Eine Grundlage des Bruxismus sind die beiden Amygdalae. Sie steuern Angst, Freude und Wut und
entscheiden über Kampf, Flucht und Totstellreflex. Beim Kampfgefühl aktivieren sie die Beissmuskeln.
Ein pränataler genetischer oder epigenetischer Dauerstress einer Schwangeren
vergrössert die Amygdala des Fötus, was später
ADHS
, Bruxismus oder Fingernägelkauen begünstigt.
Die meisten Kieferdysfunktionen sind nur kurzzeitig und harmlos.
| 1. Pressen (jaw clenching) | Das Sprichwort "die Zähne zusammenbeissen" gibt es in Italien, Frankreich, Russland und China, aber nicht in Afrika. |
| 2. Knirschen (teeth grinding) | Kinder können die Milchzähne etwa 3 mm / 10 Jahre abschleifen. Ein starker Knirscher schleift seine Zähne etwa 1 mm / 10 Jahre ab. Ein Knirscher mit Teilgebiss, Komposit und Porzellan bis 1 mm / 2 Jahre. |
| 3. Heavy biter | Die durchschnittliche Beisskraft beträgt 20−80 kg. Der Weltrekord liegt bei 430 kg. Heavy biter haben häufig auch einen festen Händedruck. |
| 4. Schlafbruxismus | kann kurzzeitig maximale Beisskraft erzeugen. |
| 5. Wachbruxismus | entsteht meist bei stressiger Arbeit mit kleinerer Beisskraft. |
|
6. Okklusale Dysästhesie, Phantombiss−Syndrom (PBS) |
Ein beständiges Gefühl, dass der Biss nicht stimmt. Das wird fortwährend mit kleiner Beisskraft kontrolliert. |
| 7. Craniomandibuläre Dysfunktion (CMD) | Öffnungsschmerz, steifer Nacken und Schultern, Beckenschiefstand. |
Die Ursache ist okklusal − oder aber eine dysregulierte Spannungs- und Impulskontrolle.
| 1. Okklusale Fehler, schwache Zähne | Einschleifen und Ansetzen, Kons |
| 2. Stress Überlastung, Ehrgeiz, Erwartung, hoher Leistungswille, Langeweile, Isolation |
Harte Michigan-Schiene, DROS, NTI usw. Unerfülltes Grundbedürfnis suchen und verarbeiten mit Do-it-yourself, Physio- therapie, Dentosophie, Psychotherapie |
| 3. Trauma, Angst, Depression bindungsbezogen, Unsicherheitsgefühl | Weiche Michigan-Schiene, Phantombiss-Symptomatik begleiten |
| 4. Schlechter Schlaf Tagesmüdigkeit, Schnarchen | Schnarchschiene, Smartwatch, Schlafapnoe-Maske, Schlaflabor |
| 5. Medikamente, Hormone | Hausarzt, Psychiater |
Die Therapie soll schonend und multifaktoriell sein.
Die Therapien beginnen meistens mit einer harten oder weichen Aufbissschiene und ohne
Veränderung der Zähne.
Zum Thema "Kiefer entspannen" gibt es über 1'000 Youtube-Beiträge
und mehr als zehn Apps mit Chi Gong, Feldenkrais, Tai Chi usw.
Um die tieferen Ursachen zu suchen, bieten sich
Stressmanagement, Haltungstherapien und psychotherapeutische Hilfen an.
Zähne und Füllungen brechen nicht nur wegen Bruxismus, sondern auch bei Überlastung durch Formfehler der Kauflächen oder nach Verlust eines Nachbarzahnes. Wenn ein Kauzentrum auf dem Füllungsrand statt in der Mitte der Füllung liegt, oder wenn eine Füllung auf einem schiefen Boden liegt, oder wenn die Belastung doppelt so hoch wird, weil ein Nachbarzahn ausgefallen ist, dann kann das Komposit brechen. Damit das nicht passiert, werden oft Gold- und Porzellankronen oder Implantate hergestellt.
Diese Seite soll helfen, den Heavy biter zu erkennen, damit Kompositfüllungen besser halten. Kurz gesagt muss der Zahnarzt
Die Zahl der Knirscherschienen in meiner Praxis betrug 2004-2014 0 bis 10 Stück pro Jahr. Ab 2014 hat sie sich auf etwa 20 Stück pro Jahr verdoppelt. In den Corona-Jahren 2020 und 2021 stieg sie sogar auf etwa 40 pro Jahr (siehe hier). Weshalb?
Die Angst vor Corona und der Wunsch nach Schutz und Sicherheit davor dauern bis heute an. Nicht selten ist jemand wegen der Corona-Pandemie sehr vorsichtig geworden und trägt deswegen immer wieder mal einen Mundschutz.
Die Medien machen mit ihren Head-Lines alle schrecklichen Dinge der Welt zu Geld. Dabei übertreiben sie nach Möglichkeit jedes Detail, auch wenn sie uns so noch mehr stressen.
Die ständige Erreichbarkeit mit digitalen Medien ist ein ganz neuer Stressfaktor. Er verkürzt die Erholungszeit und beeinträchtigt die Bettruhe.
Die "diagnostische Inflation" erhöht die Zahl der psychischen Krankheiten. Früher ermahnten die Eltern ihre Kinder einfach mit "tu nicht so dumm!" und haben mit diesem Spruch das Thema beendet.
Die Zunahme des Alters der Patienten ist ein weiterer Stressfaktor. Der Altersdurchschnitt hat in den letzten 35 Jahre volle 20 Jahre zugenommen (siehe hier). Im hohen Alter entstehen nicht-kariöse Zahnschäden, welche die Behandlung verteuern. Zum Beispiel kann ein stark belasteter Zahn schliesslich abbrechen und einen Stiftzahn nötig machen. Oder es beginnt ein Zahn zu schmerzen, weil der Nachbarzahn verloren gegangen ist, und kann eine Wurzelbehandlung nötig machen. Oder die Zähne nützen sich so stark ab, dass plötzlich mehrere Füllungen nötig werden. Während solche Zähne früher nur mit Prothesen ersetzt werden konnten, mit denen man nicht knirschen kann, werden sie heute oft kostspielig repariert und setzt sich der Bruxismus fort.
Wissenschaftliche Übersichtsarbeit:
Mehr Behandlungen, aber nicht weniger
Angst- und affektive Störungen: Warum? Sieben Hypothesen und ihre Bewertung
Johan Ormel, Paul M.G. Emmelkamp
Buchempfehlung für Laien:
What Mental Illness Really Is... (and what it Isn’t)
Lucy Foulkes
Die Wirkung von Informationen über Krankheiten ist paradox.
Statt dass sie zu mehr Gesundheit führen, fühlen sich viele Menschen nach
den Informationen kränker als vorher. Ganz im Sinne von
"Was ich nicht weiss macht mich nicht heiss".
| Schienen | Frontzahn-Jig (FOS, NTI, 250 CHF), Knirscherschiene, Aufbissschiene, Michiganschiene, Unterkiefer-Vorschubschiene, DROS-Schiene (diagn., relax, orient., stabil.) |
| Einschleifen | prophylaktisch: bei Nahkontakten, steilen Hyperbalancen, bei Schmelzrissen therapeutisch: bei Kaltempfindlichkeit, Druckgefühl, Schlifffacette |
| Ansetzen | Witzgall-Höcker zur Verbesserung des Kauzentrums z.B. nach Kieferorthopädie |
| Bisserhöhung | bei genereller Erosion |
| Frakturen | Reparatur frakturierter Zähne mit Verstärkung des Komposits durch Draht/Glasfasern |
| Warme Umschläge | Feucht-heisses Tuch, Wärmebeutel auf die Wange |
| Manuelle Hilfen | Massage, Dehnübungen, Korkzapfen rollen auf der Wange |
| Neuronale Anker | Konditionierung, Handy-Erinnerung alle 60-90 Min., Meditation, Achtsamkeitsübung vor dem Schlafen , Musikhören |
Progressives Muskelrelaxation
Wahrnehmungstraining, Biofeedback
Hypnose
Physiotherapie
Dentosophie mit Balancer
Psychotherapie
Chirurgie
Magnesium-Tabletten gegen Muskelkrämpfe
Ibuprofen, Diclofenac
Botulinumtoxin (400 CHF pro Spritze, wirkt 2-3 Monate)
Normale Kaubewegungen bewirken nur einen kleinen Druck auf die Zellen, Blutgefässe und Drucksensoren in den Kaumuskeln, an den Zahnwurzeln und in den Kiefergelenken. Im Normalfall folgt nach einer Sequenz solcher Belastungen die Ruheschwebe, in welcher die Muskeln, Zähne, Kiefergelenke, motorischen Nervenendigungen und Blutgefässe von den Verpressungen erholen können.
In der Ruheschwebe hält man die Zähne 2-8 Millimeter weit auseinander und wird die Durchblutung des Zahnhalteapparates und der Kaumuskeln nirgends gestört. Die Ruheschwebe dauert praktisch den ganzen Tag und die ganze Nacht und wird nur beim Essen und gelegentlich beim Schlucken unterbrochen. Stützt man am Tisch den Kopf auf das Kinn, so wird die Ruheschwebe trotzdem beibehalten, weil dann die Kieferöffner anspannen und verhindern, dass der Unterkiefer auf den Oberkiefer drückt.
Andauernde Belastungen ohne Ruheschwebe lassen hingegen den Muskeln keine Zeit, die Moleküle in den Muskelfasern zu reparieren. So entstehen bei zerrissenen Aktin-Fasern winzige Entzündungen, die den Muskel anschwellen lassen. Sie bewirken einen schmerzhaften Muskelkater. Analog führt auch die Dauerbelastung der Kiefergelenke zu zellulären Veränderungen des Knorpels der Gelenkscheibe, der Gelenkpfanne und des Kieferköpfchens, sowie der Sehnen und der Muskelfasern im Gelenk.
Beim Bruxismus fehlt die Ruheschwebe. Die Kaumuskeln machen mit nur kurzen Pausen zahllose kleine Zuckungen und belasten damit die Zähne und Kiefergelenke. Diese Belastungen variieren je nach der Geometrie des Gebisses und der Zahnstellung und sind je nach Veranlagung des Patienten gut erträglich oder werden ziemlich gross. Sie geschehen nur nachts und/oder auch tagsüber und betreffen nur den hintersten linken, oder rechten unteren, oder sonst einen Zahn oder eine ganze Gruppe von Zähnen. Zu Beginn der Belastungen werden häufig einige Zähne kaltempfindlich. Beim ausgeprägten Bruxismus hingegen entstehen auch Warmschmerzen und solche, die in die Wangen und zur Stirn ausstrahlen (Migräne), bis ein Zahnarzt vor Verzweiflung eine Wurzelbehandlung macht. Ursache dieser Schmerzen ist die anhaltende Quetschung der Kapillaren im Muskel und in der Wurzelhaut (Desmodont). Letztere ist nur 0.1 - 0.2 Millimeter dick und zwischen dem Zahn und dem Knochen eingeklemmt.
Vertikale Belastungen drücken die Wurzelspitze des Zahnes gegen den Knochen. Dort wird die Pulpa mit ihren Temperatursensoren gereizt (roter Punkt). Zuerst entsteht eine Kaltempfindlichkeit, bei hohem Druck auch eine Warmempfindlichkeit.

