W. Weilenmann
Dr. med. dent.
Walter Weilenmann
eidg. dipl. Zahnarzt
dipl. Natw. ETH

Mitglied SSO, SSGS
und SSO-Zürich.

Demenz: Ursachen, Verlauf und Pflege

Demenz ist eine Neurodegeneration des Gehirns. Die Ursachen sind multifaktoriell. Dazu gehören vor allem Nervenverklumpungen wegen Eiweissablagerungen. Gut darstellbar sind Entzündungen und Substanzverluste im Gehirn. Neuerdings vermutet man eine spezielle Art von Diabetes, Mikroinfarkte und sogar Mundbakterien. Deshalb ist eine gute Mundhygiene ein verständliches Anliegen der Pflege. Allerdings ist die Hauptursache wohl ein altersbedingter Abbau des Gehirns, der durch einen chronischen Stress und einen ungesunden Lebensstil verstärkt wird. Daraus ergeben sich die pflegerischen Motive der basalen Stimulation und Validation.

Im Frühling 2026 wurde ich gebeten, einen Vortrag für die Prophylaxe-Assistentinnen des SVPA zum Thema „Keine Zahnschmerzen in der fortgeschrittenen Demenz“ zu halten. Insbesondere möchten sie wissen, ob ein dementer Mensch die Zahnschmerzen gleich früh bemerkt wie ein gesunder Mensch, wie sinnvoll eine Zahnbehandlung bei ihm ist und was ausserdem noch möglich ist. Weil ich im Demenzheim Sonnweid zwanzig Jahre lang kein einziges Mal einen zahnärztlichen Notfall behandeln musste oder bei den Patienten trotz ihren schlechten Zähnen eine Schwellung im Mund gesehen habe, schrieb ich 2010 ein entsprechendes Informationsblatt in der Zeitschrift PARTIcipation.

Bei der Vorbereitung dieses Vortrages ist mir aufgefallen, dass man heute dank ChatGPT jeder das weltweite Wissen zur Demenz sofort und bequem zuhause konsultieren kann. Allerdings finden sich eigentlich keine weiteren konkreten Beispiele zu Zahnbehandlungen bei fortgeschrittener Demenz (Handout zum Vortrag). Die beiden Bilder zur Appetitlosigkeit und zum Bewegungsdrang wurden mit ChatGPT erstellt.

Aus dem Demenzheim Sonnweid von
Michael Schmieder:

2015: Dement, aber nicht bescheuert
2024: Dement, aber nicht vergessen

Verhütung

Die Alzheimer Forschung erwähnt diese Mittel als die besten gegen Demenz:

  • Bewegung: Treppen statt Aufzug, kleine Spaziergänge zwischendurch
  • Geistig aktiv bleiben: Jeden Tag mindestens 15–30 Min. neue Informationen aufnehmen
  • Soziale Kontakte pflegen: Regelmäßig Gespräche, Vereine, Gruppenaktivitäten
  • Gesunde Ernährung: Mediterran, viel Gemüse/Obst, Nüsse, wenig rotes Fleisch
  • Schlaf: 7–8 Stunden, da Schlaf die Gedächtnisbildung fördert
  • Stress reduzieren: Meditation, Atemübungen, Hobbys

Die medizischen Gründe der hohen japanischen Lebenserwartung sind unter anderem:

  • gute medizinische Versorgung,
  • viel Bewegung im Alltag,
  • traditionelle Ernährung mit Fisch und Gemüse und ohne viel Zucker (bei uns "Mittelmeerkost")
  • relativ geringe Fettleibigkeit, und
  • starke soziale Einbindung älterer Menschen.

Der kulturelle Grund der niedrigen Demenzrate in Japan ist das Ikigai. Ikigai bedeutet "Lebenssinn" oder "wofür es sich zu leben lohnt" und verändert seine konkreten Umstände im Laufe der Lebensphasen und Zeiten. Das Ziel ist, zugleich gesund und glücklich zu sein.

Gemäss Ken Mogi basiert Ikigai auf:

  • Klein anfangen,
  • loslassen lernen,
  • Harmonie und Nachhaltigkeit leben,
  • die Freude an kleinen Dingen entdecken,
  • im Hier und Jetzt sein.
Das Gehirn wie einen Muskel trainieren

In jedem Alter kann man das Gehirn trainieren. Wenn man eine neue Sprache oder ein Musikinstrument übt, neue Aufgaben anpackt oder etwas Neues und nicht nur Routinearbeiten macht.

Die fünf Prinzipien des Ikigai gemäss Ken Mogi:

ikigai
klein hier +jetzt los- lassen Freude Ikigai Harmonie

Prävalenz und Ursachen

Wieviel Demenz gibt es?
SchweizDeutschlandItalienJapan global
Einwohner8 Mio.80 Mio.59 Mio.122 Mio. 8300 Mio.
Lebenserwartung (M-F)84 ± 280 ± 283 ± 285 ± 374 ± 2
Durchschn. Alter > 6574.575.57677.574
Anzahl > 651.6 Mio.
20%
19.2 Mio.
24%
14 Mio.
25%
40 Mio.
30%
830 Mio.
10%
davon erwerbstätig192'000
12%
2.5 Mio.
13%
1.4 Mio.
10%
10.1 Mio.
25.2%
56 Mio.
6%
davon dement160'000
10%
1.8 Mio
9%
1.5 Mio.
11%
6 Mio.
 15% 
56 Mio.
6%

Es gibt noch kein Mittel gegen Demenz. Deshalb nimmt das Demenzrisiko laufend zu. Weil Frauen eine höhere Lebenserwartung haben als Männer, sind sie mehr betroffen. Je nach der Lebensweise ist das Demenzrisiko verschieden gross.

