W. Weilenmann
Dr. med. dent.
Walter Weilenmann
eidg. dipl. Zahnarzt
dipl. Natw. ETH

Mitglied SSO, SSGS
und SSO-Zürich.

Akute Schmerzen in der Praxis

Akute Schmerzen sind eine tägliche Herausforderung, und zwar in drei Hinsichten:
  • Die Ursache finden. Sie ist oft unsichtbar und nicht trivial.
  • Mögliche Behandlungen abwägen, aber die Wirkung der Behandlung ist nicht sicher.
  • Die gewünschte Behandlung durchführen. Die Schmerzen und emotionalen Umstände erschweren die Behandlung.
Es werden nachfolgend einige Beispiele vorgestellt.

Loch oben, Schmerz unten

2Bsp6658.jpg

oben: 6+ Pulpahorn geöffnet, sofort starke Blutung.
unten: 6+ mit 5 Kanälen!

43-jähriger Patient (02.12.2014 / 6658)

Anamnese:
Der Patient hat schon lange zeitweis starke Schmerzen im Unterkiefer, die jeweils nach einigen Stunden wieder verschwinden. Ein Zahnarzt machte eine Kostenschätzung, aber keine Behandlung, weil die Schmerzen wieder verschwanden. Gestern Nacht kamen sie wieder, aber mehr als sonst, und heute erschien er zur Behandlung bei mir.

Befund:
Die Zähne sind ausserordentlich gut erhalten und haben nur wenige kleine Füllungen. Beim Zahn 6+ ist jedoch eine alte Amalgamfüllung aus der Schulzeit gebrochen. Der Patient kann fast nicht glauben, dass diese Füllung schuld sein soll an den Zahnschmerzen im Unterkiefer. Er kann mit der Zunge nicht einmal den etwa 1 mm breiten Spalt in der Füllung spüren. Ich kann ihn trotzdem überzeugen, am oberen Zahn die Füllung zu reparieren, weil am Unterkiefer alles in Ordnung ist und man dort keinen Zahn anbohren muss.

Behandlung:
2.12.2014: Das Loch war sehr tief, aber der Nerv schien zuerst noch intakt. Das war verdächtig, und ich sondierte nochmals ganz genau und fand plötzlich einen weichen Punkt. Ich stach nur etwa 1 mm tief hinein, und dann begann es stark zu bluten. So entschloss ich mich nach einigen Minuten, den Nerv zu entfernen. Die Blutung stand erst, als ich 5 Kanäle gefunden hatte. Jeder von ihnen blutete stark. Während der Behandlung liess die Wirkung der Spritze nach. Der Patient spürte den Schmerz wieder nur am Unterkiefer. Am Tag danach waren die Schmerzen verschwunden.
10.3.2015: WF und Komposit problemlos.


Kein Loch, trotzdem Schmerz

3Bsp4900.jpg
21-jähriger Patient (24.03.2016 / 4900)

Der Patient klagte über Schmerzen nach Kaugummi-Kauen. Die Zähne seien generell empfindlich auf kalt und warm. Sonst keine Schmerzen, weder nachts noch morgens noch beim Essen, Trinken oder nach Süssem. Der Schmerz dauert jeweils etwa eine Stunde lang.

Minifüllung

Auf dem Bild links sieht man die Ursache: eine winzig kleine empfindliche Stelle mitten auf dem Höcker. Sie konnte mit einer winzig kleinen Füllung abgedeckt werden (Bild oben).


Kampf gegen Bakterien

4Bsp5094.jpg
46-jährige Patientin (04.06.2025 / 5094)

Die Patientin hat vor wenigen Tagen sehr starke Schmerzen und eine Schwellung neben dem Weisheitszahn gehabt. Diese ist zwar wieder verschwunden, sie möchte den Weisheitszahn aber trotzdem entfernen lassen.

Tatsächlich war er kariesfrei und fest. Aber auf der Wangenseite hatte er eine tiefe Zahnfleischtasche.
Parodontitis Links ist die gesunde Zungenseite des Weisheitszahnes, rechts die Wangenseite mit dem geschwollenen Zahnfleisch.

Schuld am Zahnfleischdefekt sind Bakterien. Sie konnten unter dem Zahnfleisch den dunklen Zahnstein bilden. Gleich daneben ist auch eine kleine externe Resorption entstanden.

Resorption zeigen

Kampf gegen Stress und Bruxismus

5Bsp1618.jpg
Bei hohem Stress entsteht ein kräftiger Schlafbruxismus und ein schmerzender Abdruck des Prothesenrandes am Gaumen.
70-jährige Patientin (15.09.2026 / 1618)

Die Patientin kann nicht gut deutsch und kann nicht viel von ihren familiären Problemen erzählen.

Sie hat im Spital bereits Beruhigungs-Techniken erklärt bekommen.

Die Prothese sei teuer gewesen und wurde in ihrer Heimat hergestellt. Deshalb möchte sie sie nicht verändern lassen. Dabei wäre es naheliegend, den ganzen Gaumen mit rosafarbenem Kunststoff abzudecken, damit sich der Druck beim Knirschen auf den ganzen Gaumen verteilen kann.

6Bsp1618.jpg
(Prothese seitenverkehrt abgebildet zum einfacheren Vergleich mit dem Abdruck am Gaumen)

Der Prothesenrand ist aus Metall und leicht verdickt.
Die Verdickung soll bewirken, dass der Prothesenrand deutlich gegen den Gaumen drückt, so dass die Zunge beim Essen keine Speiseresten unter den Prothesenrand schieben kann.
Wegen dem Bruxismus haben die Klammer­auflager der Prothese alle Klammerzähne etwas intrudiert und liegt nun der Prothesenrand stärker auf dem Zahnfleisch wie früher.

Nachts trägt sie eine Sauerstoffmaske, weswegen es schwierig ist, auch noch einen Jig gegen das Knirschen zu tragen.

Neben den Schmerzen am Gaumen spürt die Patientin häufig Muskelschmerzen links und rechts vom Kiefer. Das sei schon immer so gewesen und sei ihr Schicksal.

Aber ohne Prothese kann sie nicht essen.

Copyright © 2026 Icon W. Weilenmann
erstellt: 26.04.2015 - 15.09.2026