OPT mit den aussergewöhnlich hohen Kompositfüllungen
Molaren sind durchschnittlich 18 bis 24 Millimeter lang. Die Patientin hat sie um etwa 50% auf gut 30 Millimeter verlängern lassen, damit sie besser kauen konnte.
M. temporalis + M. masseter
Spaltkraft: 1−3 x Kaukraft
Lager pro Zahn = 1 cm2 (hinterster Zahn)
Cave:
Molarenverlust − Diskuskompression
M. pterygoideus lateralis
Zahnhalsdefekt: 3 x Knirschkraft
Lager pro Zahn = 10 mm2 (Zahnhals)
Der M. temporalis, M. masseter, M. pterygoideus lateralis und medialis sind über den N. trigeminus sensorisch und motorisch mit dem Kiefergelenk und den Zähnen verbunden.
Die durchschnittliche Kaukraft beträgt 20-80 Kg. Der Weltrekord liegt bei 430 Kg. Diese Werte gelten jedoch
nur für den senkrechten Druck auf eine horizontale Ebene. Bei schiefen Ebenen gilt:
Spaltkraft > Kaukraft wenn Interkuspidalwinkel < 90°.
Dies zum Beispiel wenn wegen Attrition einer alten Kunstharzfüllung eine tiefe Verzahnung entsteht.