Japan hat die höchste Lebenserwartung (85 ± 3 Jahre) und deshalb am meisten Demenzkranke. Aber Japans Prävalenz der 85-Jährigen (15% ) ist die kleinste. Sie liegt 5% unter der globalen (20% ).

Globale Prävalenz Demenzrisiko bei Frauen Demenzrisiko bei Männern Prävalenz in Prozent % 40 30 20 10 0 60 65 70 75 80 85 90 Globale Prävalenz bei 80-Jährigen: 10% Globale Prävalenz bei 85-Jährigen: 20% Globale Prävalenz bei 90-Jährigen: 35% Japans Prävalenz bei 85-Jährigen: 15%

Die Ursachen sind körperlich und geistig

Früher sprach man einfach von "Altersvergesslichkeit". Und heute gibt über 100 verschiedene Diagnosen, die mit Demenz und ihren Mischformen gestellt werden. Bei den meisten überwiegt die nervliche Degeneration im limbischen Cortex, weswegen viele Erinnerungen verloren gehen. Und viele sind eher Störungen der Blutversorgung im Grosshirn, die das Denken und Entscheiden beeinträchtigen.

Demenz beginnt bei 10-20% der über 60-Jährigen, manchmal auch erst mit 90 Jahren. Etwa 30% aller 90-Jährigen haben eine Demenz.
Chronischer Stress, Depression, Bewegungsmangel, wenig Denken, soziale Isolation, schlechte Ernährung, Bluthochdruck, Diabetes, Hörverlust, schlechter Schlaf. Diese Risikofaktoren wirken schon 20 Jahre vor dem Ausbruch der Demenz.
Die Amyloid-β-Oligomere der Membranproteine lagern sich in den Synapsen an und entzünden die Mikroglia des Immunsystems, und deren Tau-Proteine hyperphosphorylieren die intrazellulären Fibrillen, dies alles meistens zuerst im Hippocampus.
Neuronen und Synapsen degenerieren und verfetten wegen Amyloid-β, TAU-Proteinen, LEWY-Körperchen und Mikroblutungen.
Eine Insulinresistenz im Gehirn hemmt den Zuckerabbau.
Die chronische Entzündung der Mikroglia verursachen eine Neuroinflammation und Neuronenschäden.
Bluthochdruck und Mikroinfarkte verschlechtern die Durchblutung.
Familiäre Häufung z.B. bei frontotemporaler Demenz.
Im Gehirn von dementen Patienten wurde neuerdings das Mundbakterium Porphyromonas gingivalis gefunden (Mark I. Ryder: The Link Between Periodontitis and Alzheimer's Desease).

Limbischer Cortex

Limbischer Cortex
Gyrus cinguli (Empathie u.a.)
Hippocampus (Erinnerungen u.a.)
Amygdala (Angst, Freude u.a.)
↕↕
Verbindung mit den Kaumuskeln,
Zähnen und Kiefergelenken

Grosshirn

Grosshirn
PFC=Präfrontalcortex (Bewusstsein)

Das Kausystem im Alter

Alterung des Gehirns

Wegen neurodegenerativen und fibrotischen Alterungsprozessen nehmen im Gehirn die Neurotransmitter und die Zahl der Synapsen ab. Dadurch werden die Reaktionen langsamer, nimmt die sensorische Empfindlichkeit ab (zum Beispiel im Gehör) und werden auch die Emotionen etwas gedämpft. Deshalb sind ältere Menschen oft zufriedener als junge.

  • Diese Alterungsvorgänge sind ein Schutz vor emotionalen Überreaktionen,
    Stress und übertriebenen Schmerzerwartungen.

Abnahme des Bruxismus im Alter

Der Bruxismus ist eine limbische Verkrampfung des Kausystems bei etwa 30% der Menschen. Er ist stressbedingt und erzeugt Zahnschmerzen, weshalb die Betroffenen einen Zahnarzttermin abmachen. Dabei werden die überlasteten Zähne eingeschliffen, also um einen minimalen Betrag verkleinert, so dass sie weniger belastet werden. Der Schmerz wird dann wegen der Minderbelastung kleiner.

Frauen bruxen mehr als Männer, und ab 60 nehmen bei beiden die Einschleif-Termine stetig ab.

  • Die Abnahme des Bruxismus im Alter entsteht, weil sich ab 60 im Gehirn Gliazellen zum Schutz vor den emotionalen Überreaktionen bilden.

Alterung der Zahnnerven

Die Zahnnerven altern wegen der Obliteration schneller als alle anderen Nerven. Sie bilden sich zurück und spüren häufig schon mit 80 Jahren kalt und warm nicht mehr und auch keinen Schmerz bei Karies und beim Bohren.

