuspidaler Nahkontakt zwischen dem palatina­len Höcker und dem Gegenzahn (Hyperbalance).


    31ProphEinschl3074.jpg
    Nun ist der distobukkale Höcker flacher und etwas niedriger und deshalb die Frakturgefahr kleiner.

    vorher - nachher anzeigen

    Prophylaktisches Einschleifen

    62-jähriger Patient (17.12.2025 / 3074)

    Anamnese: Der Patient hatte vor vier Jahren einen zentralen Riss unter der Amalgamfüllung von +7.

    Riss

    Nun ist er gekommen, weil er einen beginnenden Riss beim Zahn -6 beobachtet hat.
    Die Schlifffacette auf dem Weisheitszähnen zeigt einen Bruxismus an.


    32WitzgallHoecker8888.jpg
    Nun sind die beiden mesialen Höcker mit Komposit erhöht worden. So ist ein grosser zweiter Kontakt enstanden.

    vorher - nachher anzeigen

    Witzgall-Hoecker ansetzen

    24-jähriger Patient (17.11.2025 / 8888)

    Anamnese: Der Patient musste wegen einer kieferorthopädischen Behandlung 4+4 ziehen und 765+567 nach vorne verschieben lassen. Deshalb ist eine Minderbelastung des Kauzentrums 6-6 entstanden. Um besser kauen zu können, hat er nur noch links gebissen. Dabei ist aber +7 elongiert und ein Vorkontakt auf +-7 entstanden, der ihn störte. Er hat deshalb schon fünf verschiedene Knirscherschienen erhalten.

    Therapie: Die mesialen Höcker des Zahnes 6- konnten ganz einfach mit Komposit erhöht werden. Das Kaugefühl war dann sofort besser.
    In der nächsten Sitzung wird auch noch der Zahn 5- erhöht, um das Kauzentrum noch etwas mehr zu vergrössern. Vorbehalt: das Kaugefühl ist gut geblieben.


    Komposit-Reparaturen bei Heavy bitern


    51Implantate7938.jpg

    ├──Kauzentrum──┤

    Überlastetes Kauzentrum

    74-jährige Patientin (03.10.2024 / 7938)

    Bei diesem Fall besteht das Kauzentrum aus den Implantat 3-i, den vier schwächsten Zähnen 21-12 und einem wurzelbehandelten Eckzahn -3. Diese beissen und kauen gegen eine lange Kompositbrücke mit Drahtverstärkungen (siehe hier)

    Verstärkung des Komposits mit Draht oder Glasfasern

    Nach einem Jahr ist beim Implantat +2i die Kompositfacette abgesplittert. Komposit klebt halt nicht am metallenen Implantat-Sekundärteil. Deshalb wurde die Haftung mit einem zusätzlichen queren Draht und mit einem um Draht und Implantat herumgewickelten Ligaturendraht verbessert.


    55ZhDef6825.jpg
    So sah die Krone nach der Präparation aus. Beachte den Wurzelkanal. Er ist der kleine dunkle Fleck. Das ist der tiefste Zahnhals­defekt, den ich je gesehen habe!

    Tiefster Zahnhalsdefekt

    66-jähriger Patient (15.12.2025 / 6825)

    Der Patient wollte einen schöneren Zahn vor Weihnachten. Dann das Porzellan war von der Krone abgebrochen. Er hatte keine Schmerzen. Obwohl der Zahnhalsdefekt tiefer war als der Wurzelkanal!

    Krone
    Mit Komposit für 435.- CHF reparierter Zahn.

    65_Krone6563.jpg
    Mit vier pp-Schräubchen kann nun eine Kompositkrone modelliert werden.

    Querfraktur unter Porzellankrone ohne Wurzelfüllung

    79-jährige Patientin (10.07.2025 / 6563)

    Das kräftige Beissen hat trotz einer Knirscherschiene diesen Prämolar beim Zahnhals querfrakturiert obwohl er vital und kariesfrei ist.

    Porzellan- und Goldkronen sind nicht elastisch wie die Zähne sondern starr, so dass sich die Querkräfte alle am Kronenrand beim Zahnhals auswirken. Dieser Zahnhals hat den Querkräften gewiss 30 Jahre lang stand gehalten.

    Krone querfrakturiert

    70_Krone8010.jpg
    Im Wurzelkanal wurde eine WIRZ-Schraube befestigt, und an dieser wird nun eine Kompositkrone anmodelliert.

    Querfraktur unter Porzellankrone mit Wurzelfüllung

    72-jähriger Patient (06.01.2025 / 8010)

    Dies ist ein wurzelbehandelter Prämolar mit einer Porzellankrone. Er ist ebenfalls kariesfrei. Aber wegen der Wurzelfüllung bricht er schneller ab als ein Zahn mit lebendem Nerv.

    Man bedenke: ein Bruxismus dauert jahrzehntelang. Es entstehen also sehr viele Überlastungen. Aber im hohen Alter können dann solche Frakturen entstehen.


    81Retainer8063.jpg
    Wegen der verstärkten Beisskraft sind die unteren vier mit Draht fixierten Frontzähne drei Millimeter kürzer geworden. Sie haben sogar die Porzellankrone abgebrochen, und wegen ihnen ist schliesslich der obere Retainer zerbrochen.

    Maximaler Bruxismus

    39-jähriger Patient (22.08.2024 / 8063)

    Es ist eine eigene Kunst, Porzellankronen mit Komposit zu reparieren. Dazu kann man wie in diesem Fall das Porzellan mit vielen mechanisch wirkenden Retentionsrillen aufrauhen. Diese sind nötig, weil das Komposit am Porzellan nicht so gut klebt.


    83_Implantat1259.jpg
    Es konnte 2025 nur durch kräftige Verbiegungen entfernt werden.

    Implantat-Misserfolge

    85-jährige Patientin (30.06.2025 / 1259)

    Bruxismus, Zigaretten und die schwierige Mund­hygiene sind schuld an den Misserfolgen. Implantate

    Copyright © 2026 Icon W. Weilenmann
    erstellt: 02.10.2024 - 21.01.2026