78-jähriger Patient (30.09.2025 / 996)
Der Patient ist ein Heavy biter und kam seit Jahren immer wieder mal um Hyperbalancen einzuschleifen. Zudem war dies der letzte Molar links oben.
Bei kräftigem Knirschen werden pro 10 Jahre die Milchzähne etwa 3 mm und die bleibenden Zähne etwa 1 mm abgeschliffen.
).
).
Hier ist eine andere Aufnahme vom Knirschen mit schmerzfreier Kiefergelenksdehnung: Siehe hier
Definition: erlernte, gewohnheitsmässige Bewegungen, die auch unwillkürlich ablaufen. Sie sind alle im Schlaf und Wachzustand möglich.

Der N. trigeminus (V) enthält die sensorischen Fasern des Gesichts und der Kiefergelenke und die motorische Fasern der Kaumuskeln. Die Drucksensoren der Zähne sind die sensibelsten des Körpers, und der Homunculus hat ein sensorisches Areal des Mundes, das grösser ist als jenes beider Beine.
Die Sensorik der Zähne und Kiefergelenke ist hoch adaptiv. Einige Bruxismus-Patienten steigern mit ihren häufigen Zahnkontakten die Sensorik bei jedem einzelnen Zahn. Leute mit Ruheschwebe können sich die grosse Aufmerksamkeit auf die Zahnkontakte kaum vorstellen, insbesondere wenn jemand einen Distalbiss ohne Frontzahnkontakte hat. Denn die Frontzähne haben die höchste taktile Präzisionssensorik. Sie ist höher als jene der Molaren und direkt mit den Kaumuskeln verbunden, welche bei einem Überdruck sofort gehemmt werden (siehe FOS-Schiene).
Die Patientin hat die Idee mit dem feuchten Papier zwischen den Zähnen selber gefunden, damit sie nachts nicht immer die Ecken und Kanten ihrer Zähne spüren muss. Mit dem Papier spürt sie nur noch einen Druck auf den Zähnen. Beim Zahn -6 war der Druck auffallend höher als bei den anderen Zähnen. Das Farbband zeigte bloss eine etwas breite Kontaktfläche an, die ich dann durch eine grössere Abflussrille reduzieren konnte, ohne den okklusalen Stop zu verlieren.
Eine andere Patientin mit okklusaler Dysästhesie hat sich beklagt, dass sich die Kontakte zwischen ihren Zähnen wie metallene Nägel anfühlten. Dabei war absolut kein Vorkontakt oder ähnliches zu finden. Entsprechend hat Einschleifen gar nichts genützt. Vielleicht wäre eine weiche Michigan-Schiene besser gewesen. Aber hätte sie den Fremdkörper im Mund tolerieren können?
Wieder eine andere Patientin klagte, dass ihre Zähne gegeneinander schlagen würden, wenn sie zubeissen wolle. Die Zahnkontakte seien also falsch.
Sie sollte mitten im Gelenk liegen,
klemmt aber manchmal zu weit vorne odeAbr hinten.
Präfrontalcortex
Sensomotor. Areal
Basalganglien
N. trigeminus
Amygdala
belastete Gelenk-
scheibe und Zähne
Hirnstamm
Der N. trigeminus versorgt die Augen und den Ober- und Unterkiefer inklusive Nase, Lippen, Zunge und Zähne.
Die Kerne seiner drei Äste (N. ophthalmicus, N. maxillaris und N. mandibularis) liegen im Hirnstamm und sind mit der Amygdala verbunden, dem Angst- und Wutzentrum. Der Hirnstamm erzeugt auch die Arousals mit ihrem Schlafbruxismus.
Der Trigeminus sendet der Amygdala die sensorischen Afferenzen von Schmerz und Berührung und erhält von ihr die motorischen Efferenzen für die Mimik der Freude, Angst und Wut und auch für den Bruxismus, die Mundöffnung bei Überdruck und die Ruheschwebe.
Der Präfrontalcortex steuert kognitiv das sensomotorische Areal und ist mit seinen Leistungen der Selbstkontrolle viel langsamer als die subcortikalen Prozesse der Amygdala und des Hirnstammes.
Das heisst, das Bewusstsein kommt immer zu spät, und man hat bereits geknirscht, wenn man es eigentlich vermeiden wollte.
Stressbedingter Bruxismus: Ursachen sind sozialer Stress, Arbeitsdruck, Verantwortung, Perfektionismus, hohe Selbstkontrolle, Pflichtgefühl usw. Er kann beim Autofahren, am Handy/PC, bei der Arbeit usw. entstehen. Diese Form des Bruxismus spricht gut an auf Stressreduktion, Atemübungen, Entspannungsübungen, Progressive Muskelrelaxation, Achtsamkeit und Verhaltensänderungen. Das Nervensystem bleibt flexibel. Es handelt sich oft um einen Wachbruxismus bei der Arbeit mit Pressen.
NeocortexTraumabedingter Bruxismus: Ursachen sind emotionale Vernachlässigung, chronische Unsicherheit, frühe Überforderung, chronischer innerer Alarmzustand usw. Er spricht an auf Körperpsychotherapie, sehr sanfte Atemarbeit, Arbeit mit Sicherheit und Grenzen, langsame Regulation und spezialisierte Psychotherapie. Das Nervensystem ist in einem Schutzmodus und braucht zuerst Sicherheit, nicht Entspannung. Die Knirsch- und Pressbewegungen finden auch statt nach einer Aufforderung, das Pressen und Knirschen zu unterlassen.
Physiologischer Bruxismus: Funktionelle Aufgabe ist das Training der Zunge und der Kaumuskeln sowie die Verbesserung von störenden Zahnkontakten. Es entsteht aber auch bei Reizüberflutung und Stress usw. Er kommt bei etwa 50% der Kinder vor, ist nicht schmerzhaft und verschwindet meistens, wenn die bleibenden Zähne kommen.
Der Schlafbruxismus ist unbewusst und beginnt oft schon in der Kindheit.
Dabei kann man im Schlaf laute Knirschgeräusche machen, die man selber nicht hört.
Der Kaudruck kann bis auf das Zehnfache ansteigen und dauert
bis zu 40 Minuten lang. Es kann in einer Nacht bis zu über 1000 Bisskontakten kommen mit bis zu zehnfach höherem Kaudruck als normal.
Gemäss ICD 10 ist er eine sonstige Schlafstörung (G47.8) bzw. somatoforme Störung (F45.8).
Wenn überhaupt, wird er erst beim Aufwachen wegen einem Steifegefühl
in den Wangen, im Schultergürtel, wegen Kiefergelenkknacken oder Kopfschmerzen (bis Migräne) gespürt.
Die Betroffenen spüren ihren Schlafbruxismus meistens nicht und fühlen sich auch nicht gestresst.
Beim Wachbruxismus können Press-, Saug- und Beissbewegungen mit dem Kiefer, der Zunge und den Wangen vorkommen.
Das wird fast gleich wie beim Schlafbruxismus meistens nicht bemerkt.
Das Gegenteil davon ist der Phantombiss. Bei diesem spüren die Betroffenen jeden Zahnkontakt sehr genau. Dabei sagt ihnen
das Gefühl, dass die Zähne sich nicht am richtigen Ort berühren.
Oft halten sie eine Füllung oder Krone für die Ursache und meinen, diese sei zu klein oder zu gross, und