  • Die Obliteration vermindert auch die Vermehrung der Bakterien in den kariösen Zähnen und somit auch die Bildung von Granulomen und Abszessen.
Alterung des Gehirns
Alterung des Gehirns
durch Abbau von Synapsen

Einschleifen
Einschleif-Termine
Abnahme des Bruxismus im Alter
Frauen
Männer
20  30  40  50  60  70  80  90
200
150
100
 50
 0

Obliteration
Alterung der Pulpa
durch Obliteration


Einfluss von Medikamenten

23Polypharmazie_8261.jpg
Die Nebenwirkungen dieser 17 täglich einzunehmenden Medikamente kann ein Arzt nicht voraussehen, sondern nur durch Beobachtungen der Reaktionen des Patienten bemerken. Es sind
  • 2 für die Augen und Haut
  • 3 gegen Schmerzen
  • 4 Psychopharmaka
  • 4 Magen/Darm/Verstopfung/Durchfall
  • 4 Blutdruck/Antibiotikum/Antihistamin/Diuretika

Polypharmazie + Nebenwirkungen

Medikamente haben eine beabsichtigte chemische Wirkung. Aber sie stimulieren den Cortex nicht und bewirken keinen Lerneffekt. Zudem verändert die Demenz den Stoffwechsel im Gehirn. Deshalb verursachen Medikamente bei Dementen oft unerwartete Nebenwirkungen wie starke Angst und Muskelverkrampfungen.

Eine typische Polypharmazie entsteht, wenn man wegen Schmerzen Opiate einnimmt und diese eine Verstopfung verursachen. Deshalb braucht man noch ein Abführmittel. Aber die Wirkungen und Nebenwirkungen dieser Medikamente sind wegen den dementiellen Veränderungen im Gehirn individuell und sehr verschieden.

2015 hat ein Ärzteteam die Pflege der Sonnweid übernommen. Sofort wurden etliche moderne Medikamente eingeführt. Keines kann die Demenz heilen, und sie dienen meistens der Beruhigung der Bewohner. Hier ein Beispiel:

85-jährige Patientin (25.05.2023 / 8261)

Die Tochter der Patientin hat sich die Mühe gemacht, die Namen der 17 Medikamtente aufzuschreiben, die ihre Mutter jeden Tag bekommt.

Dies ist die Seite 5 von 5 der Liste der Dauermedi­kamente der Patientin. Die Liste wurde anlässlich einer Zahnbehandlung aus dem elektronischen Patientendossier für den Zahnarzt ausgedruckt. Aber niemand kann die Nebenwirkungen durch­schauen und verstehen, weil die biochemischen und strukturelleln Veränderungen im Gehirn je nach Ursache und Stadium unsichtbar und sehr verschieden sind.

Dauermedikamente

Vier Formen und drei Demenzstadien

Die vier Demenzformen

31VierFormen.jpg

Leitsymptome der Demenzformen


Alzheimer (60-70%)

Störung des Kurzzeitgedächtnisses, Probleme beim Lernen und Benennen von Gegenständen, Zeit und Ort. Die Pflege ist relativ einfach.

Vaskuläre Demenz (15-20%)

Plötzlicher Beginn. Oft Lähmung von Arm oder Bein, erschwerte Orientierung, Denken, Erinnern, Sprechen und/oder Sehen sind betroffen, auch mit Schwindel oder Inkontinenz.

Lewy-Körperchen-Demenz (5%)

Phasen mit visuellen Halluzinationen und Bewegungslosigkeit, Unaufmerksamkeit, wenig Leistungsfähigkeit und Zerstreutheit.

Frontotemporale Demenz (5%)

Das Gedächtnis bleibt anfangs intakt, aber es verschwinden die Vernunft, Anstand und Kooperation. Die Sprache wird laut, taktlos und zuletzt unverständlich. Ratlosigkeit oder Impulsivität, Reizbarkeit oder Aggression nehmen zu. Die Pflege ist schwierig, weshalb Beruhigungsmittel eingesetzt werden.

Mischdemenz (sehr häufig)

Meistens ist Alzheimer mit kleinen Schlaganfällen oder Lewy-Körperchen kombiniert.


Die drei Demenzstadien


Frühes Stadium (Ort- und Zeitverwirrtheit)

Die Betroffenen sind noch selbständig und arbeitsfähig, aber eine gewisse Vergesslichkeit nimmt zu und sie können sich nicht mehr lange konzentrieren. In einem Gespräch mit alten Bekannten fällt nichts auf, aber bei aktuellen Themen oder bei fremden Gesprächspartnern fallen Wissenslücken und Ratlosigkeit auf. Mit der Zeit vergessen sie, wie man den PC oder Fernseher bedient und dass es diese Geräte gibt. Sie verwechseln nun auch manchmal den Kühlschrank mit dem Geschirrkasten oder versorgen den Hausschlüssel im Briefkasten.
Auch das Autofahren wird jetzt aufgegeben, eventuell bereits wegen einem leichten Unfall. Die Patienten sind durchaus noch fähig, gemeinsam mit anderen Menschen zu kochen, zu essen und zusammen zu wohnen. In der Sonnweid leben sie in Wohngruppen und nehmen Teil an gemeinsamen Tätigkeiten wie zum Beispiel beim Ausdrucksmalen, mit Therapiehunden, am Tanznachmittag u.v.m.
• Die Mundhygiene wird mangelhaft, so dass dicke Beläge in den Zahnzwischenräumen liegen bleiben. Und was ihnen noch nie passiert ist: bei der Zahnkontrolle finden sich plötzlich mehrere kariöse Läsionen zwischen den Frontzähnen.