dass vor dieser Füllung alles immer gut war. Sie beginnen deswegen, Zahnärzte zu besuchen mit der Bitte,
dem Zahn seine frühere Form wieder zu geben, sonst könnten sie nicht mehr richtig essen und würde alles schlimmer.
Aber nach jeder Zahnbehandlung finden sie ein neues Problem, vielleicht jetzt auf einem Nachbarzahn.
Auf diese Weise entsteht eine Hochsensibilität, Hypervigilanz oder gar eine Neurodiversität,
und allmählich wird ihr Bruxismus zu einem gedanklichen, gesundheitlichen und sozialen Schwerpunkt.
Das Irritierende am Phantombiss ist, dass keine normale Reaktion auf das störende Kaugefühl erfolgt, nämlich
nur vorsichig kauen und die Störung möglichst nicht provozieren.
Jedem ist klar, dass ein pausenloses Zubeissen nur Schmerzen und weitere Unannehmlichkeiten verursacht.
Eine solche Reaktion weist auf einen instinkthaften, reflexartigen Charakter des Phantombisses hin.
Motorische Gewohnheiten sind manchmal mit Zwangsgedanken verbunden, ähnlich wie bei Zwangsstörungen (Waschzwang, Kontrollzwang usw.). Die Zwangsmotorik beginnt mit einer Unruhe, die entsteht, wenn man die Bewegung nicht ausführen will (wie beim Drang zur Toilette). Und der Zwangsgedanke lautet zum Beispiel: "Ist der Zahn immer noch zu hoch? Den hab ich früher nie gespürt. Er stört erst seit der neuen Krone. Den muss ich abschleifen!".
Dabei handelt es sich nur um eine Unstimmigkeit von 20-50 µm, und sie ist nur spürber, wenn man in einer speziellen Kieferstellung zusammenbeisst, die beim Essen gar nicht vorkommt. Sie würde auf ganz natürliche Weise in kurzer Zeit von selber unauffällig, weil man in der Ruheschwebe die Zähne überhaupt nicht zusammenbeisst und die Zahnkontakte nicht spürt.
Eine so kleine Unstimmigkeit kann bei manuellen Arbeiten durchaus vorkommen. Ein Zahnarzt kann sie nur durch mehrfache, geduldige Kontrollen suchen gehen, zufällig finden und dann durch ein minimales Einschleifen beheben. Aber in jeder Kieferstellung entstehen wieder andere Einzelkontakte und Vorkontakte.Die Wahrnehmung der Zahnkontakte ist eine hochpräzise Sinnesleistung. Und die tägliche hundertfache Wiederholung ist ein hochpräzises Sinnestraining, das die Hirnstruktur verändert. Für Menschen ohne Ruheschwebe ist Hochsensibilität eine Normalität. Sie kann sich auch zu anderen hochsensiblen Gewohnheiten und zu einer gedanklichen und sinnlichen Neurodiversität entwickeln. So hat die überdurchschnittliche Aufmerksamkeit gegenüber den Zähnen eine Analogie zum Beispiel in der überdurchschnittlichen Aufmerksamkeit eines Musikers auf eine Tonfolge oder auf den Rhythmus einer Melodie, welche alle Muskelketten in seinem Körper erfasst. Die Veränderungen im Gehirn solcher Musiker sind messbar, und man spricht vom Musikerhirn. Bei ihnen ist das Gehirnareal für das Hören deutlich vergrössert. Bei Bruxern hingegen werden das somatosensorische und motorische Areal für körperliche Gefühle im Gesicht und für die Bewegungen der Kaumuskeln überdurchschnittlich oft aktiviert.
Bei den meisten Menschen bewirkt ein Zahnverlust ein vorsichtiges Sich-an-die-Zahnlücke-Gewöhnen. Dabei wird vorsichtiger gekaut und eventuell auch die Ruheschwebe öfters eingenommen. Aber es entsteht keine Angst, dass man wegen der Zahnlücke nicht mehr essen kann.
Den Kindern zum Beispiel, die eine kieferorthopädische Behandlung bekommen, wird häufig ein Zahn gezogen. Danach entstehen kaum je Knirscherschmerzen.
Und eine 92-jährige Italienerin hatte nur noch einen einzigen Zahn im Oberkiefer. Sie ist trotz Zahnverlust und Zahnlücken immer zufrieden geblieben und sagte mir ganz einfach:
Bruxismusschmerzen können in jedem Alter entstehen. Wenn zum Beispiel eine 80-jährige Bruxerin, die nie Knirscherschmerzen hatte, den hintersten Molaren wegen Karies verliert, kann sie auf den verbliebenen Zähnen plötzlich Bruxismus-Schmerzen bekommen, weil der extrahierte Zahn jetzt nicht mehr hilft, den Kaudruck zu tragen und die verbliebenen Zähne ohne ihn mechanisch überlastet werden.
Und umgekehrt ist die Ruheschwebe in jedem Alter hilfreich, so zum Beispiel auch bei einer Bisshebung mit dem Dahl-Prinzip bei Erwachsenen. Dabei wird der gesamte Kaudruck auf die Frontzähne verlagert, bis die hinteren Zähne langsam (innert 3 bis 6 Monaten) etwas aus dem Knochen herausgewachsen sind. Dies geschieht ohne Schmerzen, sofern der Patient eine Ruheschwebe hat und nicht dauernd versucht, die Zähne selber an den richtigen Ort zu drücken. Dann würde ein schmerzhaftes RSI-Syndrom entstehen (Siehe oben)
Prävalenz: Eine spezielle Kieferdysfunktion ist das Phantombiss-Syndrom resp. die okklusale Dysästhesie.
Sie kommt in Spezialkliniken für orale psychosomatische Störungen bei weniger als 10% der Patienten vor.
Es betrifft zu etwa 80% Frauen im Alter von etwa 50 Jahren.
Befunde: Objektiv ist der Biss in Ordnung und gibt es nur unbedeutende minimale Verbesserungsmöglichkeiten der Okklusion.
Therapie: Von weiteren Zahnbehandlungen rät die deutsche S1-Leitlinie zur okklusalen Dysästhesie definitiv ab. Stattdessen sind psychosomatische und psychotherapeutische Ansätze zum Stress- und Angstabbau sinnvoll. Manchmal sind auch SSRI-Medikamente wie Dothiepin (Antidepressivum) und Pimozid und Haloperidol (Antipsychotika) möglich und zu empfehlen.
Weil die Zähne jeden feinen Druck ganz genau spüren, entsteht durch die vielen Kontrollen, ob der Biss stimmt, eine hochpräzise Erinnerung an jede Zahnform und wird man ständig an diese erinnert. Aber weil der Unterkiefer viele verschiedene Stellungen einnehmen kann und die Zähne nie alle genau zusammenpassen, lässt sich der Wunsch nach dem perfekt passenden Biss nicht verwirklichen.
Beim PBS ist die Wahrnehmung gestört,
nicht die Okklusion.
Das Phantombiss-Syndrom dauert bei etwa 40% der betroffenen Patienten mehr als 5 Jahre lang.
Der Drang zum Beissen ist etwa so kräftig wie der Drang, wenn man auf die Toilette muss. Nur entsteht beim PBS der Drang zum Beissen sofort wieder von Neuem, wie bei einer Zwangsstörung.
Eine genaue Beschreibung ist hier:
Phantom bite syndrome: Revelation from clinically focused review
von Tu TTH et al. (2021)

67-jährige Patientin (04.06.2025 / 8785)
Anamnese: In den letzten Jahren wurden bei 65+45(6)7 und 8(7)6-4(56)7 neue Porzellankronen gemacht. Auffällig sind die fast sekündlichen Bisskontrollen der Patientin. Sie trägt jede Nacht eine Michigan-Schiene. Keine parodontalen Probleme. Trotzdem immer wieder teils starke Zahnschmerzen, und zudem sei der Aufbiss nicht gut. Es sei zuviel abgeschliffen worden und es brauche neue Kronen. Sie wünscht jetzt eine Bisserhöhung mit Komposit.
Therapie: Nur ein minimales Einschleifen von 15 und 24, um die Erwartungen der Patientin auf unschädliche Weise zu erfüllen. Immerhin war der Anfahrtsweg über 5 Stunden lang.
Im Gespräch mit einem Bruxismus-Patienten über seine störenden Zahnkontakte fallen zunächst die starken Emotionen auf. Sie sind wegen der langen Dauer der Zahnschmerzen und den bisherigen enttäuschenden Zahnarztbesuchen gut verständlich. Und es leuchtet auch die Kritik an den früheren zahnärztlichen Arbeiten ein. Aber ob wirklich nur ein zahnärztliches Problem vorhanden ist, das fragt man sich wegen folgenden Beobachtungen:
Die psychologischen Hintergründe des Bruxismus sind individuell verschieden.
Deshalb haben die Informationen aus der Anamnese beim Bruxismus eine viel grössere Bedeutung als beim Kariesuntersuch.
Sie entscheiden zu 80%, wie die Therapie gegen den Bruxismus aussehen soll.
Nein, Bruxismus ist keine Denkstörung. Er ist ein stressbedingter motorischer Automatismus, der wenigstens im Fall von Wachbruxismus kontrolliert werden kann.
Medikamente werden nicht gerne eingenommen. Sie können den Bruxismus nicht beenden. Aber wenn ständig Schmerzen oder starke Emotionen entstehen, kann man ein Beruhigungsmittel versuchen. Da helfen zum Beispiel die SSRI. Sie müssen aber von einem Psychiater verschrieben werden. Sie wirken vielleicht erst nach ein paar Wochen, verbessern aber die Stimmung und könnten sogar Mut machen zur Physiotherapie, um die verkrampften Muskeln zu entspannen.
Wenn beim Bruxismus Zahnschmerzen entstehen, muss man dauernd an die Zähne denken. Leider kann da keine Zahnbehandlung helfen. Einen Ausweg findet man, wenn man beginnt, an andere Dinge zu denken als immer nur an die Zähne. Schliesslich sind diese ja fest, haben keine Karies und hat man kräftige Kaumuskeln. Um Umdenken zu lernen ist ein Coaching ganz ohne Zahnbehandlung zu empfehlen.
links: 56-jährige Patientin (26.01.2016 / 275) mit vielen S.
links: 63-jähriger Patient (26.01.2016 / 8718) mit Zh-Defekt
73-jährige Patientin (04.12.2025 / 8946)
37-jährige Patientin (07.02.2025 / 8794)
Anamnese: Die Patientin bekam letzten Sommer zwei Teilkronen. Da fühlte sich der Biss aber komisch an, und seit seit zwei Monaten schmerzt er beim Kauen unerträglich und kann sie sich nur noch mit Flüssigkeiten ernähren. Ihre Zahnärztin hat mehrmals eingeschliffen und meinte zuletzt, es stimme alles und sie schleife nicht weiter ein. Ein anderer Zahnarzt riet zu einer CMD-Therapie.