Mittleres Stadium (Wiederholen gleicher Bewegungen)

Nun brauchen die Patienten eine Ganztagespflege wegen der Sturzgefahr und Orientierungslosigkeit, für die Toilette usw. Sie sind inkontinent und sprechen nur noch einzelne Worte. Mit der Zeit erkennen sie nicht mehr alle ihre Familienmitglieder. Vielfach befällt sie ein Bewegungsdrang, auch mitten in der Nacht, um zur Familie oder zur Arbeit zu gehen.
• Die Zahnkontrolle wird ohne Anteilnahme geduldet oder angstvoll abgewehrt. Nur einfache Zahnbehandlungen wie eine Extraktion am Bett sind möglich, am besten zu Beginn der Schlafenszeit und kurz nach Abgabe von Dormicum.

Spätes Stadium (Vegetieren)

Nun liegen die Patienten meistens bewegungslos im Bett. Ihr Sprachschatz ist verschwunden oder besteht nur noch aus einzelnen Worten wie "Ja" oder "Nein". Sie beobachten andere Menschen häufig skeptisch, ängstlich oder gar feindselig, und entsprechend vorsichtig muss man sich ihnen nähern. Ohne Hilfe können sie oft nicht mehr richtig essen oder schlucken. Zur Hilfe beim Essen muss ein Pfleger basale Stimulationen, Kinästhesie, Logopädie, Dysphagie-Management und Biografiearbeit anwenden. Die Dysphagie ist

- oral (das Essen wird minutenlang im Mund behalten),
- pharyngeal (Kehlkopf bleibt offen und Essen rutscht in die Luftröhre) und/oder
- ösophageal (die Speiseröhre schiebt das Essen nicht zum Magen hinunter).
• Die Karies und Parodontitis sind jetzt unvermeidbar. Weil Süsses am längsten wahrgenommen wird und bis zuletzt den Schluckreiz anregt, wird oft Apfelmus in die Löffelnahrung beigemischt. Die Zahnbürste wird instinktiv sehr kraftvoll abgewehrt. Die Masseter sind und bleiben die stärksten Muskeln des Körpers.

Der Uhrentest macht das Demenzstadium auf einfache Weise ersichtlich.

Uhrentest
Frühes Stadium
Mittleres Stadium
Spätes Stadium

Mini-Mental-Status-Test

Beim MMST-Test stellt man dem Patienten standardmässig eine Serie gewisser Fragen dieser Art:

Orientierung Welches Datum/Wochentag ist heute?
In welchem Kanton/Pflegeheim sind wir hier?
Merkfähigkeit Können Sie die drei Worte "Apfel, Rappen, Tisch" wiederholen?
Rechentest Was gibt 100 - 7?
Erinnerungsfähigkeit Welche drei Worte haben Sie sich vorhin gemerkt?
Sprache Was ist das (eine Armbanduhr/Bleistift)?

Die richtigen Antworten werden gezählt, und je nach dem Resultat wird der Demenzgrad abgeschätzt.

Welche Jahreszeit haben wir jetzt?

Der MMST-Test wird oft nur ansatzweise angewendet, zum Beispiel so:

Sie bitten den Patienten, einmal aus dem Fenster zu schauen und Ihnen zu sagen, welche Jahreszeit es jetzt ist.
Bei einer mittleren Demenz sind die Betroffenen nicht in der Lage, die richtige Jahreszeit zu nennen.


Dementieller Verfall des Kausystems

Verlust des Schmerzgedächtnisses

Wer das Schmerzgedächtnis verliert, der

  • erwartet weniger Schmerzen,
  • befürchtet weniger Schmerzen,
  • verstärkt kognitiv weniger Schmerzen, und
  • erinnert sich weniger an Schmerzen.

Wohl jeder gesunde Mensch würde bei einer wackelnden Porzellanbrücke monatelang Sorgen, Ängste und Schmerzen empfinden und nicht mehr richtig essen können. Dies ganz im Gegensatz zur nebenstehend abgebildeten dementen Patientin.

Das funktionierende Schmerzgedächtnis kann sogar bei harmlosen Vorkommnissen blitzschnell Schmerzgefühle verursachen. So zum Beispiel, wenn der Zahnarzt mit der Nadelspitze aus Versehen die Lippe des Patienten berührt und der Patient deswegen zusammenzuckt. Hat es ihn geschmerzt oder hat er nur so getan?

Dieser Schmerz hat nichts mit Einbildung, Überempfindlichkeit oder mangelnder Willenskraft zu tun, sondern er ist eine Leistung des limbischen Cortex und messbare Erregung von Schmerz-Neuronen. Wenn das Denken über längere Zeit angstvoll auf eine Gefahr eingestellt bleibt, kann es sogar neutrale Reize als bedeutsam und als Schmerz bewerten, besonders, wenn noch eine Hypervigilanz (hohes Misstrauen) besteht. Dann kann man zum Beispiel "ein Elend nicht mit ansehen".

Kein Schmerz bei Zahnausfall

luxierte Wurzel

Diese Patientin der Sonnweid hat vor dem Mittagessen ihre Porzellan­brücke samt Wurzel aus ihrem Mund genommen und neben ihren Teller gelegt, ohne Emotion und ohne dass es jemand erwartet hat, und hat dann gemütlich mittaggegessen. Nur ist jetzt die linke Wangen­seite etwas eingefallen.


Sozialer Leidensdruck wegen Frontzähnen

Die Frontzähne sind nach den Augen das zweitwichtigste Merkmal, das in einem Gesicht betrachtet wird. Sie signalisieren Gesundheit, Jugend und Vitalität, Kraft und Macht und bewirken eine soziale Akzeptanz. Menschen werden mehr beachtet, wenn sie schöne Frontzähne haben.

Diese 60-jährige Patientin (13.05.2026 / 8963) wollte unbedingt ihre beiden Frontzähne wieder so lange haben wie sie früher waren. Deshalb hat sie eine Verschönerung mit Komposit gewünscht. Beide Zähne waren fest, und sie konnte mit ihnen alles schmerzlos abbeissen. Trotzdem war der Leidensdruck erheblich. Das Resultat hat sie so sehr gefreut, dass sie nach der Behandlung gleich auch noch den seitlichen Schneidezahn verschönern lassen wollte.

43Frontzaehne8963_7235.jpg

Keine Scham wegen Karies

Diese 73-jährige Patientin (18.03.2017 / 7235) beachtet ihre Frontzähne nicht mehr und spürt keinen Leidensdruck ab deren Aussehen. Wahrscheinlich ist ihr soziales Kontrollzentrum im Präfrontalkortex inaktiv geworden.

Allerdings sind ihre Angehörigen sehr erschrocken und wünschten eine Behandlung (siehe unten).

Defekte Frontzaehne


Appetitlosigkeit

44Appetitlosigkeit.jpg

Kein Hunger mehr

Dieser Patient wollte nicht mehr essen. Hatte er Schluckbeschwerden oder Zahnschmerzen? Oder ist das Hungerzentrum im Hypothalamus inaktiv geworden?
Das Rätsel löste sich, als sich eine Pflegerin daran erinnerte, dass er aus einer sehr frommen Familie stammt, in der vor jeder Mahlzeit gebetet worden war. Setzte sich nun jemand neben ihn an den Tisch und faltete die Hände, tat er es auch und konnte dann wieder normal essen.

Schwierige Diagnose

Die Körpersprache signalisiert Schmerzen durch
  - Appetitlosigkeit,
  - Abwehr der Pflege,
  - Grimassieren,
  - Schlafstörungen,
  - Schreien,
  - Rückzug,
  - veränderte Mimik,
  - Muskelspannung,
  - Unruhe usw.

Allerdings ist es immer schwierig herauszufinden, ob sich das Verhalten wegen Schmerzen oder einer dementiellen Denkstörung verändert.


Amygdala-Hijack mit Aggression und Angst

45AmygdalaHijack.jpg

Angstvolle Patientin Diese Patientin wird überfordert, weil mehrere Menschen in ihr Zimmer gekommen sind, die sie nicht erkennt. Die Zähne zeigen eine Kampfbereitschaft, ihr Zurückweichen an die Wand zeigt Angst.


Emotionale Überreaktionen

In der fortgeschrittenen Demenz können sich die Grundemotionen der Amygdala (Wut, Flucht und Angst) sehr deutlich zeigen, weil der besänftigende Einfluss des Grosshirns erloschen ist.

Bei bis zu 40% der Heimbewohner entstehen deswegen Muskelver­krampfungen an Schultern/Nacken/Kiefer (Wach­bruxismus), an Fäusten, Armen oder Beinen und am Rumpf.


Amygdala-Hijack mit Wut

Wutausbruch

 Kurz vor Wutausbruch?

In der Demenz entste­hen häufig emotionale Überreaktionen nach kleinen Änderungen, weil man diese nicht verstehen kann. Die Betroffenen werden dann wütig, starrköp­fig, verwirrt, be­schämt oder aggressiv usw.

Ein Pfleger kann jetzt versuchen, den Pro­test zu wertschätzen und in kurzen Sätzen Anteil zu zeigen mit „Ja, das regt einen auf.“ oder „Du machst dir Sorgen, was?“. Analoge Validationen sind auch ein grosses Thema in der Erziehung von Kleinkindern.


Leichte Demenz: Wohngruppe

61StressLevel.jpg
Skala Arbeitsreiz
  • 0: kein Reiz: keine Ausweichbewegung
  • 1: Klopfen auf gesunden Zahn
  • 2: Anästhesie Stich nach Salbe
  • 3: Anästhesie Stich ohne Salbe
  • 4: stärkerer Reiz....
Skala Angst/Schmerz
  • 0: kein Abwehrreflex
  • 10: maximaler Abwehrreflex
▬▬ tolerierte Reize

▬▬ Pause nötig, Angstsignale erscheinen

  Abwehrreflexe erscheinen

Behandlung wird verweigert weil zu viel Furcht

Das Stressempfinden in der Demenz kann sehr hoch werden, wenn die Patienten die Umstände nicht verstehen. Meistens wehren sie sich gegen Dinge, die sich verändern.

Zahnbehandlung?