Therapie: Die Okklusion wurde in einer Sitzung korrigiert. Dabei durfte die Patientin jeden Arbeitsschritt vorschlagen und nachher genau prüfen, ob er sich gut anfühlt. Weil sie schon seit zwei Monaten nicht mehr kaut, war das nicht so einfach. Zuerst wollte sie den 16 aufbauen, denn er war 2−3 mm zu kurz. Dann kam auf der anderen Seite der 26. Dann wollte sie die Porzellankrone 36 verändern mit den scharfkantigen tiefen Grübchen. Zuletzt wollte ich noch bei 45 und 35 das Kauzentrum vergrössern.
Nach der Behandlung folgte eine Kauprobe mit einigen Salzstengeln. Da stellte sich heraus, dass die Patientin wieder schmerzfrei kauen konnte. Das machte ihr so viel Freude, dass sie Tränen bekam.
Arbeitszeit: 3.5 Std. Preis: 1'220 CHF
Die Patientin hat keine Schmerzen mehr. Allerdings mochte sie nach drei Tagen wieder nur weiche Sachen kauen. Denn wenn sie auf die neuen Zähne beisst, fühlen sich diese hart und wie metallene Nadeln an.
Dieses Gefühl ist die Folge der Unterfunktion des Kiefers. Denn unbelastete Zähne haben ein engeres Zahnfach (0.1 − 0.2 mm) als belastete (0.4 mm). Entsprechend sinkt ihre natürliche Beweglichkeit von 0.2 auf 0.1 mm, und ihre Funktion als Stossdämpfer ist im engen Zahnfach nur noch halb so gross wie normal. Die parodontalen Drucksensoren spüren den Kaudruck stärker, rascher und härter als in einem weiten Zahnfach.
Dieses schmerzhafte, unangenehme Kaugefühl hätte durch ein Kautraining verhindert werden können. Leider habe ich die Folgen der Unterfunktion aber erst nachher im ChatGPT gefunden:
Kieferorthopäden empfehlen, dass Kinder (solange der Unterkiefer wächst) immer wieder auch harte Nahrung (rohe Karotten etc.) essen sollen statt weiche, weil dann die Kaumuskeln und die Zunge grösser werden und so den Unterkiefer und die Zahnbögen verbreitern. Das ergibt eine schönere Zahnstellung und eine bessere Atmung.
Bruxismus und Phantombiss sind das Gegenteil der Ruheschwebe. Diese entspannte Kieferstellung soll wieder gelernt und vermehrt eingehalten werden.
Den Wachbruxismus kann man selber loswerden mit neuronalen Ankern, mit autogenem Training,
mit einer Habit Reversal-Technik und dergleichen.
Beim Schlafbruximus kann man mit Biofeedback-Sensoren die Atmung und Muskalanspannung etc. messen und dann die Schlafqualität verbessern, z.B. mit dem Garmin-Schlafcoach. Oder man kann den Schlaf auch vor dem Schlafengehen mit autogenem Training im Bett verbessern.
Gelingt das nicht, so gibt es Hilfestellungen von anderen Leuten. Bei diesen kommt es nicht so sehr auf die
Methode an, die sie verwenden, sondern vor allem auf eine vertrauensvolle Beziehung zu ihnen.
Eine gute Methode ist die Dentosophie.
Sie ist eine ganzheitliche Herangehensweise, die jeder lernen kann.
Sie hat mehr Erfolg als bloss eine Veränderung der Zähne, weil
sie auf eine einfühlsame, freundliche und einfache Weise hilft,
die Entspannung der Gesichtsmuskeln, Atmung und sogar der Körperhaltung zu üben.
Die meisten Klienten sind Kinder mit Zahnproblemen.
Und diese Methode kann auch beim Bruxismus und Phantombiss nützen.
Gelingt auch das nicht, so sind die Hintergründe zu stark. Diese kann man in einer psychotherapeutischen Behandlung herausfinden versuchen und angehen. Auch sie verfügt über spezifische Techniken zum Lernen einer neuen Denkweise. Im Krankheitsfall ist wohl eine Polysomnografie-Analyse im Schlaflabor angezeigt.
Wenn Patienten knirschen, pressen oder den ganzen Tag über immer wieder auf die Zähne beissen, dann führt dies unweigerlich zu Schmerzen. In der Nacht hilft eine Knirscherschiene (vorzugsweise eine FOS). Am Tag kann man mit der Anwendung eines neuronalen Ankers selber etwas dagegen unternehmen. Diese Methode wurde schon von vielen unserer Patienten erfolgreich angewendet.
Es werden kleine (ca. 5 mm Ø) runde Aufkleber (Kopfform) als neuronale Anker verwendet. Die Aufkleber können aber auch grösser und in der Lieblingsfarbe sein. Wichtig ist, dass eine positive Verbindung zu der zu verändernden Haltung hergestellt wird. Der Patient wird gefragt, welches Zeichen für ihn oder sie am besten wäre um die Ruheschwebe der Zähne zu symbolisieren. Zum Beispiel ein lachendes oder lächelndes Gesicht (beim Lachen sind die Zähne auseinander), oder wenn man bei geschlossenen Lippen ein o formt (die Zähne sind auseinander). Dann wird das entsprechende Gesicht auf die Kleber aufgemalt. Zwei Punkte für die Augen, eine für die Nase und dann ein o oder einen lachenden Mund.
Danach kommt die wichtige Verbindung zwischen Kleber anschauen und Wirkung. Die Patienten erfinden selber einen Satz, der sie beim Anblick des Klebers daran erinnert, die Zähne auseinander zu halten, also in der Ruheschwebe zu halten. Auf keinen Fall sollte der Satz lauten: "Zähne nicht zusammenbeissen". Das letzte Wort ist auschlaggebend für den erwünschten Gedanken. Also besser ist: "Zähne offen lassen" oder einfach "lächeln".
Nun kommt die Instruktion, mehrere dieser Kleber zu basteln und überall dort zu platzieren, wo man oft hinschaut. Also mindestens: auf die Uhr, das Handy, den PC, Fernbedienung, Kühlschrank, an den Spiegel im Badezimmer/WC, Lenkrad usw. Je mehr, desto wirkungsvoller.
Wenn die Patienten also z.B. auf das Handy schauen und den Kleber bewusst (mit der Zeit unbewusst) sehen und an den Satz „lächeln“ oder „Zähne offen lassen“ erinnert werden, dann wird ihnen bewusst gemacht, dass sich die Zähne in der Ruheschwebe befinden sollen und sie machen es sogleich. Je öfter, sie also daran erinnert werden, desto wirkungsvoller ist es.
Eine Veränderung kann mehrere Wochen dauern. Ein Patient machte den Vorschlag: wenn ich mich an die grünen Kleber gewöhnt habe, dann kaufe ich orange Kleber, damit sie den Effekt weiter herbeiführen können.
| 1. Früh bemerken | War es Stress, im Auto, Ärger, oder sonst eine Anspannung am PC/EMail? |
| 2. Kiefer lösen | Unterkiefer locker hängen lassen, Zunge locker an den Gaumen legen, Lippen sanft aufeinander legen. |
| 3. Ausatmen und Schultern senken | Und lob dich für jedes rechtzeitige Bemerken und Neu-Reagieren. Stichwort: 'locker lassen' |
| 4. Weitermachen | Auch zuhause anwenden, an der Arbeit, bei anderem Stress, in Gesprächen usw. |
Das Training für die Ruhelage braucht einige Wochen Übung.
Ein heisser Umschlag auf der schmerzen Wange verbessert die Durchblutung und vermindert den Schmerz sofort auf eine wohltuende Weise.
Einen Korkzapfen über die schmerzende Wange rollen tut gut und massiert den Kaumuskel.
Kaugummi-Verbot: Der Kaugummi trainiert die Kaumuskeln, statt dass diese ruhig bleiben. Er ist wie ein Trigger, der das Kauen auslöst und die Ruheschwebe verhindert.
Magnesium beruhigt die Muskulatur. Bedenke: Stress, Zucker und Koffein erhöhen den Magnesiumbedarf.
Medikamente: kurzfristig können Schmerzmittel und Muskelrelaxantien eingenommen werden. Aber langfristig sind die obigen Techniken besser als Medikamente.
Botox-Injektionen wirken zwei bis drei Monate, dann muss man sie wiederholen.
Die FOS-Schiene stoppt den Bruxismus sofort. Sie ist rechts im Bild sichtbar (gelblich) und hält die hinteren Zähne auseinander. Nun befinden sie sich "in der Ruheschwebe", ob man will oder nicht, und können sich erholen.

Ein guter Ratgeber gegen Muskelverkrampfungen und Knirschen ist hier: www.liebscher-bracht
Auch eine Knirscherschiene kann ein Trigger werden (obwohl sie das Knirschen verhindert,
fördert sie manchmal das Pressen),
der Druckknopf eines Kugelschreibers, ein störender Zahnhöcker, ein Fingernagel,
eine Rauhigkeit auf einer Kaufläche, eine Hautschuppe auf der Lippe usw.
Bei Kindern mit vorstehenden Zähnen kann ein
Bad habit entstehen, wenn sie mit der Unterlippe
die oberen Frontzähne nach vorne schieben oder am Daumen lutschen. So kann sich der Zahnbogen verformen.
Es gibt zahlreiche Apps und Hilfsmittel, Kurse, Fortbildungen und Therapien gegen schlechte Gewohnheiten jeglicher Art.

Die Uhr registriert die Schlafphasen und hat ein Schlafprotokoll, einen Schlafcoach und viele weitere Funktionen. Bruxismus findet vor allem im Leichtschlaf in den Arousal-Phasen statt.
Ein Schema der Schlafphasen Wach/REM/Leicht/Tief ist hier.
Mögliche Ursache des Bruxismus ist eine Schlafapnoe. Deshalb kann eine Unterkieferprotrusionsschiene den Bruxismus vermindern und den Schlaf verbessern.
Schnarchschiene Narval CC von Resmed
Bei der Dentosophie muss man keine Angst vor einer Zahnbehandlung oder vor einer tiefgreifenden Psychoanalyse haben. Damit sich der M. masseter und der M. temporalis entspannen lernen, muss man vielleicht eine bessere Körperhaltung und Atmung zu angewöhnen.
In der Schweiz ist gewiss die Praxis von Frau Dr. med. dent. Susanna Leu
in Bern zu empfehlen. Sie hat das Buch von Michel Montaud übersetzt, dem Gründer der Dentosophie.
Weitere Dentosophie-Therapeuten finden sich bei Dentosophie Schweiz.
In Deutschland möchte ich besonders Frau
Hilda Miryam Loewenstein
in Frankfurt empfehlen.
Sie kann bei ihren Klienten nach wenigen Wochen beobachten, dass die Entspannung der Kaumuskeln eine
Diskus-Dekompression
bewirkt, und zwar daran, dass die
oberen und unteren Molaren sich nicht mehr ganz berühren.
Dieses Phänomen verschwindet in den folgenden 3-6 Monaten automatisch von selber dank der
Elongation der Zähne.
Weitere Dentosophie-Therapeuten finden sich bei Dentosophie Deutschland.
Die Psychotherapie sucht die Ursachen des Bruxismus, macht sie dann bewusst und findet eine entsprechende Therapie zur Verhaltensänderung. Dabei sind allerdings die Sympathie zum Psychotherapeuten und die Angstfreiheit vor ihm entscheidend für den Erfolg. Die Suche geschieht mit einer Gesprächsanalyse (Fragen nach wiederkehrenden Problemen, Gefühlen usw.), Assoziationstechniken und evt. auch mit einer Traumdeutung. Die Ursachen sind verborgen und persönlich. Vielfach sind es Erfahrungen in der Kindheit, Angst, Ehrgeiz, hoher Leistungsdruck, Stress, ein Kontrollwahn, sogar auch Langeweile und Freude an Arztbesuchen usw. Durch die Bewusstmachung und durch das Verstehen des Zusammenhangs zum Bruxismus wird dann eine Bearbeitung möglich und ein neues Verhalten eingeübt. Dieses ist tiefenpsychologisch, kognitiv oder eher somatisch orientiert.
Kognitiv sind ERP-Techniken. Da hält man zum Beispiel die Zungenspitze 5 Sekunden lang an das Gaumendach. Dabei sind die Zähne ein wenig auseinander und bleiben die Lippen geschlossen. Danach kontrolliert man, ob alles gut gegangen ist. Diese Kontrolle der Harmlosigkeit der gebogenen Zungenspitze wiederholt man jede halbe Stunde. Die Absicht ist, sich so den Beissreflex abzugewöhnen.
Somatisch sind TRE-Techniken, die Progressive Muskelentspannung, Feldenkrais, physiotherapeutische Übungen, usw.
Die Dentosophie hilft mit einer weichen Balancer-Schiene, die Kaumuskeln, Lippen und Zunge zu entspannen. Dazu gehören auch Atem-, Kau- und Schluckübungen. Diese verbessern sogar die Körperhaltung. Die Gefühle bei den Übungen und die dabei gespürten körperlichen Veränderungen kann man natürlich am besten in einer angstfreien Umgebung, ohne Manipulationen im Mund und ohne tiefgreifende psychologische Analysen sich bewusst machen und besprechen.
Diskus-Kompression Diskus-Dekompression
Eine dentosophische Balancer-Schiene