JA Schwellung, Schmerz, Gefahr, Fieber, Risiko Lungenentzündung
WARTEN bei Unsicherheit und keine Gefahr, Kooperation unsicher. Medikamente?
NEIN wenn kein Nutzen, fragile Gesundheit, starke Belastung
Cave: eine Narkose kann Todesfolgen haben

Basale Stimulation bei der Mundhygiene

Die Mundhygiene ist eine Gelegenheit zur basalen Stimulation. Die Hilfsmittel richten sich nach dem Patienten, seinen Zähnen, seiner Hand und seiner Vorliebe. Das Ziel ist nicht die Hygiene, sondern den Patienten zu erfreuen. Nicht vergessen: Die Stimulation der Lippen-, Wangen-, Zungen- und Schluckbewegungen kann man durch Spiegeln vormachen, wenn man einen Blickkontakt von Angesicht zu Angesicht herstellt. Die Wangen ausstreichen hilft, die orale Selbstreinigung zu verbessern und allfällige Speiseresten aus den Wangentaschen zu massieren.

Zahnbürstengriff: Um dem Patienten zu helfen, kann man den Griff der Zahnbürste handlicher machen. Benützbar sind weiche, harte oder elektrische Zahnbürsten, Interspace-Zahnbürsten oder sogar Zahnstocher und Zahnseide, die zu einem Spiel mit den Fingern anregen. Vielleicht nur Wattestäbchen oder ein Taschentuch für einen Kontakt mit den Lippen und warmes oder kaltes Wasser zum Spülen?

Aromatische Zahnpasten: Es gibt die BE YOU-Zahnpasten mit verschiedenen Aromen (Curaprox) für frischen Atem. Die Aromen sind Wassermelone, Apfel + Aloe Vera, Grapefruit + Bergamotte, Pfirsich + Aprikose, Brombeere + Lakritze, Gin Tonic + Khaki. Vielleicht ist eine dabei, die besonders gut riecht oder schmeckt?

Warmes Tuch: Wichtig bei einem verspannten Gesicht und bei einer Schmerzvermutung bei eingeschränkter Mundöffnung ist ein warmes Tuch, das man um auf die Wange hält. Die Wärme entspannt den Wangenmuskel sofort und auf eine angenehme Weise.

Spezielle Zahnbürsten und Zahnpasten
Zahnbürstengriff Zahnbürste mit handlichem Griff Zahnpasten mit Geschmack BE YOU-Zahnpasten von Curaprox

Validation bei der Mundhygiene

Das Ziel der Validation ist, Vertrauen aufzubauen und den Widerstand gegen die Mundpflege zu reduzieren. Dabei sollte man dem Betroffenen Sicherheit, Würde und Selbstbestimmung vermitteln und ihn mit lobenden Bemerkungen bestärken wie "Jetzt haben Sie ihre Zähne wieder ganz sauber geputzt." Bei einem solchen Dialog begibt sich ein Pfleger zunächst auf Augenhöhe, sucht dann einen tiefen Blickkontakt und spricht langsam und deutlich.

11 Tipps zur besseren Verständigung mit Menschen mit Demenz

Validation lernen

Hier ein Beispiel, was ohne Validation passieren kann.

Die VA-CH® propagiert die Vier-Schritt-Validation nach Naomi Feil, (siehe Validation Schweiz).


Schaukeln mit basaler Stimulation und Validation um 2010

64Pflege.jpg
Die Schaukel dient zur basalen Stimulation, indem die Pflegerin mit den Füssen die Schaukel bewegt. Zugleich macht die Pflegerin eine Validation, indem sie dem Patienten in kurzen einfachen Sätzen gut verständliche Dinge erzählt und ihn an angenehme private Ereignisse erinnert.

Die Pflege in der Sonnweid

Michael Schmieder leitete bis 2015 die Sonnweid. Seine Pflege legte Wert auf eine weitgehende Freiheit von Medikamenten. Dabei konnte er beobachten, dass die Bewohner nach Absetzen der Medikamente gesünder geworden sind und einige sogar an Gewicht zugenommen haben. Damit sie ihrem Bewegungsdrang frei folgen können, hat er die Sonnweid mit einem schützenden Hag umgeben und richtete an mehreren Stellen kleine Essgelegenheiten ein, wo sie sich im Vorbeilaufen bedienen können.

Die Entwicklung der letzten 30 Jahre

Neue Konzepte sind das Spiegeln der Körperhal­tung, der gezielte Blickkontakt, die biografisch orientierten Berührungen und die integrative Validation. Bei dieser setzt der Pfleger intuitiv die aktuellen Gefühlen ins Zentrum und nicht eine Vier-Schritt-Technik und die vergangene Biografie. Und die basale Stimulation ist nicht mehr nur eine Stimulation der Sinne, sondern ein Medium, das die Sprache ersetzt und mit dem man sich äussern kann. Dabei soll sich der Demente als handelnde Person erleben indem man seine Hand führt, zum Beispiel auch bei der Mundhygiene.


65KariesProf585.jpg
Der kariöse Wurzelrest von -3 tief unter dem Zahnfleisch mit minimalem Granulom

Unbemerkte Caries profunda mit Mumifikation der Pulpa

Diese 88-jährige Patientin (18.06.2026 / 585) wohnt in einem Altersheim und ist gekommen, weil der Eckzahn -3 plötzlich gewackelt hat. Er ist ein Klammerzahn der unteren Teilprothese, und die Patientin konnte wegen dem wackelnden Zahn nicht mehr mit der Teilprothese essen.