Indikation: Wenn ein Zahn kein Loch und auch sonst keinen Schaden hat, kann er trotzdem stören, weil er zu klein oder zu gross ist. Je nachdem kann man nur noch einseitig kauen, klemmt es Speisereste ein, entsteht ein Kiefergelenksschmerz, wird ein Zahn kaltempfindlich oder bricht er ab.
Da sollte man höchstens minimal einschleifen um das Gefühl im Moment zu verändern. 1/100 mm genügt bereits! Es dauert aber wahrscheinlich nicht lange, bis wieder ein Zahnkontakt stört.
Ansetzen Beim Heavy Biter kann man das Kauzentrum korrigieren um Kiefergelenkskopression zu verhindern. Beim PBS darf man nur minimal fehlende Kontakte im Kauzentrum mit Komposit herstellen. Denn auch diese werden bald stören, wenn der Patient weiterhin Bisskrontollen macht.
Bewusste Ruheschwebe Der Patient sollte nach diesen Behandlungen die Zähne immer wieder leicht auseinander, die Lippen geschlossen und die Muskeln locker halten. So kann er die Bisskontrollen für 30 Sekunden unterbrechen.

50-jährige Patientin (09.12.2025 / 8956)
Anamnese: Die Patientin spürte schon vor Jahren manchmal, wenn sie an dieser Stelle fest z. B. auf ein Korn gebissen hat, kurze einschießende Schmerzen.
Ihre Zahnärztin meinte, sie knirsche und man müsse den Zahn ziehen. Die Patientin selber hat aber nicht das Gefühl, das sie knirscht. Und ihre Zähne sind überdurchschnittlich gesund und haben lediglich in paar wenige kleine Füllungen.
Die schmerzhaften und wohl eher kraftvollen Belastungen haben zur Fraktur geführt. Schuld war ein interkuspidaler Nahkontakt zwischen dem palatinalen Höcker und dem Gegenzahn (Hyperbalance).

vorher - nachher anzeigen
62-jähriger Patient (17.12.2025 / 3074)
Anamnese: Der Patient hatte vor vier Jahren einen zentralen Riss unter der Amalgamfüllung von +7.
Nun ist er gekommen, weil er einen beginnenden Riss beim Zahn -6 beobachtet hat.
Die Schlifffacette auf dem Weisheitszähnen zeigt einen Bruxismus an.

vorher - nachher anzeigen
24-jähriger Patient (17.11.2025 / 8888)
Anamnese: Der Patient musste wegen einer kieferorthopädischen Behandlung 4+4 ziehen und 765+567 nach vorne verschieben lassen. Deshalb ist eine Minderbelastung des Kauzentrums 6-6 entstanden. Um besser kauen zu können, hat er nur noch links gebissen. Dabei ist aber +7 elongiert und ein Vorkontakt auf +-7 entstanden, der ihn störte. Er hat deshalb schon fünf verschiedene Knirscherschienen erhalten.
Therapie: Die mesialen Höcker des Zahnes 6- konnten ganz einfach mit Komposit erhöht werden.
Das Kaugefühl war dann sofort besser.
In der nächsten Sitzung wird auch noch der Zahn 5- erhöht, um das Kauzentrum noch etwas mehr zu vergrössern.
Vorbehalt: das Kaugefühl ist gut geblieben.
Der Bruxismus verursacht Abnützungen und Frakturen bei den Zähnen, Füllungen, Kronen, Brücken und Implantaten. Sie sind schwieriger zu behandeln als Karies. Denn die Abnützungen machen manchmal eine Bisserhöhung nötig, die mit Komposit als schwierig angesehen wird, mit Porzellankronen aber sehr teuer werden kann. Und die Frakturen haben oft den Anschein eines technischen Misserfolgs und gelten dann als ein Fehler des Zahnarztes. Muss der Patient trotzdem wieder bezahlen?
Hier werden einige Fälle gezeigt, bei denen ein Zahn oder Zahnersatz durch eine grosse Krafteinwirkung beschädigt worden ist und die Reparatur trotz Bruxismus mit Komposit erfolgt.

74-jährige Patientin (03.10.2024 / 7938)
Bei diesem Fall besteht das Kauzentrum aus den Implantat 3-i, den vier schwächsten Zähnen 21-12 und einem wurzelbehandelten Eckzahn -3. Diese beissen und kauen gegen eine lange Kompositbrücke mit Drahtverstärkungen (siehe hier)
Nach einem Jahr ist beim Implantat +2i die Kompositfacette abgesplittert. Komposit klebt halt nicht am metallenen Implantat-Sekundärteil. Deshalb wurde die Haftung mit einem zusätzlichen queren Draht und mit einem um Draht und Implantat herumgewickelten Ligaturendraht verbessert.

Der Patient wollte einen schöneren Zahn vor Weihnachten. Dann das Porzellan war von der Krone abgebrochen. Er hatte keine Schmerzen. Obwohl der Zahnhalsdefekt tiefer war als der Wurzelkanal!


79-jährige Patientin (10.07.2025 / 6563)
Das kräftige Beissen hat trotz einer Knirscherschiene diesen Prämolar beim Zahnhals querfrakturiert obwohl er vital und kariesfrei ist.
Porzellan- und Goldkronen sind nicht elastisch wie die Zähne sondern starr, so dass sich die Querkräfte alle am Kronenrand beim Zahnhals auswirken. Dieser Zahnhals hat den Querkräften gewiss 30 Jahre lang stand gehalten.

72-jähriger Patient (06.01.2025 / 8010)
Dies ist ein wurzelbehandelter Prämolar mit einer Porzellankrone. Er ist ebenfalls kariesfrei. Aber wegen der Wurzelfüllung bricht er schneller ab als ein Zahn mit lebendem Nerv.
Man bedenke: ein Bruxismus dauert jahrzehntelang. Es entstehen also sehr viele Überlastungen. Aber im hohen Alter können dann solche Frakturen entstehen.

Es ist eine eigene Kunst, Porzellankronen mit Komposit zu reparieren. Dazu kann man wie in diesem Fall das Porzellan mit vielen mechanisch wirkenden Retentionsrillen aufrauhen. Diese sind nötig, weil das Komposit am Porzellan nicht so gut klebt.

85-jährige Patientin (30.06.2025 / 1259)
Bruxismus, Zigaretten und die schwierige Mundhygiene sind schuld an den Misserfolgen.