Beim Untersuch stellte sich heraus, dass die Krone nur noch am Nerv hing und gar nicht mit dem Zahnfleisch verwachsen war wie sonst jeweils bei einer Zahnfraktur. Die Krone liess sich mühelos ohne Schmerz in alle Richtungen drehen und kippen und schliesslich mit wenig Kraft und völlig blutungsfrei von der Wurzel abziehen. Interessanterweise hat die Karies die Pulpa nicht verflüssigt sondern ohne Schmerzen mumifiziert.

Car.prof. Der Eckzahn konnte mit einer tief nach subgingival reichenden Kompositfüllung ohne Wurzelbehandlung in einer Sitzung wieder als Klammerzahn rekonstruiert werden (rot umrandet).

Mumifikation der Pulpa im hohen Alter

Wie eine subgingivale Karies die Pulpa austrocknet und nicht schmerzvoll vereitert

66Mumifikation.jpg
Pulpitis
Druck/Ödem
Ischämie
Koagulations-
nekrose
Trockene Nekrose
Mumifikation
Subgingivale Karies
Obliteration und Pulpitis
Minimale Durchblutung
Pulpa wird ischämisch
Trockene Koagulationsnekrose
evt. dumpfer Schmerz
Faseriges, kollagenreiches Gerüst
Pulpamumifikation
Keine Schmerzen
Die Mumifikation findet statt bei

hohem Alter + subgingivale Lage + langsamer Verlauf

und verursacht keine Schmerzen

Quellen:
I.B. Bender, Samuel Seltzer. Dental Pulp. 2. Aufl,
Chicago: Quintessence 1984
Fejerskov O, Kidd E. Dental Caries. 3. Aufl.
London: Blackwell; 2025.
Ricucci D, Bjørndal L – Pulpainflammation und Pulpanekrose bei Kariesprogression.

Pulpa

Faserreiche Pulpa mit einem Gerüst aus Kollagenbündeln


Mittlere Demenz: Pflegestation

Bewegungsdrang und Verpflegung

72Wandertrieb.jpg

Der Bewegungsdrang entsteht, wenn die Betroffenen ihr Zuhause oder ihren Arbeitsort suchen. Dabei beachten sie weder Zeit noch Ort, vergessen die Mahlzeiten und können nicht mehr für sich selber sorgen.

Verpflegung beim Wandern

Auf ihren Wanderwegen durch die Gänge des Pflegeheims und in der umzäunten Gartenanlage finden die Bewohner an manchen Stellen Teller mit frischem Obst und Gemüse, damit sie ihren Hunger stillen können, ohne einen Esssaal oder eine Kantine zu suchen.

Die Frau spaziert am Mann vorbei ohne ihn zu begrüssen. Und wenn man sie begrüsst ("Guten Tag Frau Meier"), dann grüsst sie nicht zurück und wendet auch den Kopf nicht. Doch ist eine solche Begrüssung mit ihrem Namen eine geistige Stimulation (Validation).

Der Mann sieht zwar die Türe, weiss aber nicht, was man mit ihr machen kann und geht schliesslich ruhig weiter im Gang, ohne die Türe zu öffnen. Aber der nächste Passant wird die Türe vielleicht schon öffnen und sich dann im Nebenraum umsehen.


Abbau der mastikatorischen Funktionen

Im Pflegesaal befinden sich etwa 20 Patienten. Sie liegen alle je in einem Bett und sind wach, bewegen sich aber wenig. Viele legen ihren Kopf nicht auf das Kissen, sondern halten ihn leicht aufgerichtet in der Luft. Im Gegensatz zu einem Einzelzimmer erleben sie im Pflegesaal immer wieder neue Dinge. Sie bemerken jeden Besucher und hören jedes Wort und jedes Geräusch. Sie selber äussern nur noch einzelne kurze Sätze, die sie oft mit lauter Stimme unvermittelt rufen.

Zum Beispiel rief mir ein im Saal liegender Patient "nein, nein, nein" entgegen. Er hat gesehen, dass ich bei seinem Nachbar im Bett die Zähne untersucht habe und befürchtet, dass ich dasselbe bei ihm auch machen wollte. So bin ich an ihm vorbeigegangen und habe beim nächsten Bett einen Untersuch gemacht. Offenbar hat er mich ganz still weiterhin genau beobachtet. Denn als ich alle Untersuche gemacht hatte und den Saal wieder verlassen wollte, rief er mir laut "ja, ja, ja" entgegen. Daraufhin konnte ich auch seine Zähne gut untersuchen.

Weil in der fortgeschrittenen Demenz Sinn und Handhabung einer Zahnbürste vergessen sind, wehren sich die Betroffenen kraftvoll gegen die Mundhygiene. Trotzdem gibt man ihnen hie und da einen süssen Speisebrei, den sie lieben und der ihre Lebensqualität und Ernährung verbessert. Folgedessen verursachen die Zahnbeläge und Speiseresten einen raschen kariösen und parodontalen Zerfall.

Erstaunlicherweise hat der Zahnzerfall keinen grossen Krankheitswert, denn

  • die Betroffenen nehmen ihre Zähne nicht mehr wahr (keine soziale Scham),
  • sie essen nur noch Löffelnahrung (keine mechanische Aufgabe der Zähne),
  • werden die Zahnwurzeln durch die Karies weich und immer kürzer, und
  • schieben kleine entzündliche Granulome die Wurzelreste langsam und kaum schmerzhaft aus dem Zahnfleisch hinaus bis sie von selber abfallen.

Mundhygiene = basale Stimulation

Eine teilweise noch vorhandene Gewohnheit des Zähneputzens kann zu einer basalen Stimulation verwendet werden. Es spielt keine Rolle, ob die Zahnbürste in den Mund hinein darf oder nicht. Nützlich ist jede Art von Zuwendung des Pflegers zum dementen Patienten.

Geführtes Zähneputzen
Geführtes Zähneputzen Peter Nydahl: Basale Stimulation in der Pflege

Basal orientierte Zahnfüllung im Beisein von Familienangehörigen

74BasaleFlg7235.jpg
zweihänidges Exkavieren
  • Der Zahnarzt bohrt trocken, weil Wasser irritiert.
  • Er führt den Bohrer beidhändig, damit er nie abrutscht.
  • Er bohrt mit wenig Druck, damit der Zahn wenig vibriert.
  • Er bohrt ohne Wischbewegungen und nur schrittweise.
  • Er präpariert nur kurz, um Vibrationen zu vermindern.
  • Tourbine und grosses Absaugrohr sind zu laut.
  • Handschuhe riechen und fühlen sich fremdartig an.
  • Niedrigste Umdrehungszahl, damit der Motor leise bleibt.
  • Er benutzt nur neue Bohrer, damit sie auch ohne Druck und hohe Umdrehungszahl funktionieren.
  • Er stützt beim Bohren einen Finger auf den Zahn, um die Vibration zu dämpfen.

Trotz der tiefen Karies bis zum Nerv war dank dieser reizarmen bimanuellen Haltetechnik keine Anästhesie nötig, und die Patientin hat vor und nach der Behandlung keinerlei Medikamente bekommen.

Diese Behandlung wurde nicht wegen Schmerzen oder einer gesundheitlichen Gefahr gemacht, sonder weil der Ehegatte die Karies bei den Frontzähnen (siehe oben) nicht dulden konnte. Es war also ein sozial-ästhetischer Notfall.

So kam die 73-jährige Patientin (18.03.2017 / 7235) im Rollstuhlg in Begleitung ihres Sohnes und ihres Gatten. Er legte seine Hand auf ihre Augen und Stirn. So konnte er das blendende Licht abhalten und sie derart beruhigen, dass sie die Zahnbehandlung ohne Protest und Abwehr erduldet hat. Ihr Sohn sass während der ganzen Behandlung auf einem Stuhl daneben und berührte mit seiner Hand ihr Beine.

nach der Behandlung Die Karies ging bis zum Nerv ( Nerv zeigen). Trotzdem zeigte die Patientin in keinem Moment ein Zeichen des Schmerzes.
nach der Behandlung Nach der Behandlung wurde die Lehne des Rollstuhls wieder hochgestellt, und sofort öffnete die Patientin die Augen und lachte, als ob sie die Zahnverschönerung begriffen hätte.

Anderthalb Jahre später ist die Patientin verstorben.


Schwere Demenz: Oasestation

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Retrudierte Fronten

Beide Patientinnen haben mit ihren Saugbewe­gungen die Zähne fast 90° nach hinten gekippt. Sie liegen nur noch im Bett und bekommen seit vielen Monaten Löffelnahrung.

Die Zahnbeläge entzünden das Zahnfleisch. Jeder Putzversuch wird durch kraftvolle Abwehrbewe­gungen der Lippen, Zunge, Hände und des Kopfes verhindert.


Post-mortem-Zahnstatus

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Lingual gekippte Zähne

Diese erst gerade verstorbene Frau (80-jährige Patientin (18.10.2006 / 4817)) hat durch Saugbewegungen alle Zähne etwa 30° in den Mundraum hinein gekippt.

Die ebenen Kauflächen und abgeschliffenen Schneidekanten sind durch den früheren Bruxismus entstanden. Dieser ist stressbedingt und wird vom limbischen Cortex aktiviert. Das Bild der Zähne zeigt, dass der limbische Cortex jetzt nur noch frühkindliche Bewegungen macht.

RxBild

Der abgebrochene Molar rechts unten wird nicht belastet und wegen der Karies beständig kleiner. Das apikale Granulom ist sehr klein. Der Zahn hat wohl nie geschmerzt.


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Desolates Gebiss

Diese erst gerade verstorbene Frau (96-jährige Patientin (11.11.2006 / 4862)) hat alle Zähne bis zu etwa 30° schief in den Mundraum hinein gekippt.

Kariöse Wurzelreste und schwere Parodontitis prägen das Bild. Aber Schmerzen sind keine zu vermuten, weil die Zähne nicht belastet werden und auch von selber ausfallen.

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Der 12 hat ein kleines Granulom und wird nicht belastet.
Der 26 hat ebenfalls nur ein kleines Granulom und wird nicht belastet.

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erstellt: 01.01.2018 - 22.06.2026